Blaue Tonne, schlaue Tonne

Die Stadt ist mit ihrem Versuch, die Blaue Tonne (für Papier) der Fa. Kühl Recycling zu verbieten, nicht durchgekommen:

Das VG Karlsruhe entschied jetzt auf einen Eilantrag (Volltext), daß Kühl seine Sammlung durchführen darf:

Wie das Verwaltungsgericht ausführte, ist die Untersagungsanordnung der Stadt Karlsruhe nicht durch das Abfallrecht gedeckt. Es bestünden keine Zweifel daran, dass die Antragstellerin nachweisen könne, von ihr eingesammeltes Altpapier werde einer ordnungsgemäßen und schadlosen Verwertung zugeführt. Die Firma sei ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb, der bundesweit und auch als Auftragnehmerin der Stadt Karlsruhe im Bereich der Altpapierverwertung tätig sei.

Der gewerblichen Altpapiersammlung der Antragstellerin stünden auch keine überwiegenden öffentlichen Interessen entsprechend den Zielen des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes entgegen. Selbst wenn man davon ausginge, dass durch das Konzept der Antragstellerin der Stadt Karlsruhe ein erheblicher Anteil des Altpapiers und der dazugehörigen Erlöse entginge, würde dies nach den Angaben der Stadt Karlsruhe allenfalls zu einer Erhöhung der Abfallgebühren um voraussichtlich 10 € pro Jahr führen, nicht jedoch deren Funktionsfähigkeit als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger gefährden.

und

Ein der gewerblichen Altpapiersammlung der Antragstellerin entgegenstehendes überwiegendes öffentliches Interesse liege auch nicht darin, dass die von der Antragsgegnerin betriebene Wertstoff-Mischtonne abfallwirtschaftliche Vorteile gegenüber der von der Antragstellerin beabsichtigten sortenreinen Erfassung des Altpapiers haben könnte. Vielmehr seien beide Erfassungssysteme für eine geordnete Altpapierabfuhr und -entsorgung geeignet. Soweit bei Einführung der „Blauen Tonne“ die bislang Altpapiersammlungen durchführenden Vereine Einnahmen und Zuschüsse verlieren würden, begründe dies ebenfalls kein entgegenstehendes öffentliches Interesse. Denn die Förderung gemeinnütziger Organisationen sei kein abfallrechtlich beachtlicher Gesichtspunkt.

Endlich bekommt Karlsruhe eine brauchbare Papierentsorgung. Danke, Kühl Recycling, danke, liebes Verwaltungsgericht!

Online-Apotheken

Mit DocMorris hatte ich ja mal sehr schlechte Erfahrungen gemacht: Man hatte mir ein Rezept einfach – mit knapp einer Woche Verzögerung! – zurückgeschickt, weil man gerade Logistikengpässe habe …

Nachdem mein Mitbewohner eine Lieferung einer Online-Apotheke bekommen hatte, habe ich es doch mal wieder probiert. Der Weg führte über die Preisvergleichsseite Medpreis.de. Nachdem ich dort einige (mehr oder weniger) regelmäßig benötigte Medikamente gesucht hatte, wurde schnell klar, daß man da einiges sparen kann.

Gelandet ist meine Bestellung dann schließlich bei der Apotheke am Lausitzpark. 100 Cetirizin kosten dort 9,97 € statt sonst ca. 26 €, eine Kombipackung Cromoglicinsäure 3,65 € statt sonst über 7 €. Aber die werde ich wohl auf absehbare Zeit eh nicht brauchen, weil ich eine Kombipackung Livocab für 11,75 € statt sonst über 25 € ergattert habe. Inzwischen kostet die aber auch fast 20 €.

Merkwürdig allerdings ein Prospekt/Flyer, den man mir beigelegt hat: Man kann bei rezeptpflichtigen Medikamenten “sparen”, selbst wenn man zuzahlungsbefreit ist und ein Kassenrezept hat – die Ersparnis wird dann “gutgeschrieben”. Das kann rechtlich ja nicht so ganz einwandfrei sein … Zumal Zuzahlungsquittungen über tatsächlich nicht geleistete Zuzahlungen ausgestellt werden … Mal sehen, welche Stellen ich darüber informiere …

Schlaue Städte mixen Papier nicht mit Müll

Heute hat das Karlsruher Amt für Abfallwirtschaft eine Pressemitteilung herausgegeben, mit der vor der Nutzung der “Blauen Tonne” eines privaten Entsorgers “gewarnt” wird:

