Einkommens- und Verbrauchsstichprobe

Ich habe gerade vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) den Fragebogen für den Mikrozensus bekommen (auf eigenen Wunsch, ich lasse mich ja nicht von einer ehrenamtlichen Erhebungsbeauftragten “interviewen”, am besten noch in meiner Wohnung …

In dem Umschlag war auch ein Werbeflyer (siehe LSKN) für die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) bekommen. Die EVS ist unter anderem Grundlage für die Arbeitslosengeld-2-Regelsätze. Aber wie wird sie ermittelt?

Den dritten Erhebungsteil der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) bildet das Haushaltsbuch, in dem die teilnehmenden Haushalte drei Monate lang (Quartalsanschreibung) alle ihre Einnahmen und Ausgaben registrieren. Dabei erfolgt eine zeitliche Gleichverteilung der Anschreibung, das heißt jeweils ein Viertel aller an der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) teilnehmenden Haushalte schreibt je ein Quartal des Berichtsjahres an.

Den abschließenden Erhebungsteil stellt das Feinaufzeichnungsheft für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren dar. Jeder fünfte an der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) beteiligte Haushalt listet dabei jeweils einen Monat lang detailliert alle Ausgaben für Speisen und Getränke nach Mengen und Preisen auf.

Hört sich nach einem ziemlichen Aufwand an. Auch die 80 €, die es dafür gibt, machen diesen Aufwand eher nicht wett. Also ziemlich blöd, wenn die einen dazu verpflichten … Aber halt:

Eine gesetzliche Verpflichtung zur Teilnahme besteht nicht, das heißt, alle Haushalte nehmen auf freiwilliger Basis an der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) teil.

Es mag ja sein, dass die Stichprobe “nach den Quotierungsmerkmalen Haushaltstyp, soziale Stellung –der Haupteinkommensperson und Haushaltsnettoeinkommen” repräsentativ ist. Sie ist aber ganz offenkundig nicht repräsentativ in Bezug auf die Bereitschaft, dermaßen genau Buch zu führen. Dieser selection bias dürfte den Durchschnitt der erfassten Ausgaben für bestimmte, vor allem für eher billige, Produkte massiv nach unten verfälschen. Und wie gesagt, diese Statistik ist Basis für die Alg2-Regelsätze …

Meine Mail an Marcell D’Avis

Hier ohne weiteren Kommentar meine Mail an Marcell D’Avis, den (ehemaligen?) “Leiter Kundenzufriedenheit” bei 1&1. Spricht für sich …

Sehr geehrter Herr D’Avis,

ich wende mich an Sie, weil bei der Bestellung meines DSL-Anschlusses
auf Seite von 1&1 soviel schiefgelaufen ist, dass ich mittlerweile
erhebliche Zweifel habe, dass ich von 1&1 noch einen DSL-Anschluss
bekommen werde, ohne dass es noch weiteren Stress dieser Art gibt.

Meine Kundennummer bei Ihnen ist die [...]. Ich schildere im
Folgenden den groben zeitlichen Ablauf und gehe davon aus, dass sie die
entsprechenden internen Abläufe bei Ihnen im Hause anhand meiner
Kundennummer nachvollziehen können. Gleichzeitig lege ich dabei dar, was
meines Erachtens an den entsprechenden Stellen in Ihren
Geschäftsprozessen zu verbessern ist. Meines Wissens hat die 1&1 Telecom
GmbH kein zertifiziertes Qualitätsmanagement-System; vielleicht haben
Sie aber dennoch einen internen Prozess, über den sie solche
Verbesserungen umsetzen können.

Anfang Oktober 2012 entschied ich mich für einen DSL-Anschluss von 1&1.
Ein zusätzlicher, aber nicht von Anfang ausschlaggebender
Entscheidungsfaktor war dabei, dass es VDSL 50000 zum gleichen Preis wie
normales DSL 16000 geben sollte.

Zunächst wollte ich den Anschluss online bestellen. Die dort erfragten
Daten über den Anschluss des Vormieters hatte ich aber noch nicht parat,
so dass ich mich entschied, den Anschluss doch telefonisch zu bestellen.
Dies tat ich am Abend des 11. Oktober 2012.

Kurz darauf erhielt ich eine automatische Bestelleingangsbestätigung.
Aus dieser ging aber nicht ansatzweise hervor, was ich eigentlich
bestellt hatte. Verbesserungsvorschlag: In dieser Bestätigungsmail
sollten die vom Callcenter-Agenten im System erfassten Daten vollständig
aufgelistet werden, so dass ich als Kunde diese auf Korrektheit und
Vollständigkeit prüfen kann.

