Canberra

So, leicht verspätet noch ein kurzer Bericht über Canberra. Als wir dort ankamen, regnete es gerade in Strömen – eine gute Gelegenheit, das Parlament anzuschauen, das sogar eine kostenlose Tiefgarage hat.

Los ging es mit einer recht scharfen Sicherheitskontrolle (schärfer als an den meisten Flughäfen, allerdings nicht ganz so scharf wie in Frankfurt). Als wir dann drinnen waren, haben wir uns noch fix einer Führung angeschlossen, die wenige Minuten vorher begonnen hatte. War eine sehr gute Mischung aus Trivia und handfesten Informationen.

Sehr interessant ist zum Beispiel folgender Artikel der Verfassung:

The legislative power of the Commonwealth shall be vested in a Federal Parliament, which shall consist of the Queen, a Senate, and a House of Representatives, and which is hereinafter called The Parliament, or The Parliament of the Commonwealth.

Erstmal finde ich es schon seltsam genug, die Queen als Teil des Parlaments anzusehen. Allerdings habe ich vermutlich die Bedeutung des Begriffes Parlament in der angelsächsischen Rechtstradition immer noch nicht vollständig begriffen.

Stutzig hat mich dann auch gemacht, daß tatsächlich von der Queen die Rede ist. Allerdings heißt es in der Verfassung auch:

The provisions of this Act referring to the Queen shall extend to Her Majesty’s heirs and successors in the sovereignty of the United Kingdom.

Wieder etwas, was mich verwundert. Erstens erschließt sich mir die volle Bedeutung des Satzes nicht, aber anscheinend soll das ja irgendwie einen Verweis auf die Thronfolgeregelung des Vereinigten Königreichs darstellen.

Das relativiert dann auch die Aussagen im Wikipedia-Artikel über die Statute of Westminster:

The preamble to the Statute of Westminster sets out conventions which impact on attempts to change the rules of succession to the Crown. The second paragraph of the preamble to the Statute reads:

And whereas it is meet and proper to set out by way of preamble to this Act that, inasmuch as the Crown is the symbol of the free association of the members of the British Commonwealth of Nations, and as they are united by a common allegiance to the Crown, it would be in accord with the established constitutional position of all the members of the Commonwealth in relation to one another that any alteration in the law touching the Succession to the Throne or the Royal Style and Titles shall hereafter require the assent as well of the Parliaments of all the Dominions as of the Parliament of the United Kingdom:

This means, for example, that any change to the Act of Settlement’s provisions barring Roman Catholics from the throne or giving male heirs precedence over females would require the unanimous consent of the parliaments of all the other Commonwealth realms if the unity of the Crown is to be retained. The preamble does not itself contain enforceable provisions, so the preamble merely expresses a constitutional convention, albeit one fundamental to the basis of the relationship between the Commonwealth Realms. (Of course, as sovereign nations, each is free to withdraw from the arrangement, using their respective process for constitutional amendment, and no longer be united through common allegiance to the Crown.)

(Zitat aus der Wikipedia, unter GFDL-Lizenz)

Australien scheint muß ja anscheinend nicht mehr gesondert seine Thronfolgeregelung ändert, auch wenn politische Vernunft wohl eine Konsultation gebietet.

Die Parlamentseröffnung, bei der die Königin, ggf. vertreten durch ihren Governor-General, zugegen ist, findet im Senat statt, weil die Queen das Repräsentantenhaus nicht betreten darf.

Vom Parlamentsgebäude gibt es außerdem einen schönen Ausblick über die Stadt in alle Richtungen, insbesondere entlang der (ja dementsprechend angelegten) Hauptstraßen …

Danach waren wir dann auf dem Telstra Tower. Der ist zwar nicht besonders hoch, steht aber auf einem Hügel. Von da sieht man die ganze Stadt und noch mehr Grün, so groß ist die Stadt nämlich nicht. Genau genommen ist sie sogar ziemlich verschlafen. Am nächsten Tag (Samstag mittag) wollten wir zu einer im Lonely Planet empfohlenen Bar, wo es günstiges Essen geben sollte. Die war dann nicht in der Nähe der Uni, sondern auf dem Campus, und der war ausgestorben – klar, Anfang Januar sind Sommerferien. Und in Australien scheint es keinen Ferienbetrieb so wie hier zu geben. Das bringt das Konzept Campus-Universität (mit der Bedeutung von Campus, wie sie im internationalen Sprachgebrauch gilt) halt auch so mit sich. Entsprechend war die dann auch zu.