Schlaue Bürger setzen nicht auf die blaue Tonne

“Blaue Tonne – Schlaue Tonne”: Mit diesem Slogan wirbt seit einigen Tagen ein Privatunternehmer mit einem in Briefkästen verteilten Flugblatt für die Entsorgung von Altpapier. Das Amt für Abfallwirtschaft weist Bürgerinnen und Bürger darauf hin, dass es keineswegs eine schlaue Entscheidung wäre, sich für die “Blaue Tonne” des Privatunternehmers zu entscheiden. Im Gegenteil: Die Nutzung dieser Tonne würde einen Verstoß gegen die Abfallentsorgungssatzung darstellen. Neben der Tatsache, dass die widerrechtliche Nutzung der sogenannten “blauen Tonne” damit eine Ordnungswidrigkeit darstellen würde, gibt es weitere gute Gründe, nicht auf das Angebot der Firma einzugehen: Nach wie vor ist es die Wertstofftonne (mit dem roten Deckel), in die Papier, Zeitungen, Zeitschriften und Kartonagen gehören – ein zusätzlicher Sammelbehälter ist also gar nicht erforderlich. Wer will, kann sein Altpapier auch zur Altpapiersammlung geben, welche seit Jahren in Abstimmung mit der Stadt von Vereinen und Kirchengemeinden durchgeführt werden. Meist sind es Jugendgruppen, die das Einsammeln übernehmen und mit dem Verkauf des Altpapiers ein wenig ihre Gruppenkasse füllen. Und: Wer über die Sammelaktionen sein Altpapier entsorgt, kann die eigene Wertstofftonne entlasten und so Gebühren sparen. Sollte der Anbieter der “Blauen Tonne” uneinsichtig sein und sein “Angebot” nicht vom Markt nehmen, wird die Stadt rechtliche Schritte gegen das Unternehmen einleiten.

Ein willkommener Anlaß, mal grundsätzliche Kritik am Karlsruher Modell der Abfallentsorgung zu üben.

Erstmal ein Überblick für die Nicht-Karlsruher: In Karlsruhe gibt es für Haushalte drei Tonnen. In die Wertstofftonne kommt alles wertstoffartige, also Verpackungen (auch solche mit Grünem Punkt), Papier, diverses andere, aber kein Glas. In die Biotonne kommen organische Abfälle, in die Restmülltonne alles andere. Papiercontainer gibt es nicht, nur Sammlungen, die alle zwei bis drei Monate stattfinden und von Kirchengemeinden etc. durchgeführt werden.

Damit haben wir auch schon die wesentlichen Kritikpunkte:

Erstens: Wenn man Papier wirklich über die Wertstofftonne entsorgt, ist die ratzfatz voll. Da die auch nicht ganz billig ist, macht man das nicht wirklich. Bleibt also nur die Alternative, das Papier monatelang zu lagern oder mit dem Auto zur Wertstoffstation zu fahren (die sind richtig verkehrsgünstig gelegen, zum Beispiel am Rheinhafen). Was es bringen soll, das Papier mit den anderen Sachen zusammenzuschmeißen, ist unklar. Vermutlich ist die Sortieranlage nicht ausgelastet …

Zweitens: Auch Verpackungen mit Grünem Punkt gehören in die kostenpflichtige Wertstofftonne. Eine Unverschämtheit, denn für die Entsorgung dieser Verpackungen hat schon der Inverkehrbringer bezahlt, und das nicht zu wenig. Gerechtfertigt wird das vermutlich mit einer Mischkalkulation, die davon ausgeht, daß man die Wertstofftonne zur Hälfte kostenfrei mit Verpackungen und zur Hälfte kostenpflichtig mit Papier füllt.

In diese Entsorgungslücke ist offenbar der Anbieter der Blauen Tonne gesprungen. Damit zeigt er zugleich, daß man mit der Entsorgung von Papier Geld verdienen kann. Und damit bröckelt dann auch die Rechtfertigung der Stadt für die Gebühren für die Wertstofftonne: Damit bezahlt man nämlich im wesentlichen für die Entsorgung von Abfällen, deren Entsorgung entweder schon bezahlt ist oder mit deren Entsorgung die Stadt sogar Geld verdient – oder halt verdienen könnte, wenn sie weniger ineffiziente Strukturen betreiben würde.

allposters.de unseriös

Bei meiner heute angekommenen Amazon.de-Bestellung lag ein Prospekt von allposters.de bei, 25% Rabatt auf alles.

Da ich schon länger vorhatte, mein Zimmer mal mit ein paar Postern aufzupeppen, und das auch gar nicht schlecht aussah, hab ich in dem Shop mal ein bißchen gestöbert. Bzw. etwas mehr als ein bißchen, ich hab da ziemlich lange verbracht.

(UPDATE: bitte Kommentare lesen!)

Als ich dann ein paar Poster im Warenkorb hatte, wollte ich wissen, was das denn eigentlich kostet. Erste Seltsamkeit: Preise in US-$. Hä?! Zweite Seltsamkeit: Es steht nirgendwo was von Versandkosten. Irgendwo waren dazu dann auch Infos zu finden – allerdings mußte man dort erst auswählen, daß man das Zeugs nach Deutschland und nicht in die USA geliefert haben will. Das waren dann 8,99$ Grundpreis und 0,99$ pro Artikel. Versandkosten pro Artikel? Geht’s noch? Also irgendwie hab ich das Gefühl, daß das preisangabenrechtlich nicht so ganz ok ist:

§ 1 Absatz 2 Satz 2 PAngVO:

Fallen zusätzlich Liefer- und Versandkosten an, so ist deren Höhe anzugeben. Soweit die vorherige Angabe dieser Kosten in bestimmten Fällen nicht möglich ist, sind die näheren Einzelheiten der Berechnung anzugeben, aufgrund derer der Letztverbraucher die Höhe leicht errechnen kann.

Auf dem Flyer steht zu Versandkosten übrigens gar nichts!

Aber halt, da war doch was, daß man den Rabatt “nur unter www.allposters.de/Y1181” bekommt. Und die Adresse war ziemlich kaputt, jedenfalls im Seamonkey, mit der ich vorher schon den Shop angeschaut hab.

allposters-de.png

Im Firefox geht sie jetzt. Schlampig, schlampig …

Aber auch da wieder nur Dollar-Preise, ein Zusammenhang mit den Euro-Preisen im Prospekt ist nicht erkennbar. Sorry Jungs, so nicht. Für Tipps zu brauchbaren Poster-Shops bin ich dankbar.