Am 15. Oktober 2012 erhielt ich schließlich eine Mail betreffend die
Erfassung der Vorbesitzerdaten. Diese beantwortete ich unverzüglich mit
Namen und Rufnummer des Vorbesitzers. Übrigens handelte es sich dabei
auch um einen 1&1-DSL-Anschluss, der zu diesem Zeitpunkt auch noch
geschaltet war.

Einige Stunden später erhielt ich eine Bestelleingangsbestätigung.
Hierzu ist anzumerken, dass der HomeServer 50.000+ nicht als solcher,
sondern als “1&1 HomeServer 50.000 (7390)” aufgeführt war. Negativ ist
hierzu anzumerken, dass auch diese Bestätigungsmail weder die
Installationsanschrift noch den Preis enthielt. Was soll das für eine
“Bestätigung” sein, die wesentliche Vertragsbestandteile nicht enthält?

Einige Tage später fiel mir ein, dass ich bei der telefonischen
Bestelleinnahme nicht nach einer alternativen Lieferanschrift gefragt
wurde. Online wird danach gefragt. Ich würde es für sehr angebracht
halten, auch bei der telefonischen Bestellannahme standardmäßig danach
zu fragen, insbesondere dann, wenn der Kunde angibt, an der
Installationsanschrift des Anschlusses erst noch einzuziehen.

Ich bat also per Mail um eine Änderung der Versandanschrift auf meinen
Arbeitsplatz (c/o [...], [...]). Am
19. Oktober bekam ich dann eine Bestätigungsmail. Erst jetzt fällt mir
darin der folgende fatale Satz auf: “Die Kundendaten zu Ihrer
Kundennummer [...] haben wir am 19.10.2012 angepasst.” Es wurde also
offenbar zu diesem Zeitpunkt schon nicht nur die Lieferanschrift,
sondern auch die Installationsanschrift geändert.

Dann hörte ich (bis auf ein bisschen Hin und Her bezüglich des Versandes
der Handy-SIM-Karten) erst einmal gar nichts mehr von Ihnen.

Anfang November fragte ich dann telefonisch nach. Ich wurde dann darüber
informiert, dass im CRM-System ein Hinweis stand, dass der Kunde (also
ich) sich beim Technik-Team melden soll (irgendeine 02xx-Festnetznummer
…). Das tat ich und erfuhr den Grund für die Verzögerung: VDSL sei
doch nicht möglich (an welcher Anschrift jetzt eigentlich?). Ehrlich
gesagt finde ich es a) eine Unverschämtheit, dass ich darüber nicht
einfach sofort informiert wurde und b) ein Armutszeugnis, dass dieser
vermutlich nicht so seltene Fall in Ihren Prozessen nicht von vornherein
berücksichtigt wird. Ich habe mich dann einverstanden erklärt, das
normale DSL 16.000 zu nehmen. Mein Gesprächspartner sagte mir übrigens,
dass ich auf VDSL umsteigen könnte, sobald das technisch möglich ist.
Wieviel ist diese Zusicherung eigentlich wert? Im Zweifel hätte man mir
vermutlich gesagt, dass ein Produktwechsel erst nach Ende der
Mindestvertragslaufzeit möglich ist, richtig?

Ich bekam dann erneut eine Anfrage betreffend Vorbesitzerdaten, die ich
sofort mit denselben Informationen wie beim ersten Mal beantwortete,
sowie die gleiche vollkommen inhaltsleere Bestelleingangsbestätigung
(insbesondere ohne bestelltes Produkt, Preis oder
Installationsanschrift). Am 8. November wurde mir dann der
Schaltungstermin für gestern, 22. November 2012, mitgeteilt.

Es schien also endlich alles gut zu laufen. Das Paket mit der Hardware
traf auch irgendwann ein, ebenso eine Rechnung für die Hardware. Leider
kam mir dann für den 22. November 2012 eine Beerdigung dazwischen (Sie
brauchen mir jetzt kein Beileid aussprechen, Sie kennen weder mich noch
kannten Sie meine Tante). Ich fand Gott sei Dank eine Nachbarin, die für
mich auf den Telekom-Techniker warten konnte. Gestern um 10:30 Uhr
erhielt ich dann einen Anruf Ihres Kundendienstes betreffend den
bevorstehenden Technikertermin. Ihr Kundendienstmitarbeiter holte dann
den Techniker mit in der Leitung. Nach dem ersten Satz war schon alles
klar: “Ich stehe hier vor dem Podbi-Park, welchen Eingang muss ich denn
nehmen?”. Der Techniker wollte also einen DSL-Anschluss an meinem
Arbeitsplatz in einer Gewerbeimmobilie in der Innenstadt von Hannover
schalten. Dass das mit den Vorbesitzerdaten nicht ansatzweise
zusammenpassen konnte, war — natürlich — vorher auch noch niemandem
aufgefallen. Natürlich wurde der Techniker-Einsatz jetzt abgebrochen,
denn Hannover-List und Hannover-Kleefeld sind zwei vollkommen
verschiedene Vermittlungsstellen. Dummerweise wartete jetzt auch meine
Nachbarin vergeblich auf den Techniker, denn ich hatte leider keine
Möglichkeit, sie zu informieren. Danach sprach ich noch kurz mit Ihrem
Kundendienstmitarbeiter. Ergebnis: Ich sollte schon wieder irgendwo
anrufen und die Details der Schaltung klären, damit ich dann ganz bald
und jetzt auch wirklich meinen Anschluss bekomme.

Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, dass ich nach diesen Vorfällen
absolut kein Interesse mehr an einem DSL-Anschluss von 1&1 habe.
Vielleicht helfen Ihnen meine Schilderungen dennoch, die Qualität Ihrer
Produkte zu verbessern.

Mit freundlichen Grüßen,

Jens Müller

Die Absurdität des Parkraummarktes

Ein großes Thema in der Stadtplanung etc. ist ja der angebliche Parkraummangel in den Städten, insbesondere den innenstadtnahen Bezirken. Das hat zu zweifachem Gegensteuern geführt:

  • Die Gemeinden können für Neubauten Stellplatznachweise verlangen und tun das in der Regel auch. Die Anforderung ist wohl in der Regel, jedenfalls im Geschosswohnungsbau, dass ein Stellplatz pro Wohneinheit vorhanden ist. Alternativ sind manchmal auch Ausgleichszahlungen des Bauherrn an die Gemeinde möglich.
  • Bauträger gegen wegen des vermeintlichen Parkraummangels davon aus, dass Wohnungen ohne zugehörigen Stellplatz sich nicht vernünftig absetzen lassen. Ebenso gehen Käufer, die die Wohnung hauptsächlich als Geldanlage sehen, davon aus, dass sie sich ohne Verfügbarkeit eines Stellplatzes schlechter vermieten bzw. ggf. irgendwann in der Zukunft schlechter verkaufen lässt.

All diese Leute nutzen aber weder die Wohnung noch den zugehörigen Stellplatz. Und das führt dann dazu, dass die Erwägungen tatsächlich auf dem skizzierten, abstrakten Niveau bleiben. Das führt dann zu folgendem:

  • Der Gemeinde ist es vollkommen egal, wie der Stellplatz aussieht. Jedenfalls macht sie keine weiteren Vorgaben.
  • Dem Bauträger ist es ebenfalls egal, wie der Stellplatz aussieht. Er will aber möglichst viel daran verdienen.
  • Der Käufer der Wohnung interessiert sich ebenfalls nicht sonderlich dafür. Er muss aber eh einen Stellplatz abnehmen, und möchte nicht allzu viel dafür ausgeben.

Das Ergebnis ist dann eine Tiefgarage, bei denen es ein paar “Luxus”parkplätze gibt, die überwiegende Mehrzahl aber die gesetzlich und nach irgendwelchen Normen vorgesehenen Mindestmaße hat. Besonders hervorzuheben sind sog. Doppelparker, zum beispielweise der hier.

Sowas haben wir auch hier in der Tiefgarage, und ich war gezwungen, einen entsprechenden Stellplatz mitzumieten. Am Anfang konnte ich den untervermieten, jetzt zahle ich seit über einem halben Jahr 30 € im Monat für einen Stellplatz, den ich nicht nutze. Nun will ich mir ein Auto anschaffen (günstig von einem Verwandten …) – und muss feststellen, dass es in diesen Doppelparker nicht reinpasst. Ich werde also 30 € im Monat für einen Stellplatz, den ich nicht nutze, bezahlen müssen, außerdem 30 € im Jahr für eine Bewohnerparkerlaubnis, und obendrein ist das Auto dann dem Wetter ausgesetzt, mit dem Ergebnis eines erhöhten Verschleißes. Dem Augenschein nach sind übrigens deutlich über die Hälfte der Stellplätze in den Doppelparkern nicht benutzt. Interessant wäre es, mal zu beobachten, wie viele dauerhaft nicht benutzt werden.

Im Ergebnis ist jedenfalls festzuhalten: Es wird für viel Geld eine Tiefgarage gebaut. Statt dort komfortabel nutzbare Parkplätze einzurichten, werden aufgrund regulatorischer Zwänge und einem irrationalen Verhalten der relevanten Marktteilnehmer doppelt so viele Parkplätze eingerichtet, die dafür gar nicht mehr nutzbar sind. Also eine Investitionsruine.

