AK Zensur gegründet

Die Gründung des AK Zensur (Langform: Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur) ist offenbar schon recht weit gediehen, jedenfalls hat er jetzt schonmal eine Website auf einer einprägsamen Domain. Allerdings ist dort bis auf eine Pressemappe (von woanders verlinkt) noch nicht viel zu finden …

Aber eine Mailing-Liste zum Mitmachen gibt es. Spenden will momentan offenbar auch noch keiner der beteiligten Vereine haben … Mal schauen, was daraus noch wird. Die Ziele dieses AKs unterstütze ich jedenfalls voll und ganz. Da interessiert mich die Meinung irgendwelcher Volksverhetzer aus der CDU und anderen Parteien, die behaupten, Zensurgegner wären Kinderschänder, herzlich wenig.

Virgin Killer

Wie heise berichtet, haben mindestens sechs große Provider in Großbrittanien den Zugriff auf den Wikipedia-Artikel zum Scorpions-Album Virgin Killer gesperrt (via fefe).

Verantwortlich ist offenbar die Internet Watch Foundation, die das Album-Cover für kinderpornografisch hält. Realitätsabgleich, bitte …

Naja, daß dann der Streisand-Effekt zuschlägt, hätte ja klar sein müssen. Das Internet hat wirklich erstaunliche Selbstheilungskräfte.

Kaltenkirchen: Neue Website

Die Stadt Kaltenkirchen hat anscheinend seit heute eine neue Website. Bis jetzt kann ich aber nur Änderungen am Layout erkennen.

So vollende Nutzungen der Möglichkeiten von Hypertext in Form von Texten wie:

Die Stadtvertretung kommt um 18.30 Uhr zu ihrer letzten Sitzung in dieser Wahlzeit zusammen. Die Tagesordnung kann auf den Internetseiten der Stadt unter der Rubrik “Politik” nachgelesen werden.

gibt es weiterhin. Das nennt man wohl einen “manuellen Hyperlink” …

Bleibt zu hoffen, daß es nicht bei der layouttechnischen Kosmetik bleibt, sondern auch an den Inhalten und der Aufbereitung der Inhalte etwas gemacht wird.

Efficient XML Interchange

Ich hab’s ja eigentlich schon immer gesagt: XML ist eigentlich toll, aber das Serialisierungsformat ist Bloat. Und was sehe ich heute, als ich (aus ganz anderen Gründen) auf der W3C-Seite rumsurfe? Die sind gerade dabei, sowas zu entwickeln:

The development of the Efficient XML Interchange (EXI) format was guided by five design principles, namely, the format had to be general, minimal, efficient, flexible, and interoperable. The format satisfies these prerequisites, achieving generality, flexibility, and performance while at the same time keeping complexity in check.

Warum nicht gleich so :-)

allposters.de unseriös

Bei meiner heute angekommenen Amazon.de-Bestellung lag ein Prospekt von allposters.de bei, 25% Rabatt auf alles.

Da ich schon länger vorhatte, mein Zimmer mal mit ein paar Postern aufzupeppen, und das auch gar nicht schlecht aussah, hab ich in dem Shop mal ein bißchen gestöbert. Bzw. etwas mehr als ein bißchen, ich hab da ziemlich lange verbracht.

(UPDATE: bitte Kommentare lesen!)

Als ich dann ein paar Poster im Warenkorb hatte, wollte ich wissen, was das denn eigentlich kostet. Erste Seltsamkeit: Preise in US-$. Hä?! Zweite Seltsamkeit: Es steht nirgendwo was von Versandkosten. Irgendwo waren dazu dann auch Infos zu finden – allerdings mußte man dort erst auswählen, daß man das Zeugs nach Deutschland und nicht in die USA geliefert haben will. Das waren dann 8,99$ Grundpreis und 0,99$ pro Artikel. Versandkosten pro Artikel? Geht’s noch? Also irgendwie hab ich das Gefühl, daß das preisangabenrechtlich nicht so ganz ok ist:

§ 1 Absatz 2 Satz 2 PAngVO:

Fallen zusätzlich Liefer- und Versandkosten an, so ist deren Höhe anzugeben. Soweit die vorherige Angabe dieser Kosten in bestimmten Fällen nicht möglich ist, sind die näheren Einzelheiten der Berechnung anzugeben, aufgrund derer der Letztverbraucher die Höhe leicht errechnen kann.

Auf dem Flyer steht zu Versandkosten übrigens gar nichts!