Und daß Amazon.de Werbung für solche windigen Unternehmen verbreitet, ist auch etwas schwach …

Verzichten Sie nicht leichtfertig auf Ihre Vorteile.

Heute bekam ich ein Werbeschreiben der Deutschen Bahn. Inhalt: Ob ich meine gekündigte Bahncard nicht doch weiter behalten habe.

Die Krönung des Briefs: ein sorgfältig zerknickter A4-Zettel mit “allen BahnCard-Vorteilen im Überblick”, auf dem in rot auf weiß stand:

Wollen Sie diese Vorteile wirklich wegwerfen?

Warum eigentlich?

pict3678.jpg

Jetzt kommt der Kram ins Altpapier.

Flugpreisangaben

Gerade habe ich den Lufthansa-Newsletter bekommen. Die Angebote sind nichts besonders günstiges, erstaunt hat mich aber folgendes:

Preis für Direktflüge (Hin- und Rückflug) inkl. 10 Euro Lufthansa Ticket Service Charge bei Buchung eines elektronischen Tickets (etix ®) unter www.lufthansa.com. Preisabweichungen möglich bei Ausstellung eines Papiertickets und bei Zahlung mit Kreditkarte.

Es werden jetzt also tatsächlich mal Endpreise incl. Ticketing-Entgelt angegeben. Was war daran bisher so schwer?

Nicht versumpft bei o2

Seit meinem letzten Post hat mir o2 noch eine “nette” SMS geschrieben:

Guten Tag! Wir benötigen zum Abgleich Ihrer Daten einen dringenden Rückruf, um eine Sperre zu vermeiden: (01805) 453 345. Vielen Dank. Ihr o2 Team.

Anscheinend triggern zurückgegebene Lastschriften dort automatische solche SMS … Hab ich natürlich nicht drauf geantwortet, stattdessen weiter an dem Schreiben gefeilt …

Am Dienstag hat sich auch noch die Bundesnetzagentur gemeldet: o2 hätte wie alle TNBs vom Inkassoverbot Bescheid wissen müssen, man werde der Sache nachgehen.

An o2 ist dann folgener Brief rausgegangen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

bereits mit Schreiben vom 20. Oktober hatte ich Einwendungen gegen zwei Verbindungen am 9. September 2006 zur Rufnummer 900 3775037 auf meiner letzten Rechnung geltend gemacht. Wegen der Vorbereitung auf eine Hochschulprüfung finde ich erst jetzt Zeit, diese Einwendungen ausführlicher zu begründen. Ich bitte dafür um Ihr Verständnis.

Wie ich Ihnen bereits mitgeteilt habe, wurde der Fa. Next ID, dem Verbindungsnetzbetreiber, bei dem diese Rufnummer geschaltet ist, von der Bundesnetzagentur, Außenstelle Meschede unter dem Aktenzeichen EB91834
nach § 67 Absatz 1 Satz 3 TKG untersagt, eine Rechnungslegung für Verbindungen ab dem 7. September 2006 vorzunehmen.

Dieses vollziehbare Rechnungslegung müssen auch Sie gegen sich gelten lassen, denn Sie nehmen insoweit nur eine im Wege des Forderungsaufkaufs erworbene Forderung wahr, die ursprünglich dem Teilnehmernetzbetreiber zustand.

So heißt es in einem Artikel in Ausgabe 3/2006 der Zeitschrift Multimedia und Recht (MMR 3/2006, S.~146: Rolf Bosse/Thomas Richter/Michael Schreier: Abschaffung der 0190-Rufnummern – Regulierungsbedarf bleibt: “Beim Online-Billing kauft der TNB, der für seine Anschlussinhaber Anrufe zu den betreffenden Mehrwertrufnummern zulässt, die beim Mehrwertdiensteanbieter entstandene und an den VNB abgetretene Entgeltforderung auf, wobei als Kaufpreis das Nettoentgelt nach Abzug einer Vergütung [Fußnote weggelassen, J. M.] für die Fakturierung und für die Übernahme des Delkredererisikos festgesetzt wird.”

Außerdem möchte ich Sie auf ein Urteil des OLG Koblenz vom 9. Februar 2006, 2 U 42/05, aufmerksam machen.

Die Leitsätze der MMR-Redaktion (abgedruckt in MMR 2006 Heft 9 Seite 627) dazu lauten:

  1. Ein Teilnehmernetzbetreiber hat keinen originären eigenen Anspruch auf Entgelt für einen nicht von ihm betriebenen Mehrwertdienst. Dies ergibt sich im wesentlichen aus § 15 Abs. 1 Satz 5, Abs. 3 TKV.
  2. Der Teilnehmernetzbetreiber kann den Vergütungsanspruch des Mehrwertdienstebetreibers nur auf Grund Abtretung oder Einzugsermächtigung geltend machen, die er nachweisen muß.

Einen Ausdruck dieses Urteils habe ich Ihnen beigelegt.

Weiters könnte für Sie der Artikel Inanspruchnahme von Mehrwertdiensterufnummern – Vertragsbeziehungen des Kunden zu Teilnehmernetzbetreiber und Mehrwertdiensteanbieter, erschienen in MMR 2006 Heft 9 Seite 585, interessant sein. Auf weitere Ausführungen zu diesem Artikel verzichte ich hier.