Bloß: Wie kommt es dazu eigentlich?

  • Wurde die Nachfrage an Stellplätzen überschätzt?
  • War es vielleicht vor 10 Jahren wirklich noch nicht absehbar, dass viele Autos gar nicht in die damals installierten Parksysteme passen?
  • Haben die Beteiligten vielleicht einfach versucht, ihren Gewinn zu maximieren, ohne ausreichend nachzudenken?

Oder was könnten sonst die Gründe sein, die zu so einem absurden Ergebnis führen? Und wie kann man da gegensteuern?

Geld gespart mit DHL

Am Donnerstagabend habe ich bei einer Online-Apotheke Medikamente bestellt (5 Fläschchen Livocab-Augentropfen). Die wurden sogar gestern morgen verschickt. Gerade eben bekomme ich dann die SMS von DHL. Ich denke mir: “Oh, das passt ja gut, ich wollte eh gerade in die Stadt, dann kann ich gleich bei der Packstation vorbei.” Aber nichts da: Die Sendung wurde in eine FILIALE (Großbuchstaben original von DHL) umgeleitet, ich kann sie dort am nächsten Werktag (haha, das ist übermorgen) ab 11 Uhr (haha, da arbeite ich) abholen.

Am Anfang war das mit der Packstation echt gut. Aber inzwischen ist das System nahezu unbrauchbar geworden. Immer häufiger landen Pakete in der Filiale, weil die Packstation voll gewesen sei. Das merkt “natürlich” (wg. schrottiger IT) erst der Zusteller vor Ort, der dann auch keinen Bock mehr hat, den Rest in einer anderen Packstation unterzubringen. Wenn ich gewusst hätte, dass das Paket (schon) heute kommt, hätte ich es ja nach Hause bestellt – aber auch auf Laufzeiten oder Liefertermine kann man sich ja nicht ansatzweise verlassen.

DHL ist durch Missmanagement gerade dabei, seinen guten Ruf bei Privatkunden gründlich zu verspielen.

Naja, jedenfalls kann ich jetzt zwei Tage keine Augentropfen verbrauchen, somit habe ich ja eigentlich Geld gespart ;-)

Dubiose Münzwerbung mit Unterstützung der Stadt Karlsruhe?

Anfang Januar erhielt ich eine Werbesendung von MDM für eine Gedenkmedaille. Nicht weiter schlimm, wenn sich nicht offenbar die Stadt Karlsruhe dort hätte mit reinziehen lassen. Hier meine Mail an die Stadt, auf die ich noch keine Antwort erhalten habe:

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute habe ich eine Postwurfsendung mit folgenden Merkmalen erhalten:

Der Umschlag zeigt das Wappen der Stadt mit dem Schriftzug FIDELITAS und
ein Wappen der “Staatlichen Münzen Baden-Württemberg” und dazwischen den
Text “Offizielle Ausgabe-Informationen der Stadt Karlsruhe und der
Staatlichen Münzen Baden-Württemberg” und darunter:

“An ausgewählte Bürgerinnen und Bürger der Region Karlsruhe”

Das Anschreiben zeigt einen ähnlichen Briefkopf, diesmal mit den Wappen
in Farbe. Der Briefkopf enthält weiterhin:

“Offizielle Zuteilungsstelle
———————————-
Kassenzeichen: 165/08/00964831/6

Das Schreiben enthält einen Abdruck der Unterschrift von
Oberbürgermeister Heinz Fenrich.

Der Rückumschlag enthält als Adresse:

“Staatliche Münzen Baden-Württemberg
– Offizielle Zuteilungsstelle –
MDM Münzhandelsges. Deutsche Münze
Theodor-Heuss-Straße
38097 Braunschweig”

Auf einem beiliegenden Flyer heißt es:

“Bezugs-Bestimmungen

Der Bezug der Sonderprägung >>Stadtgründung Karlsruhe<< erfolgt über
einen persönlichen Bezugsschein. Die Bürgerinnen und Bürger der Region
Karlsruhe werden gebeten, dieses Dokument zeitnah ausgefüllt zurück zu
senden."

Im Briefkopf des Anschreibens werden zwar eine Handelsregisternummer und
Geschäftsführer angegeben, aber nicht die Rechtsform der MDM (GmbH?).
Das wäre aber meines Wissens in Geschäftsbriefen gesetzlich vorgeschrieben.

Insgesamt soll also offenbar der -- irreführende -- Eindruck erweckt
werden, es handle sich um ein Schreiben einer offiziellen Stelle und
nicht eines privatwirtschaftlichen Unternehmens. Zudem soll offenbar der
Eindruck erweckt werden, es bestehe eine Verpflichtung zur Rücksendung.