Aber halt, da war doch was, daß man den Rabatt “nur unter www.allposters.de/Y1181” bekommt. Und die Adresse war ziemlich kaputt, jedenfalls im Seamonkey, mit der ich vorher schon den Shop angeschaut hab.

allposters-de.png

Im Firefox geht sie jetzt. Schlampig, schlampig …

Aber auch da wieder nur Dollar-Preise, ein Zusammenhang mit den Euro-Preisen im Prospekt ist nicht erkennbar. Sorry Jungs, so nicht. Für Tipps zu brauchbaren Poster-Shops bin ich dankbar.

Und daß Amazon.de Werbung für solche windigen Unternehmen verbreitet, ist auch etwas schwach …

Internationale Wortschätze

wortschatz.uni-leipzig.de kennt ja vermutlich jeder. Heute hab ich dort mal wieder ein Wort nachgeschlagen (ich wollte wissen, mit welcher Präposition man Raststätte benutzt: Signifikanter linker Nachbar ist “an der”, Beispielsatz ist “AUF RASTSTÄTTE ÜBERROLLT: Ein 62jähriger Mann ist am Mittwoch abend auf der Autobahnraststätte Fläming an der A 9 von einem Lastwagen überrollt und getötet worden. (Quelle: Berliner Zeitung 1998)”) und sah auf der Titelseite einen Link auf Wortschatz – International Portal.

Mal sehen, ob das was taugt. Kennt jemand noch weitere Wortschatz-Projekte? Ich bräuchte sowas ab und zu mal für Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch.

Siemens-Murks

ka-news zeigt auf der Titelseite einen Kasten mit Wetterinformationen an. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Screenshot ka-news.de, 13. März 2006, 20:02

Die Daten stammen von blids.de, einem Angebot von Siemens Industrial Solutions and Services. Die entsprechende Wetterstation scheint öfter mal auszufallen. Das allein wäre ja nicht so schlimm. Allerdings veröffentlicht ka-news munter die letzte gemessene Temperatur an. Und wenn die halbwegs plausibel ist, kommt man nicht unbedingt auf die Idee, die zu überprüfen, zum Beispiel auf der Wetter-Seite von ka-news, wo sich dann auch die Daten der Uni finden:

Screenshot ka-news.de, Wetterseite, Temperaturverlauf Physik-Hochhaus, 13. März 2006, 20:07

Irgendwie frage ich mich, warum die nicht auch auf der Startseite einfach die wesentlich zuverlässigeren Daten vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung der Universität Karlsruhe anzeigen.

Aber vermutlich zahlt Siemens für die Negativwerbung auch noch Geld …

Elektronischer Bundesanzeiger

Ausweislich einer Pressemitteilung des BMJ wurde gestern erstmals in der deutschen Rechtsgeschichte eine Rechtsverordnung in elektronischer Form verkündet, und zwar die Wildvogel-Geflügelpestschutzverordnung des BMELV vom 19. Februar 2006 (via dsrm).

Finden tut man die im elektronischen Bundesanzeiger, und zwar, indem man sich jedes Mal neu durchklickt.

Direkte Links sind nämlich wegen Session-IDs nicht möglich.

Eine entsprechende Anfrage:

Guten Morgen,

gerade wollte ich ein Dokument[1] aufrufen, auf das ich mir gestern ein
Bookmark gesetzt hatte.

Ziemlich überrascht war ich, als ich folgende Meldung bekam:

Fehler

Sie haben längere Zeit keine Eingaben mehr gemacht oder es ist ein
Fehler aufgetreten.

Aus Sicherheitsgründen wurde Ihre Sitzung beendet. Bitte starten Sie die
Suche neu.

Was für Sicherheitsgründe sollen das bitte sein?

Kann man da nicht einfach eine neue Session anlegen und das gewünschte
Dokument anzeigen?

Argumente, warum dauerhafte URLs wichtig sind, gibt es z.B. hier.

Freundliche Grüße,

Jens Müller

Offenbar konnte oder wollte man das aber nicht verstehen, die Antwort war nämlich:

Sehr geehrter Herr Müller,

wenn Sie bei uns recherchieren, bewegen Sie sich in einer so genannten
“Session”. Diese ist 30 Minuten gültig, wenn Sie keine weiteren Eingaben
tätigen. Dies gilt auch für die gefundene Veröffentlichung. Setzen Sie
ein Lesezeichen, ist dies nach 30 Minuten ungültig geworden.