Das Rechnungslegungsverbot habe ich als Grund für die Unberechtigtheit des Rechnungspostens bereits geltend gemacht, als ich die Richtigkeit der Rechnung unverzüglich nach Erhalt telefonisch bei Ihrem Kundenservice bestritten habe. Da dort keinerlei Bereitschaft zu erkennen war, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, geschweige denn die Berechnung unverzüglich zu stornieren, war es gerechtfertigt, die Lastschrift unter Überweisung des unstrittigen Restbetrages zurückzugeben.

Wenn Sie wegen mangelhafter Kommunikation mit dem VNB, von dem Sie die (nicht bestehende) Forderung aufgekauft haben, fehlerhafte Rechnungen erstellen, liegt dies in Ihrem Verantwortungsbereich.

Vor diesem Hintergrund finde ich auch die folgende SMS etwas befremdlich, die ich heute von Ihnen erhalten habe: “Guten Tag! Wir benötigen zum Abgleich Ihrer Daten einen dringenden Rückruf, um eine Sperre zu vermeiden: (01805) 453 345. Vielen Dank. Ihr o2 Team.”.

Ich werde Sie sicher nicht anrufen, da Telefongespräche über so eine komplexe Materie nicht zielführend sind, wie schon der Anruf bei Ihrem Kundenservice gezeigt hat. Außerdem werde ich sicher nicht auf meine Kosten eine 01805-Rufnummer anrufen, deren Kosten Sie im übrigen in der SMS verschwiegen haben.

Ich fordere Sie auf, meinen Anschluß weiterhin vertragsgemäß zur Verfügung zu stellen. Sollte eine Anschlußsperre erfolgen, werde ich auf jeden Fall die entsprechenden Rechnungen um die Grundgebühr und den Mindestumsatz für die Tage kürzen, an denen mir der Anschluß nicht zur Verfügung stand. Weitergehende Schadenersatzforderungen behalte ich mir vor.

Die Bundesnetzagentur erhält eine Kopie dieses Schreibens.

Und tata: Am Donnerstag kam ein Brief vom Kundenservice:

Sehr geehrter Herr Müller,

vielen Dank für Ihr Schreiben.

Da wir Sie als Kunden schätzen, haben wir Ihrem Kundenkonto aus Kulanz – ohne Anerkennung einer Rechtspflicht – den Betrag von 62,50 € (brutto) gutgeschrieben.

Die Verrechnung dieser Gutschrift erfolgt automatisch mit der aktuellen bzw. kommenden Rechnung.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Team von O2 Germany

Ähm, ja. Schön, daß man dort anscheinend eingesehen hat, daß man rechtlich keinerlei Chance hat. Daß man keinen Präzedenzfall schaffen will, war natürlich zu erwarten. Hoffentlich tut die BNetzA jetzt was, um auch in allen anderen Fällen den Geldfluß zu stoppen. Überprüfung der Buchhaltung wäre zum Beispiel eine Möglichkeit.

0900-Sumpf, 2. Teil

Nachdem o2 sich am Telefon überhaupt nicht einsichtig gezeigt hat, und da ich gegenüber meiner Bank verpflichtet bin, unberechtigten Lastschriften unverzüglich zu widersprechen, habe ich am Freitag die Lastschrift von o2 zurückgehen lassen und den unstreitigen Teil der Rechnung überwiesen.

Die Bundesnetzagentur hat sich natürlich immer noch nicht gemeldet. Dafür habe ich jetzt zwei interessante Artikel aus Multimedia und Recht sowie ein Urteil des OLG Koblenz, die die Auffassung vertreten, daß die Forderung für die 0900-Nummer, die der Teilnehmernetzbetreiber auf der Rechnung geltend macht, ihm vom Verbindungsnetzbetreiber abgetreten, er mit dem Inkasso beauftragt wurde oder ähnliches.

Das bedeutet dann natürlich, daß er Einreden wie zum Beispiel die fehlende Geltendmachbarkeit der Forderung wegen vollziehbarem Rechnungslegungsverbot (nach § TKG) auch gegen sich gelten lassen muß.

Werde mir diese Artikel jetzt durchlesen und dann o2 nochmal einen ausführlicheren Brief schreiben, CC natürlich an die Bundesnetzagentur.

0900-Sumpf

Fast jeder kennt sie: Automatische Anrufe auf seiner Festnetznummer (gerne auch Genion oder so, Hauptsache Festnetz), die einem mitteilen, daß man einen Geld- oder Sachpreis garantiert gewonnen habe. Um den abzurufen, soll man dann eine 0900-Nummer für 1,99 € die Minute anrufen.

Verantwortlich dafür ist übrigens:

Medkom Limited
Hobyar Mah. Gürün Han Kat.9

Hanimeli Sok. 933
34112 Eminönü/Istanbul

TUERKEI

Daß das Betrug ist, sollte jedem klar sein. Es lohnt also nicht, die Nummer anzurufen, jedenfalls nicht in dem Sinne, daß man dann einen tollen Preis gewinnen kann. Man kann es natürlich tun, dazu mehr unten. Dazu sollte man aber nicht allzu schwache Nerven haben. Sofortmaßnahme, die jeder vornehmen kann und sollte: Mail an rufnummernspam@bnetza.de, in der man kurz und knapp schildert, wann man den Anruf bekommen hat, was ungefähr der Inhalt war und ganz wichtig: welche Nummer beworben wurde. Natürlich sollte man nicht vergessen, seine Adresse anzugeben. Das ganze dient nämlich dazu, der Behörde gesicherte Kenntnis über einen Mißbrauch der Rufnummer zu verschaffen, und die wird sie kaum auf Anonymlinge stützen. Ein paar Tage später bekommt man dann eine Eingangsbestätigung, und drei bis vier Wochen später in der Regel eine Mitteilung, daß die Nummer abgeschaltet wurde. Meistens wird inzwischen dann auch ein Rechnungslegungs- und Inkassoverbot ausgesprochen. Das ist gut, weil der Spammer dann theoretisch kein Geld an seinen illegalen Machenschaften verdienen kann. Praktisch ist es alles etwas komplizierter.