Geöffnet hatten allerdings die Museen, die wir uns angeschaut haben. Am Vormittag das National Australian Museum, am Nachmittag das Australian War Memorial.

Das NAM hat Ausstellungen zu so ziemlich allen Gebieten der australischen Geschichte, Kultur, Natur, etc. Die Ausstellungen sind auch super aufbereitet, aber alles anzuschauen, ist doch sehr anstrengend. Umfassend ist auch die Ausstellung von Aboriginal Art.

Das War Memorial ist für den deutschen Geschmack ziemlich pompös geraten. Metallplaketten mit den Namen aller Gefallenen, Mosaike, etc. Und ergänzt wird das Ganze durch ein umfassendes militärgeschichtliches Museum. Nicht so wirklich mein Steckenpferd, aber wen so etwas interessiert, wird sicher begeistert sein.

Und viel mehr gibt es in Canberrra dann in 24 Stunden auch nicht zu sehen …

Snowy Hydro

Als wir in den Snowy Mountains unterwegs waren, hörten wir schon mehrere Male Radiospots für das Besucherzentrum von Snowy Hydro.

Also sind wir auf dem Weg von Cooma nach Canberra (ist am oder kurz nach dem Ortsausgang von Cooma ausgeschildert) da noch vorbei. Wirklich eine sehr interessante Ausstellung. Schon beeindruckend, was die da in der Mitte des letzten Jahrhunderts umzusetzen angefangen haben (Snowy Mountains Scheme in der Wikipedia).

Spannend war auch der Bereich zum Thema Stromhandel, mit (Live?-)Anzeigen von deren Stromhandelssystem.

Screenshot eines Stromhandelssystems

Road Trip

Wenn man schon in Australien ist, muß man natürlich auch in bißchen rumfahren. Autos sind dort leider ziemlich teuer (wie ja wohl auch in Amerika), so sind es dann nur knappe fünf Tage geworden, die immerhin ca. 200 Euro Miete gekostet haben.

Linksverkehr ist am Anfang doch sehr ungewohnt, von der Autovermietung (leicht östlich vom CBD) nach Hause (ein Stück südlich vom Hauptbahnhof) habe ich dann auch knapp eine halbe Stunde gebraucht. Schalten ist halt ein motorisch-dynamischer Stereotyp, den auf den anderen Arm zu adaptieren dauert halt eine Weile. Seltsamer Weise habe ich öfter mal den Scheibenwischer betätigt, wenn ich blinken wollte – obwohl der Blinker- und Scheibenwischerhebel auf derselben Seite sind. Kann mir vielleicht ein Neurophysiologe oder so genauer erklären?

Da das Auto, wie schon geschrieben, schon so (mit unverschämtem Unter-25-Aufschlag) teuer genug war, habe ich auf Premium Coverage oder ähnliches verzichtet. Standard Coverage hat eine Selbstbeteiligung von 2750 AUD – aber man geht ja eh davon aus, daß nichts passiert ;-)

Naja, es waren am Anfang schon viele kleine Beulen und Kratzer am Auto, die der Angestellte auch hoffentlich alle markiert hat. Daß ließ dann hoffen, daß die nicht allzu pingelig sind. Irgendwann am Anfang, wir waren nur bei trockenem Wetter auf asphaltierten Straßen unterwegs gewesen, bemerkten wir dann einen kleinen, aber doch recht deutlich sichtbaren Steinschlag. Entweder war der vorher schon da und wurde nicht eingetragen, oder es hat uns tatsächlich das vorausfahrende Fahrzeug einen kleinen Kiesel aufs Auto geschleudert. Jedenfalls ist bis jetzt keine Forderung gekommen … In den Snowy Mountains ist uns dagegen ein blauer papageiähnlicher Vogel (mit roten Federn und Schwanz) bei gut 100 km/h mitten auf die Windschutzscheibe geflogen. Zum Glück nicht mit dem Schnabel, sonst wäre die wohl wirklich hin gewesen. So ist glücklicherweise überhaupt nichts passiert. Die Viecher sind aber auch wirklich selten dämlich … Später habe ich dann übrigens noch einen Info-Flyer gesehen, was man bei verletzten Wildtieren machen soll, wie einpacken, wo anrufen, etc. Zu meiner Entlastung gehe ich einfach mal davon aus, daß das Viech nicht verletzt, sondern tot war. Wie auch die Wombats, die ständig tot am Straßenrand lagen (und vor denen auch auf den bekannten gelben Schildern gewarnt wird).