Aus Verbraucherschutzsicht, aber auch hinsichtlich der Verwässerung von
Hoheitszeichen, halte ich dies alles für äußerst bedenklich.

Ich bitte um Mitteilung, ob die Stadt Karlsruhe die Werbeaussendung
autorisiert hat (und ggf., ob in dieser Form).

Die Fraktionen und sonstigen Gruppierungen im Gemeinderat erhalten
dieses Schreiben zur Kenntnis.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Müller

Werde wohl mal nach dem Bearbeitungsstand fragen müssen …

Diebstahl-Mimimi bei Lidl

Gestern habe ich eingekauft. Soweit nichts Ungewöhnliches. Erst war ich beim dm und habe dort Shampoo und Duschgel gekauft. Dann war ich beim Lidl in der Postgalerie und habe dort diverse Nahrungsmittel gekauft. Die Sachen vom dm hatte ich dabei im Rucksack und den eigentlich die ganze Zeit auf dem Rücken, An der Kasse habe ich die beiden Sachen kurz ausgeräumt, um die schweren Flaschen nach ganz unten in den Rucksack packen zu können. Da fragt mich der Kassierer: “Und was ist mit den Sachen?” – Ich: “Die sind vom dm.”

Und dann fragte er nach dem Kassenzettel – hatte ich natürlich nicht parat. Lidl hätte dieselben Artikel nämlich auch im Sortiment, und deshalb könnten die ohne Kassenbon ja nicht wissen, daß die nicht von dort sind. Daß die ja offensichtlich im Rucksack waren, an dem ich während des ganzen Einkaufs nicht in auch nur ansatzweise verdächtiger Form irgendetwas gemacht habe, war natürlich kein Argument.

Dann kam der Marktleiter (oder ein anderer Vorgesetzter). Verständnis hat er von mir keins bekommen für sein “Wir haben so hohe Schäden durch Diebstahl!”-Mimimi, aber er teilte mir trotzdem mit, ich solle beim nächsten Mal vor dem Betreten des Ladens Bescheid sagen, wenn ich fremde Ware dabei habe, oder den Rucksack an der Kasse aufbewahren lassen.

Das geht natürlich vollkommen an der Lebenswirklichkeit und üblichen Einkaufsgewohnheiten. Und die Prozesse bei Lidl werden es nicht verkraften, wenn das auch nur 5% der Kunden machen. Mal ganz abgesehen davon, daß die überhaupt nicht mitbekommen hätten, daß ich die Ware im Rucksack hatte, wenn ich sie nicht ganz offen rumgeräumt hätte. Denn in meinen Rucksack muß ich sie nicht schauen lassen.

Fassen wir also zusammen, wie modernes BWL Lidlscher Prägung funktioniert: 1. Der Ehrliche ist der Dumme, denn aus rechtskonformem Verhalten werden Verdachtsmomente konstruiert, während sich beim echten Bösewicht erst gar keine ergeben (es sei denn, man erwischt ihn dabei, wie er im Laden einen Artikel in die Tasche tut – aber das kriegt man ja angeblich nicht mit, sonst bräuchte man an der Kasse nicht so ein Mimimi abziehen). 2. Die Prozesse werden gnadenlos optimiert, der Kunde stört dabei nur. Für Fehlerquellen und Störungen in den Prozessen wird die Verantwortung auf andere, zum Beispiel die Kunden, abgeschoben. Daß man selbst offenbar massiv von dem SB-System profitiert, spielt keine Rolle.

Also, Fazit: Ab sofort bitte alle die Taschen an der Kasse abgeben, mal sehen, wie lange das gut geht … Denn wie heißt es so schön: “Bedenke, worum Du bittest. Es könnte Dir gewährt werden.”

Und übrigens: Zu Hause hatte ich dann plötzlich den Kassenbon in der Hand – er lag ganz unten im Rucksack.

Sport in der Tagesschau

Neulich, während der WM, habe ich mal den Livestream der Tagesschau geschaut. Die bestand zu einem Großteil aus Sportberichterstattung, und die wiederum enthielt diverse Ausschnitte aus Fußballspielen. Jedes Mal, wenn ein Spielausschnitt gezeigt wurde, wurde der Stream unterbrochen, und es wurde eine Meldung angezeigt, daß der Teil aus rechtlichen Gründen nicht im Internet gezeigt werden kann. Da stellen sich mir mehrere Fragen.