Wenn man die Nummer eh nicht angerufen hat, kann einem das alles ziemlich egal sein. Man hat jedenfalls seinen Beitrag dazu geleistet, dem Spammer das Handwerk zu legen. Sollte man die Nummer doch angerufen haben, braucht man natürlich das Rechnungslegungsverbot (und einen langen Atem). In dem Fall sollte man in seiner Beschwerde die BNetzA auf jeden Fall darauf hinweisen, daß sie doch bitte ein Rechnungslegungsverbot erlassen möge. Manchmal tut sie das nämlich aus unverständlichen Gründen nicht.

Also: Bei jeder bespammten Nummer beschwert sich ein Haufen Leute, und die Rechnungslegung wird verboten. Warum wird das dann überhaupt noch gemacht, wenn doch anscheinend kein Geld zu verdienen ist? Fazit: Es wird offensichtlich doch Geld damit verdient. Die Verbindungen werden nämlich trotz Rechnungslegungsverbot in Rechnung gestellt, und von selbst gutgeschrieben wird da schon mal gar nichts.

Grund genug, daran was zu ändern. Kann ja nicht angehen, daß man mit Betrug Geld verdienen kann. Und da kommen wir zur neuen Extrem-Sportart: Extreme-0900-Abzocker-Nerving.

Das funktioniert ungefähr so: Man ruft die bespammte Nummer an, in unerschütterlichem Vertrauen auf den Rechtsstaat und der festen Überzeug, daß besagtes Rechnungslegungsverbot erlassen wird. Und natürlich meldet man die Nummer der RegTP. Inzwischen nach wenigen Wochen (also oft noch vor der nächsten Rechnung) bekommt man dann die Mitteilung über die Sperrung, in der Regel mit folgendem Satz: “Bitte teilen Sie mir mit, falls dennoch Verbindungen auf Ihrer nächsten Telefonrechnung berechnet werden sollten.”.

Also hab ich die Nummer mal für 60 € angerufen. Daß sie berechnet wurde, hab ich erst durch die Lastschrift mitbekommen, weil mich die Rechnung aus unerfindlichen Gründen nicht erreicht hat (aber bei o2 kriegt man ja online Duplikate), daß sie gesperrt wurde, nur auf der Website der BNetzA, weil man mich aus unerfindlichen Gründen nicht informiert hat. Naja, wie gesagt, steht zum Glück auf der Website.

Also bei o2 angerufen: Die Call-Center-Agentin mußte zweimal rückfragen (“Danke, daß Sie gewartet haben!”) und erzählte mir dann, solange die Nummer geschaltet sei, müsse o2 die berechnen. Ich solle mich an die BNetzA wenden.

OK, das hab ich auch getan:

Sehr geehrte Damen und herren,

wie ich Ihrer Website unter
[1]
entnehmen konnte, wurde die Rufnummer 9003775037 mit Bescheid vom
29.9.2006 zum 5.10.2006 abgeschaltet und ein Rechnungslegungs- und
Inkassoverbot rückwirkend ab dem 7.9.2006 erlassen.

Trotzdem finde ich auf meiner o2-Rechnung vom 6.10.2006 folgende Posten:

Datum Zeit Nummer Dauer Betrag (excl. USt)
09.09.2006 10:47:01 09003775037 00:02:35 4,4539
09.09.2006 20:34:00 09003775037 00:27:37 47,6139

Offenbar wurde das Rechnungslegungsverbot also nicht beachtet. Ich bitte
Sie, dies geeignet zu ahnden.

Der o2-Kundenservice, den ich gerade telefonisch kontaktiert habe, war
der Meinung, daß o2 diese Nummern berechnen müsse, so lange die Nummern
geschaltet und erreichbar sind. Daß das Rechnungslegungs- und
Inkassoverbot nur gegenüber dem Netzbetreiber ausgesprochen wird, in
dessen Netz die Nummer geschaltet ist, stellt insofern offenbar einen
wesentlichen Verbraucherschutzmangel dar, insbesondere, wenn – wie in
diesem Fall – die Teilnehmernetzbetreiber nicht willens sind, die
Rechnungslegung solcher Verbindungen zu stornieren. Das
Rechnungslegungsverbot läuft auf diese Weise offensichtlich ins Leere.

Es wäre nett, wenn Sie mir mitteilen könnten, in wessen Netz die Nummer
geschaltet ist, damit ich meine Erstattungsansprüche gegen diesen
Netzbetreiber (der gegen das Rechnungslegungsverbot verstoßen hat)
geltend machen kann. In der 0900-Suchmaschine auf Ihrer Website unter
[2]
ist diese Information nicht enthalten.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Müller

Was für ein Sumpf – kann man den bitte endlich mal trockenlegen?