Der Hyundai Getz ist IMO überhaupt nicht zu empfehlen: Der Fahrersitz ist super unbequem, das sollte als KO-Kriterium ausreichen, wenn man mehr als 10 Minuten am Stück fahren will. Das Lenkrad war anscheinend auch nicht höhenverstellbar, so daß der Tacho nicht wirklich vernünftig erkennbar war. Und dann der Tank: Ein normaler Zapfhahn ließ sich nicht ordentlich einführen, und einrasten erst recht nicht. Toll, wenn man nach Gefühl tanken muß … Folglich hat Thrifty dann am Ende auch per Kreditkarten-Abrechnung nochmal sieben Liter überteuerten Sprit berechnet, obwohl wir eigentlich 30 km vorher vollgetankt haben. Ich vermute aber einfach mal, daß die – ebenfalls nach Gefühl – übervoll getankt haben.

Auch ansonsten ist der Service bei dem Laden etwas komisch: Keine After-Hour-Returns (angeblich), so daß ich, um nicht am späten Nachmittag schon wieder in Sydney sein zu müssen, den Wagen am Flughafen abgeben mußte. Da stand dann seltsamerweise ein Kasten, wo man für After-Hour-Returns die Schlüssel reinschmeißen sollte. Na danke. Und die Wartung kommt auch etwas kurz: Daß das Scheibenwaschwasser leer ist, darf nun wirklich nicht vorkommen. Und wir haben es tatsächlich die ganze Tour nicht geschafft, das aufzufüllen (dafür war es dann doch nicht dringend genug …).

Zur Tour an sich: Wir sind von Sydney erstmal zur Botany Bay, dann weiter in den Royal National Park, waren dort schwimmen, und sind dann weiter nach Wollongong. Am nächsten Tag haben wir uns dort einen buddhistischen Tempel angeschaut und waren dann im Jarvis Bay National Park. Dort haben wir am nächsten Tag eine Delphintour gemacht und sind dann weiter in die Snowy Mountains. Am nächsten Tag dann nach Canberra, und am Samstag zurück nach Sydney. Über einige Ziele werde ich noch näher berichten …

Die Bergstraße nach Cooma war echt nett. Ein Lookout war nach dem Busfahrer Fred Piper benannt, der an jener Stelle bei der Erfüllung seiner Pflichten umgekommen ist.

Ansonsten sind die Straßen teilweise etwas seltsam – obwohl sie eigentlich doch recht gut benutzt werden. Daran kann es also nicht liegen. Reifenteile, tote Tiere, etc. werden grundsätzlich liegen gelassen – auch auf der Autobahn. Wobei “Autobahn” – man darf da zwar 110 km/h fahren (oder waren es 120? whatever …), aber auf dem Seitenstreifen sind theoretisch Fahrräder erlaubt. Verrückt …

Jedenfalls mal ein interessantes, aber doch recht anstrengendes Erlebnis …

Übrigens: Vernünftige Straßenkarten sind nicht zu bekommen, außer am Flughafen, wie ich beim Abflug bemerkt habe. Super.