Verwertet die FIFA die Internet-Rechte für Ausschnitte aus Sportübertragungen tatsächlich separat? Falls ja: Wieviel verdient sie damit? Falls nein: Warum nicht? Befürchtet sie, damit die Verwertbarkeit anderer Rechte, zum Beispiel der TV-Übertragungsrechte, zu verwässern? Ich kann mir nicht so recht vorstellen, was das soll …

Und warum unterbricht die ARD den Stream komplett? Zumindest das Audio des Moderators könnte man lassen. Die Tonspur der Spielübertragung dürfte vermutlich ebenfalls leistungsschutzrechtlich geschützt sein …

Paketversand in Taiwan

Ich habe mir heute für Springscream bei Carrefour ein Zelt und einen Schlafsack gekauft. Da ich die Sachen nicht auch noch mitschleppen will (mein Trekking-Rucksack ist eh schon vollkommen überladen), wollte ich sie per Post an John Boo (der Tauchbasisinhaber in Hengchung, zum Tauchen kommt noch ein Posting …) schicken (der das Zeug dann am Ende auch behalten kann. Aber wie? Eine Postfiliale zu finden reicht alleine nicht aus – eine war heute (Samstag) geschlossen, die am Hauptbahnhof hat keinen Paketservice. Also zur Hauptpost, ca. 500 m westlich vom Hauptbahnhof. Die hat Samstag tatsächlich bis 16:30 geöffnet. Erstmal 100 NT$ für die Box bezahlt – uff ist das teuer, dachte ich. Beim Ausfüllen hat der Postbeamte dann geholfen, und als ich die 100 NT$ Porto bezahlen wollte, brauchte ich nichts mehr zahlen – die 100 NT$ waren für Box und Porto. Das ist in der Tat günstig. Insgesamt ein ordentlicher Dienst, der über die einfache Basisleistung deutlich hinaus geht – nur etwas flächendeckender dürfte er sein, und zeitlich weniger eingeschränkt …

Schornsteinfeger ohne Rechnung

Heute war ein Zettel vom zuständigen Bezirksschornsteinfeger an der Haustür, daß er nächste Woche kommt. Soweit kein Thema. Allerdings war noch ein handschriftlicher Vermerk drauf: “Es wird bar kassiert!”.

Das wird natürlich nicht, denn die Rechnung läßt sich steuerlich nur absetzen, wenn sie per Überweisung bezahlt wird. Daß der Schornsteinfeger keine Barzahlung verlangen kann, hat mir letztes Jahr schon die Innung bestätigt. Also habe ich angerufen, was das soll. Erstmal darf ich gändigerweise natürlich doch per Rechnung zahlen. Aber der Hinweis steht da, weil das ja sonst so ein Aufwand wäre, wenn man jedem eine Rechnung schreiben muß … Ähm, bitte was wird das denn? Umsatzsteuerhinterziehung?

Plus

In letzter Zeit habe ich öfters mal beim Plus in der Rintheimer Straße eingekauft, so auch heute.

Seit einiger Zeit stellen die das Sortiment auf Netto-Marken um. Wenn sie damit fertig sind, wird vielleicht auch der Laden selbst in Netto umbenannt? Jedenfalls habe ich das Gefühl, daß die Qualität gewaltig nachläßt.

Das Obst- und Gemüseangebot läßt in Frische und Auswahl sehr zu wünschen übrig. Einige wichtige Artikel, die IMO zum Standard-Lebensmittelsortiment gehören fehlen: Parmesankäse (von mir aus auch Grana Padano, und mir ist auch egal, ob gerieben oder am Stück) und schwarze Oliven.

An vielen Regalen fehlen die Preisschilder für einzelne Artikel, so zum Beispiel für die Schalotten im Gemüseregal oder das italienische oder das “normale” (ohne genaue Herkunftsangabe) Olivenöl. Auch im Kühlregal fehlten einige Schilder oder waren um mehr als einen Meter fehlplaziert. Thomy-Senf aus der Tube war gerade ausverkauft, anderer normaler Senf war auch nicht zu sehen.

Und das Kassendisplay hinter der Kassiererin, das Richtung Kunde zeigt, soll doch wohl für den Kunden sichtbar und nicht von der Preis-/Nummernliste verdeckt sein …

Auf absehbare Zeit war das wohl mein letzter Einkauf beim Plus. Die “kleinen” Plus (z.B. der in der Südstadt) sind sowieso unter aller Sau.

Da fällt mir nur noch ein Zitat ein:

Warte erst mal die Wahl ab. Danach wird Plus zu Minus, und vom Netto bleibt auch nicht viel übrig.

53% Fairtrade

Ich habe jetzt schon zum wiederholten Male bei Penny den Fruchtnektar “Multivitamin Fair” der Firma Pfanner gekauft. Auf der Verpackung ist das Logo “Fairtrade” von TransFair.