To be continued …

Zukunftsforscher

Das Blogamt hat einen amtlichen Hinweis auf ein interessantes Interview in der FAZ bekanntgegeben.

Es ist mit dem Zukunftsforscher Matthias Horx und enthält einige sehr interessante Thesen und Feststellungen.

Zum Beispiel:

Was ist aktuell das große Thema?

Alle reden immer nur von Billigmärkten und vom Preisverfall. Der Diskurs ging bislang immer so: Der Kunde ist böse, weil er nur noch nach dem Preis geht, schuld daran ist die Politik, weil sie zu viele Steuern erhebt. Wir treten die Gegenthese an. Wir glauben, daß wir längst in einer sich entwickelnden Service-Gesellschaft leben, in der die Leute sehr wohl Geld für sinnvolle Zeitersparnis, Komfort und Services ausgeben würden, wenn man es ihnen nur richtig anbieten würde.

Man muß die Wertschöpfungsketten neu denken, und die Dienstleistung in die Produkte integrieren. So ist Amazon ein Content-Provider, der auch Bücher verkauft, aber im wesentlichen wie eine Bibliothek funktioniert. Das Entscheidende bei Zukunftsprodukten ist diese neue Beziehung zwischen Service und Produkt: Wir nennen das „Deep Support“, tiefe Unterstützung.

Da ist was dran – leider gibt es solche Angebote zur Zeit wirklich viel zu wenige.

Auch ansonsten ist das Interview sehr lesenswert. Der Typ scheint was vernünftiges zu machen, im Gegensatz zu den Leuten, die Steven Spielberg erzählen, daß wir in Zukunft Elektrodreiräder fahren.

Feilschen

Die Art, wie in Ägypten versucht wird, (mit Touristen) Geschäfte zu machen, ist erstmal sehr gewöhnungsbedürftig: Wenn man sich zum Beispiel eine Wasserpfeife nur aus dem Augenwinkel anschaut, wird sie einem gleich angepriesen.

Wenn man sich dann drauf einläßt (“Eigentlich habe ich gerade keine Zeit …”), heißt es “Nur fünf Minuten”, und man ist eigentlich schon am Handeln. Und das sollte üblicherweise auch zu einem Geschäft führen (dazu später mehr), also lieber sein lassen.

OK, eines Abends waren wir dann doch mal explizit in Einkaufsstimmung und sind losgezogen, vom Hotel aus in die weniger dicht bebaute Richtung. Im ersten Laden zwei T-Shirts für je 45 EGP (ca. sechs Euro) erstanden, dazu tolle Schaumstoff-Untersetzer mit bunten Fischen drauf bekommen. Auch sehr interessante Verhandlungsstrategie: Erst erzählt er mir, daß er mit der Stickmaschine Nike-, Puma- oder Adidas-Logo auf einfarbige Shirts sticken kann, und irgendsoein traditionelles Gewand, was er mir danach (!) zeigt, soll dann plötzlich von seiner Frau handbestickt sein. Ähm, ja …

Dann weiter in den nächsten Laden, wo einige andere schon mitten dabei waren, sich Schischas zeigen zu lassen – allerdings dummerweise ohne echte Kaufabsicht, weil sie schon beim Barkeeper der Tauchbasis welche in Aussicht hatten.

Es kam ein halbwegs fairer Preis für drei Schischas raus (“Ist guter Preis, für mich und für Dich – warum willst Du nicht kaufen.”), und sie wanden sich beide, um da wieder rauszukommen. Von “kein Geld dabei” bis “wir fühlen uns unter Druck gesetzt” und der Behauptung, in Deutschland würde man so verhandeln. Der Verkäufer war leicht stinkig, als sie dann gegangen sind. Naja, ich habe meine Zweischlauchschischa dann trotzdem für 200 EGP bekommen, endlich mal inclusive Tragetasche. Kann man eigentlich nicht meckern. Nicht ganz billig, aber anscheinend halbwegs gute Qualität und ein ordentlicher Preis.

Merke: Ins Feilschen sollte man nur mit klarer Preisvorstellung und Kaufabsicht einsteigen. Alles andere ist eine Beleidigung für den Geschäftspartner (meines Erachtens übrigens auch in Deutschland beim Fachhändler, wenn man sich beraten läßt und dann beim Blödmarkt kauft).

Übrigens: Die Schischa muß bei Gelegenheit mal eingeweiht werden.

DB Carsharing

Letzte Woche habe ich mich für DB Carsharing angemeldet. Der Grund: Ich brauchte kurzfristig ein halbwegs geräumiges Auto zu bezahlbarem Preisen für einige Stunden. Da DB Carsharing gerade eine Aktion hat, bei der die Anmeldegebühr gutgeschrieben wird, fiel meine Wahl auf diesen Anbieter.