In die blauen Berge fahren wir …

Am 2. Januar war ich in den Blue Mountains. Ich wollte eigentlich ursprünglich den Zug um ca. zwanzig nach sieben nehmen, nachdem ich den dann allerdings gefunden hatte (nicht unten bei den anderen Cityrail-Zügen, sondern oben beim Fernverkehr …), hab ich ihn um ca. eine Minute verpaßt :-|

Der nächste fuhr dann eine Stunde später. Irgendwie auch so eine Tour, die man besser mit einer organisierten Bustour oder noch besser mit Mietwagen machen sollte – einmal pro Stunde ein Zug ist irgendwie etwas sehr unflexibel, vor allem, wenn man eventuell noch was anderes (auf der Strecke) als nur Katoomba sehen will …

Die Trolley-Tour, die es beim Trolley Shoppe zu kaufen gibt, lohnt absolut nicht – wenn man das Stück vom Bahnhof zum Kliff nicht laufen will, kann man auch eine Einzelkarte für den Bus kaufen. Bei der Trolley-Tour versteht man eh nichts, weil das Teil ziemlich laut klappert.

Morgens war es in Sydney am Regnen, so daß ich lange Klamotten anhatte und sogar eine Jacke im Rucksack. Vollkommen unnötig … Als ich aus ausgestiegen bin um mal ein Stück durch den Regenwald zu laufen, hatte gerade schon einige Zeit die Sonne geschienen und es war superschwül. Als ich dann die Tour mit dem Scenic Skyway (eine Seilbahn über die Schlucht) gemacht habe, war es dagegen so bewölkt, daß man nur wenige Meter weit gucken konnte. Da hat der durchsichtige Boden dann nichts gebracht. Diesen ganzen Scenic-irgendwas Kram sollte man sich übrigens sowieso lieber sparen, ist das Geld nicht wert. Dann lieber zu Fuß die Schlucht runter, ein bißchen rumlaufen und wieder hoch.

Seilbahn im Nebel

Immerhin hatte ich einen schönen Ausblick über das Tal und auf die Three Sisters, als das Wetter noch halbwegs vernünftig war.

Three Sisters

 

Internationaler Postverkehr

Meinem Onkel und meiner Tante hatte ich wie einigen anderen Leuten auch auf dem Rückflug aus Taiwan eine Karte geschrieben. Abgeschickt am 10. Januar, die anderen sind alle eine gute Woche später angekommen.

Besagte Karte an meine Verwandten ist allerdings nicht angekommen – mag daran gelegen haben, daß ich weder die Hausnummer noch die PLZ wußte. Die Straße war aber angegeben und mit einer akuraten textuellen Beschreibung der Adresse (“letzte Häuserreihe vor der ersten Querstraße nördlich der xy-Straße, 2. Eingang”) versehen.

Naja, jetzt hat letter punkt inquiries at deutschepost dot de eine Mail von mir bekommen, sie mögen die Karte doch bitte wiederfinden und zustellen. Zum Glück halte ich inzwischen von allen abgesandten Postsendungen Kopien vor (mit Digicam auch bei handschriftlichen Sendungen kein Problem), so daß der Verlust rein ideeller Natur ist. Und die Post weiß gleich, wonach genau sie suchen muß …

Trotzdem stört mich die Unzuverlässigkeit des internationalen Postverkehrs irgendwie langsam. Die australische Post hatte letztes Jahr schon einen Brief von mir mit recht persönlichem Inhalt verloren und nicht wieder aufgefunden – nach den Haftungsbeschränkungen des Weltpostvertrages habe ich nichtmal Anspruch auf Rückerstattung des Portos!

Alkoholverbote

Ein sehr merkwürdiger Trend in Australien: Alkoholverbote auf öffentlichen Wegen und in Parkanlagen etc.

Die werden dann durch Schilder angekündigt, die einem erzählen, daß sie vom Council auf der Grundlage des Local Government Act erlassen wurden, und auch die Gültigkeitsdauer ist angegeben.

Am Strand wurden am ersten Weihnachtstag unsere Rucksäcke kontrolliert (wobei mir beim Rausnehmen des Handtuchs meine Badehose rausgefallen ist, was ich erst 10 Minuten später festgestellt habe – lag aber noch am Eingang vom Strand), ob wir Alkohol dabei hatten, ebenso Silvester am Darling Harbour.

Zu kaufen gab es da auch keinen Alkohol (nur zum Vor-Ort-Verzehr in Restaurants) – so war das dann mein erstes alkoholfreies Silvester seit langem. Verkauft wird er auch nur in speziellen Bottle-Shops.

Naja, den Nachfahren von Strafgefangenen gibt man besser nicht zu viel Alkohol, sonst rasten die noch aus. Und die eingewanderten Asiaten vertragen ja schon genetisch bedingt keinen.