Außerdem ist dort folgender großspuriger Text:

Das unabhängige FAIRTRADE-Siegel gibt Ihnen die Sicherheit, dass dieses Produkt die internationalen Standards für Fairen Handel erfüllt. Mit dem Kauf dieses Produkts leisten Sie einen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kleinbauern und Plantagenarbeiter in Brasilien, Kuba, Paraguay, Costa Rica und Ecuador.

Der dicke Hammer verbirgt sich in der Zutatenliste:

A D Multivitamin Mehrfruchtnektar [offenbar waren die Bindestriche alle] aus Mehrfruchtsaftkonzentrat und Fruchtmark, angereichert mit 8 Vitaminen und Provitamin A. >>> Fruchtgehalt: mind. 50%. Zutaten: Wasser, Mehrfruchtsaft aus Mehrfruchtsaftkonzentrat (Orange*, Apfel, Ananas*, Traube, Maracuja), Rohrzucker*, Nektarinenmark, Bananenmark*, Mangomark*, Guavenmark*, Säurungsmittel: Zitronensäure, Vitaminmischung (C, Niacin, Pantothensäure, E, B6, B1, B2, Biotin), Provitamin A. Pasteurisiert. Vor dem Öffnen gut schütteln. Mindestens haltbar bis: siehe oben. * 53% von Frucht und Zucker stammen aus FAIRTRADE-Quellen.

Sowohl dieser 53%-Hinweis als auch das Wort “Nektar” finden sich nur im Kleingedruckten. Beides habe ich heute zum ersten Mal bemerkt …

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten:

  1. Das Ganze ist der totale Beschiß. Billig ist dieser Nektar sowieso nicht – für den Preis von IIRC 1,39 € bekommt man auch dicke Mehrfruchsaft oder FairTrade-Orangensaft.
  2. Die gekennzeichneten Früchte kommen zu 100% aus Fairtrade-Quellen. Dann wäre das Zeug zwar immer noch ziemlich teuer, aber ok: Äpfel, Nektarinen, Trauben gibt es auch im EG-Mittelmeerraum, bei Maracuja bin ich mir allerdings nicht ganz sicher.

Ich werde mal bei Penny, Pfanner und/oder Fairtrade nachfragen …

UPDATE: Antwort von Pfanner: Alle mit Sternchen gekennzeichneten Früchte stammen zu 100% aus Fairtrade. Die anderen stammen aus einheimischer Produktion, mit Ausnahme von Maracuja, wo es aufgrund von Lieferschwierigkeiten auf dem Weltmarkt gegenwärtig kein ausreichendes Angebot aus fairem Handel gibt.

Maßnahme gleicher Wirkung

Deutsche Gebrauchtwagen waren in Osteuropa sehr gefragt (unterstelle ich jetzt einfach mal). Die Abwrackprämie hat zur Folge, daß Gebrauchtwagen mit einem Wert von weniger als 2500 € mehrheitlich nicht (auch ins EG-Ausland) verkauft, sondern verschrottet werden.

Damit hat die Abwrackprämie die gleiche Wirkung wie eine mengenmäßige Ausfuhrbeschränkung. Solche Maßnahmen sind aber nach Artikel 29 des EG-Vertrages verboten!

Wer schreibt die Beschwerde an die Kommission mit der Forderung, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einzuleiten?

Ikea Malm

Heute ist mein neues Lattenrost (Federholzrahmen) für mein leider schon mehr als zwei Jahre altes Bett vom Typ Ikea Malm angekommen. Leider ist es nicht so einfach einsatzbereit zu machen wie erwartet: Der Rahmen rutscht durch, weil IKEA seine Betten offenbar zu breit baut, insbesondere aber bei den Metallschienen zu geizig ist und diese zu schmal sind, als daß sie das ausgleichen können. Das Problem tritt übrigens auch auf, wenn sowohl Bett als auch Lattenrost von IKEA sind.

Leider ist mein Bett schon mehr als zwei Jahre alt, sonst würde ich tatsächlich das volle Programm (Aufforderung zur Nacherfüllung, Ersatzvornahme, Klage auf Kostenersatz) durchziehen. Ein Unternehmen, das derart schlampig arbeitet und dabei offenbar ein wenig größenwahnsinnig wird, hätte es nicht anders verdient.