Laut Website konnte man sich online oder z.B. im DB-Reisebüro oder beim Servicepoint am Hauptbahnhof anmelden. Da ich davon ausging, bei persönlicher Anmeldung die notwendigen Unterlagen schneller zu erhalten, fuhr ich also zum Hauptbahnhof. Erstmal zum Reisebüro: “Das macht unser Geschäftskundenservice, der hat aber wohl schon zu.” (es war 17:30 Uhr …). Also zum ServicePoint. Die Mitarbeiterin dort machte sich auch sofort ans Eingeben der notwendigen Daten, scheiterte dann aber an meiner Personalausweisnummer, die das System angeblich nicht akzeptieren wollte. Nachdem dann eine weitere Mitarbeiterin (wohl aus der Verwaltung) hinzugekommen war, klappte es irgendwann doch. Nächste Hürde: Das Ausdrucken des Vertrages. Das System, das dort benutzt wird, ist wohl eine Standard-Windows-Kiste (!) mit Internet-Explorer (!) als Terminal-Applikation – und irgendwie brachte der beim Öffnen des Vertrags-PDFs (!) eine Sicherheitswarnung, die die beiden Mitarbeiterinnen leicht überforderte. Nach Anruf bei der Hotline wurde der Vertrag dann schließlich gefaxt, ich durfte unterschreiben und bekam meine Chipkarte ausgehändigt. Gesamtzeitaufwand: ca. eine Stunde.

Bei Anmeldung per Internet hätte ich die Karte wohl auch sofort bekommen können, weil ich mit dem Ausweis und Führerschein eh noch beim Bahnhof hätte vorbeimüssen. Naja, ist schon interessant, was in einer Stunde für verpeilte Leute an einem ServicePoint vorbeikommen …

Zu guter letzt habe ich dann noch meine kompletten Ausweise liegenlassen … Mein Handy war auf lautlos, so daß ich erst den ungefähr zehnten Anruf am nächsten Vormittag mitbekam – mir hatte der Verlust bis dahin noch nichts ausgemacht.

Zum Handling: Ziemlich einfach. Man kann die Verfügbarkeit der Fahrzeuge im Internet prüfen (auch als Nicht-Kunde) und dann buchen. Zum gewünschten Termin öffnet man es dann mit der Chipkarte, nimmt den Schlüssel aus dem Handschuhfach und fährt los. Am Ende schließt man es dann mit der Chipkarte wieder ab, Abrechnung etc. läuft elektronisch. Um Spritkosten braucht man sich auch keine Gedanken machen, weil man pro Kilometer bezahlt – man kann also sorglos Vollgas geben. So macht Autofahren Spaß :-)

FIFA-Marke gelöscht

Endlich, und rechtzeitig vor der WM: Die Löschung der Marke “Fußball WM 2006″ wurde jetzt vom BGH bestätigt. Genug Geld wird die FIFA an der WM trotzdem verdienen, und der deutsche Staat eine Menge zuschießen.

Warum werden solche Sportgroßereignisse eigentlich immer von irgendwelchen transnationalen Konzernen wie der FIFA oder dem IOC organisiert? Kann das nicht viel besser zum Beispiel die UNESCO erledigen?

Siemens-Murks

ka-news zeigt auf der Titelseite einen Kasten mit Wetterinformationen an. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Screenshot ka-news.de, 13. März 2006, 20:02

Die Daten stammen von blids.de, einem Angebot von Siemens Industrial Solutions and Services. Die entsprechende Wetterstation scheint öfter mal auszufallen. Das allein wäre ja nicht so schlimm. Allerdings veröffentlicht ka-news munter die letzte gemessene Temperatur an. Und wenn die halbwegs plausibel ist, kommt man nicht unbedingt auf die Idee, die zu überprüfen, zum Beispiel auf der Wetter-Seite von ka-news, wo sich dann auch die Daten der Uni finden:

Screenshot ka-news.de, Wetterseite, Temperaturverlauf Physik-Hochhaus, 13. März 2006, 20:07

Irgendwie frage ich mich, warum die nicht auch auf der Startseite einfach die wesentlich zuverlässigeren Daten vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung der Universität Karlsruhe anzeigen.

Aber vermutlich zahlt Siemens für die Negativwerbung auch noch Geld …

Dönerkrieg

In Karlsruhe ist der Dönerpreiskrieg mal wieder in vollem Gange.

In der Kaiserstraße gibt es jetzt bei zwei Dönerläden nebeneinander Yufka (normale Größe) für 1,99 € und Döner (angeblich “gr.”, eher klein, aber er besänftigt den Hunger) für 1,30 € bzw. 1,50 €. Preis-Leistungs-Verhältnis: Top. Solange der Preis jetzt unter zwei Euro bleibt, werde ich mir öfters mal einen holen, danach dann wieder nur ausnahmsweise.

Marktwirtschaft ist schon was schönes.

Viva Kronen Kebap Haus (ja, ohne Bindestriche)

Kaiser Grill (auch ohne Bindestrich)

Snowy Hydro

Als wir in den Snowy Mountains unterwegs waren, hörten wir schon mehrere Male Radiospots für das Besucherzentrum von Snowy Hydro.

Also sind wir auf dem Weg von Cooma nach Canberra (ist am oder kurz nach dem Ortsausgang von Cooma ausgeschildert) da noch vorbei. Wirklich eine sehr interessante Ausstellung. Schon beeindruckend, was die da in der Mitte des letzten Jahrhunderts umzusetzen angefangen haben (Snowy Mountains Scheme in der Wikipedia).

Spannend war auch der Bereich zum Thema Stromhandel, mit (Live?-)Anzeigen von deren Stromhandelssystem.