Mit freundlichen Grüßen

Xxxxxxx Yyyyyyyyyyyy
Stabsstelle
Planung und Entwicklung elektronischer Publikationsplattformen

Und die erste in elektronischer Form bekanntgemachte Verordnung ist dann auch selbst handwerklich von eher dürftiger Qualität. “jeweils in Verbindung mit § 79 Abs. 1, des Tierseuchengesetzes” – der erste Zeichensatzfehler gleich in der Einleitungsformel … Die Einleitung “Im Sinne dieser Verordnung liegen vor:” von § 2 paßt ja für Nr. 1 noch ganz gut, für Nr. 2 bis 5 eher nicht.

Nochmal Wolfgang:

Schlimmer ist die untechnische Rechtssprache. Das hätte früher die Rechtsförmlichkeitsprüfung des BMJ nicht passiert.

Um beide Punkte werde ich mich ggf. nochmal kümmern …

Billigflieger

Ziemlich dreist finde ich ja die Art und Weise, wie dba seine Preise anzeigt:

Website von dba: Suchergebnisse mit Preisen

Grundpreis sowie “Gebühren” werden bei allen Flügen angezeigt – der Gesamtpreis nur beim gerade ausgewählten. Daß man ständig versucht, die Preise unbemerkt zu verschleiern, verstehe ich ja noch. Aber seine Kunden dann für so blöd zu halten, ist IMO schon etwas dumm-dreist …

Verschleiert dreist ist dagegen Germanwings:

Website von Germanwings: Suchergebnisse mit Preisen

Da steht halt klein, inmitten des restlichen Fließtextes, daß noch Steuern und Gebühren dazukommen …

Emotionen erkennen

Die Universität des Saarlandes sucht Teilnehmer für einen Test, bei dem man Emotionen auf Fotos erkennen soll.

Mein Ergebnis, auszugsweise:

Sie haben 13 Affekte richtig erkannt.
Damit haben Sie ein besseres Ergebnis erzielt, als 12 Prozent der bisherigen Teilnehmer.
Angst 0/4 Sie haben Angst am häufigsten verwechselt mit Trauer
Verachtung 1/4 Sie haben Verachtung am häufigsten verwechselt mit Trauer
Überraschung 1/4

Naja, irgendwie ziemlicher Murks. Eigentlich bin ich ganz froh, die Merkmale irgendwelcher total affektierter Emotionen nicht zu erkennen. Wenn Leute kommunizieren wollen, dann bitte authentisch.

Allerdings hoffe ich doch irgendwie, daß man auf der Schauspielschule Emotionen besser darzustellen lernt als auf den Bildern …

Webmail

Was ich jedesmal ziemlich sinnfrei finde: Wenn Leute mit dem eigenen Notebook irgendwo sitzen und Webmail verwenden. Was bitteschön bringt das, außer, daß es unkomfortabler ist?

Trackbacks reloaded

Was ich vor einiger Zeit über Trackbacks und die zugehörige Spezifikation geschrieben habe, muß ich teilweise zurücknehmen.

HTTP POST unterstützt i18n: Die Nutzdaten werden bei der POST-Methode (im Gegensatz zur GET-Methode) in einem entity body übertragen, für den ein Inhaltstyp angegeben werden kann. Dieser Inhaltstyp kann natürlich auch mit einem charset-Parameter versehen werden.

Zu kritisieren wäre jetzt also “nur” noch, daß die Spezifikation, insbesondere das dort angegebene Beispiel, darauf nicht eingeht (mal ganz abgesehen davon, daß die Leerzeile zwischen Header und Body fehlt …), und daß auch die am Markt verfügbaren Implementierungen (zum Beispiel WordPress) dieses Problem gleichfalls ignorieren.

URL-Entführung

Telepolis berichtet über das neue Phänomen URL-Hijacking.

Dabei setzt der Hijacker Links auf Seiten, die auf die “entführte” Seite mit einem Code 302 (moved temporarily) weiterleiten. Wenn nun die Seite des Hijackers eine höhere Popularität (Pagerank) als die verlinkte Seite haben, nimmt Google an, daß die URL der Weiterleitungsseite die Adresse ist, unter der das Angebot gefunden werden soll, das eigentliche Ziel des Links kann so dauerhaft aus dem Index verschwinden.

Meist wird dies wohl unbeabsichtigt als Nebeneffekt passieren, gezielte Angriffe sind aber auch möglich.

Kommentarspam

Inzwischen haben die Kommentarspammer mal wieder mein Weblog entdeckt und versuchen bis zu fünfzig Mal täglich, ihren Müll über virenbefallene PCs rund um den Globus abzuladen – und ich muß das dann alles löschen.

Viel mehr würde ich mich da über ein paar mehr “echte” Kommentare freuen …