Vereinfachter Zuwendungsnachweis

Ich habe schonmal angefangen, ein paar Unterlagen für die Steuererklärung 2008 zusammenzustellen (es eilt nicht wirklich, bis jetzt ist noch nicht einmal die Lohnsteuerbescheinigung da). Erster Posten: Die Spenden an gemeinnützige Vereine. Es ist wirklich unglaublich, wie wenige Vereine es schaffen, einen Vereinfachten Zuwendungsnachweis online zu stellen. Wenn man den hat, braucht man für Kleinspenden nur noch den Kontoauszug, der Verein braucht also keine Bescheinigung mehr mit der Post zu schicken. Vorbildlich: VCD und Wikimedia Deutschland. Bei beiden ist das PDF auch ziemlich einfach zu finden. Bei den anderen Vereinen habe ich gestern angefragt, ob sie auch so ein PDF haben. Wenn nein, mögen sie mir doch bitte die Zuwendungsbestätigung schicken. Bis jetzt habe ich noch keine einzige Antwort bekommen.

Bleibt immer noch ein Problem: Die Zuwendungsbestätigung der Bank muß die Kontonummer enthalten – das ist seltsamerweise bei den Kontoauszügen der ING-DiBa nicht der Fall (online werden diese Daten angezeigt). Also habe ich den Kundenservice gefragt, ob man das nicht zukünftig in die Kontoauszüge aufnehmen könne. Die Antwort:

Sehr geehrter Herr Müller,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Gerne können Sie detailierte Überweisungbestätigungen anfordern. Die Kontoauszüge in der Postbox sind standardisiert und eine andere Darstellungsweise ist nicht möglich.

Gerne nehmen wir Ihren Auftrag telefonisch unter 0180 2 / 34 22 24 (Festnetz der Dt. Telekom – 0,06 Euro pro Anruf, ggf. abweichende Mobiltarife) entgegen. Halten Sie dabei bitte Ihre Telebanking PIN bereit. Wenn Sie am Internetbanking + Brokerage teilnehmen, können Sie uns auch einen iTAN-autorisierten Auftrag erteilen. Oder Sie schicken Ihren Auftrag – von Ihnen unterschrieben – per Post an die ING-DiBa AG, 60628 Frankfurt am Main. Nach Erhalt werden wir gleich für Sie tätig.

Mit freundlichen Grüßen

Auch eine Möglichkeit …

Die Wirtschaft transformieren

Gerade bei Lawrence Lessig gefunden:

From the op-ed in yesterday’s Wall Street Journal by IBM chairman and CEO Sam Palmisano, “Let’s Spend on Broadband and the Power Grid”:

We shouldn’t undertake projects simply for the sake of creating economic activity. Rather than just stimulate, we should transform.

The point could be made more strongly: If we’re lucky, we get the chance for this kind of transformation once a generation. It would be a scandal on the scale of the last 8 years to fritter it away.

Daran mußte ich denken, als ich von der neuen Verschrottungsprämie im Rahmen des Konjunkturpakets II hörte. Verschrottungsprämie schön und gut, aber warum gibt es die nicht, wenn man beispielsweise von einem alten Schrottauto auf Fahrrad plus Carsharing umsteigt?

Angstkampagne

Die Althaus-Angstkampagne zeigt Wirkung: Im Sport-Karstadt drängelte sich heute alles um die Skihelme (der Platz für Skihelme ist übrigens größer als der für Schlittschuhe …). Kommentar des Verkäufers zu einer Kundin: “Wir haben noch nicht alle Helme reinbekommen.”

Nunja, wenn die erst nach dem Unfall auf den Zug aufgesprungen sind, schließt das wohl zumindest aus, daß der tödliche Unfall der slowakischen Skifahrerin von der deutschen Helmindustrie inszeniert wurde.

Neusprech im Überwachungsstaat

Gerade bin ich auf einen sehr interessanten Vortrag beim 25C3 gestoßen: Neusprech im Überwachungsstaat von Martin Haase.

Am Anfang stellt er zunächst ein bißchen die Betrachtungen von Orwell & Co. vor, aber dann geht es voll in medias res, und zwar insbesondere darum, wie Schäuble und andere eingeführte juristische Begriffe vollkommen zweckentfremden, um damit ihren Aktionen zu rechtfertigen.

Unbedingt ansehen! (Das Video gibt es zum Beispiel hier.)

Unsichtbare Hand

In de.soc.verkehr habe ich gerade eine interessante These von Arne Luft gefunden:

Das Problem der Marktwirtschaft und das des Kapitalismusses ist, das
er mit unbekannten Ursachen arbeitet. Es ist nicht der Egoismus, der
Wohlstand erzielt, sondern die unterschwellig vorhandene soziale
Verantwortung vieler. Das ist die wahre unsichtbare Hand.

(siehe auch Unsichtbare Hand)

Luhmann hatte übrigens auch schon was am Konzept der “unsichtbaren Hand” auszusetzen – allerdings wie üblich so verschwurbelt, daß ihn keiner versteht.