Screenshot eines Stromhandelssystems

Billigflieger

Ziemlich dreist finde ich ja die Art und Weise, wie dba seine Preise anzeigt:

Website von dba: Suchergebnisse mit Preisen

Grundpreis sowie “Gebühren” werden bei allen Flügen angezeigt – der Gesamtpreis nur beim gerade ausgewählten. Daß man ständig versucht, die Preise unbemerkt zu verschleiern, verstehe ich ja noch. Aber seine Kunden dann für so blöd zu halten, ist IMO schon etwas dumm-dreist …

Verschleiert dreist ist dagegen Germanwings:

Website von Germanwings: Suchergebnisse mit Preisen

Da steht halt klein, inmitten des restlichen Fließtextes, daß noch Steuern und Gebühren dazukommen …

Boykottiert Müllermilch

Ja genau, den Milchgiganten meine ich. Übrigens gehört zu dem Konzern inzwischen auch die Molkerei Weihenstephan (nicht zu verwechseln mit der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan!), von der man folglich auch keine Produkte mehr kaufen sollte.

Gerade wurde ich auf eine sehr interessante Ketten-eMail aufmerksam gemacht. Um deren Verbreitung zu fördern, wie es ja wohl die Absicht des Autors gewesen sein wird, gebe ich sie hier im Vollzitat wieder (lieber Autor, falls Du was dagegen hast: Bitte bei mir melden). Ist nämlich wirklich amüsant zu lesen …

Das hier, das ist der Herr Müller. Der Herr Müller kommt aus Aretsried, das liegt in Bayern, also ganz im Süden.

Der Herr Müller ist ein Unternehmer und das, was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr im Supermarkt wart. Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her, die aus Milch gemacht werden. Naja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her, aber der Herr Müller verpackt sie schön und sorgt dafür, dass sie in den Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt.

Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut, dass sogar der Herr Bohlen dafür Werbung gemacht hat. Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik. Und zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im Osten.

Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu viele davon gibt, und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren, aber der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut.

Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben, unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld. Arbeitsplätze hat man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug. Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und abgeschickt.

Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die Herren von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen Euro geschickt.

70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen, also ganz viel Geld. Viel mehr, als in euer Sparschwein passt.

Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt. Hurra, Herr Müller. Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte hergestellt hat, hat er gemerkt, dass er sie gar nicht verkaufen kann, denn es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte.

Naja, eigentlich hat er das schon vorher gewusst, auch die Herren vom Land Sachsen und der Europäischen Union haben das gewusst, es ist nämlich kein Geheimnis. Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben.

Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber so. Also was hat er gemacht, der Herr Müller? In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine Fabrik. Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie gekauft. Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren.

Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon gemerkt, dass der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen habt, als er abgebaut hat. Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen.

Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen Taschenrechner nehmen, dann wisst ihr, dass der Herr Müller für jeden vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro bekommen hat.

Da lacht er, der Herr Müller. Natürlich nur, wenn niemand hinsieht. Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm geht.

Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch dafür, dass es ihm besser geht. Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller.

Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn Müller verkauft wurden. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist ein halber Liter. Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine Milch aber in lustigen Flaschen, nicht mehr in Bechern. Die sind praktisch, weil man sie wieder verschließen kann und sehen hübsch aus. Allerdings sind nur noch 400 ml drin, sie kosten aber dasselbe. Da spart er was, der Herr Müller. Und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle.

Wenn ihr jetzt fragt, warum solche ekelhaften Schmarotzer wie der Herr Müller nicht einfach an den nächsten Baum gehängt werden, dann muss ich euch sagen, dass man so etwas einfach nicht tut.

Wenn ihr aber das nächste mal im Supermarkt seid, dann lasst doch einfach die Sachen vom Herrn Müller im Regal stehen und kauft die Sachen, die daneben stehen. Die schmecken genauso gut, sind meistens billiger und werden vielleicht von einem Unternehmer hergestellt, für den der Begriff “soziale Verantwortung” noch eine Bedeutung hat.

P.S.: Die Aussage des vorletzten Absatzes (also, daß man sowas nicht tut), unterstütze ich ausdrücklich. Die Todesstrafe ist abgeschafft (Artikel 102 GG), das gilt natürlich auch für Delikte, die wegen offenkundiger Regelungslücken leider nicht unter Subventionsbetrug fallen.

Internationaler Postverkehr

Meinem Onkel und meiner Tante hatte ich wie einigen anderen Leuten auch auf dem Rückflug aus Taiwan eine Karte geschrieben. Abgeschickt am 10. Januar, die anderen sind alle eine gute Woche später angekommen.

Besagte Karte an meine Verwandten ist allerdings nicht angekommen – mag daran gelegen haben, daß ich weder die Hausnummer noch die PLZ wußte. Die Straße war aber angegeben und mit einer akuraten textuellen Beschreibung der Adresse (“letzte Häuserreihe vor der ersten Querstraße nördlich der xy-Straße, 2. Eingang”) versehen.

Naja, jetzt hat letter punkt inquiries at deutschepost dot de eine Mail von mir bekommen, sie mögen die Karte doch bitte wiederfinden und zustellen. Zum Glück halte ich inzwischen von allen abgesandten Postsendungen Kopien vor (mit Digicam auch bei handschriftlichen Sendungen kein Problem), so daß der Verlust rein ideeller Natur ist. Und die Post weiß gleich, wonach genau sie suchen muß …

Trotzdem stört mich die Unzuverlässigkeit des internationalen Postverkehrs irgendwie langsam. Die australische Post hatte letztes Jahr schon einen Brief von mir mit recht persönlichem Inhalt verloren und nicht wieder aufgefunden – nach den Haftungsbeschränkungen des Weltpostvertrages habe ich nichtmal Anspruch auf Rückerstattung des Portos!