Wasserknappheit

Australien ist nach der Antarktis der zweittrockenste Kontinent der Erde. Das führt dann dazu, daß es dort insbesondere im Sommer wenig Wasser gibt, und das Wasser damit besonders in dichtbesiedelten Gebieten, wie zum Beispiel dem Großraum Sydney, knapp ist.

Und um mit dem knappen Wasser auszukommen, gibt es dann Water Restrictions. Ist ganz lustig, man sieht dann in Parks, auf öffentlichen Toiletten etc. immer Ausnahmegenehmigungen, daß die den Rasen sprengen, harte Flächen abspülen etc. dürfen.

Super dazu paßt dann aber, daß bei Hankas WG das Wasser in der Miete enthalten war. Das animiert ja sehr stark zum sparsamen Verbrauch …

Känguruh

Wie fragte der Reiseführer doch sinngemäß: In welchem anderen Land werden schon die Wappentiere gegessen? Leider habe ich nur eins geschafft, nämlich Kanguruh. Emu wird irgendwann nachgeholt …

Zum Preis: Gar nicht mal so teuer, wenn man berücksichtigt, daß Fleisch in Australien allgemein nicht ganz billig ist.

Der Geschmack läßt sich so beschreiben:

Känguruhfleisch zeichnet sich sowohl durch seinen feinen Geschmack als auch auch durch seinen hohen Nährwert aus. Geschmacklich läßt es sich je nach Sorte und Herkunft des Tieres mit Wild, wie etwa Reh vergleichen.

Angeblich wird es ziemlich leicht zäh, dahingehend scheine ich es schonmal richtig zubereitet zu haben. Zitat:

Damit der zarte Eigengeschmack besser hervorgehoben wird, sollte Känguruhfleisch kurzgebraten serviert werden. Optimal ist entweder medium oder rosa.

Tja, es war eher durch, aber manche Leute wissen halt nicht, was gut ist …

Normales Gemüse scheint als Beilage allerdings nicht so gut geeignet zu sein. Nochmal von der gleichen Seite:

Als Beilage empfiehlt sich etwas Süsses, wie zum Beispiel Preiselbeeren oder pürierte Süsskartoffeln.

Beim nächsten Mal. Hoffentlich ist das Zeug in Deutschland auch irgendwo zu bekommen. Und bei der Gelegenheit wären Krokodil und Emu (das andere Wappentier) auch nicht schlecht …

Vogelgrippe

Gestern bin ich aus Taiwan kommend am Frankfurter Flughafen in das Bundesgebiet eingereist. Noch im Flugzeug kam dann eine deutschsprachige Ansage (offensichtlich also von Fraport-Personal), daß die Gepäckausgabe nicht an dem sonst für den Gate-Bereich zuständigen Band ist, wegen Vogelgrippe. Im Flughafen wurden wir dann von ausreichend Personal zur richtigen Gepäckausgabe gelotst.

Dort dann der Schock: Eine Schlange einmal quer durch die Halle, vermutlich vom vorhergehenden Flug. Als wir (= ich und die Leute, die ich im Hotel in Taipeh kennengelernt habe) uns dann angestellt haben (schon bevor wir alles Gepäck hatten), ging die Schlange einmal an der Längsseite der Halle lang, dann an der kurzen Seite, an der anderen Längsseite entlang und wieder zurück bis zur Mitte dieser Seite.

Sehr aufmunternd auch die Auskunft des Bundespolizisten: Nach den Erfahrungen der letzten Tage ca. drei Stunden Wartezeit. Naja, wenn man nicht alleine wartet, vergeht die Zeit ja recht schnell. Lustig war auch der Fraport-Angestellte, der mit dem Fahrrad durch die Halle fuhr. IMO erste Anzeichen einer durch Vögel übertragenen Nervenkrankheit.

Bis wir dann an der Kontrolle waren, hat es dann nur ca. eineinhalb Stunden gedauert. Ca. 10 m vor der Kontrolle ging dann auch endlich mal ein Informationsblatt (PDF). Hallo? Ich bin aus keinem dieser Länder eingereist, was wollten die überhaupt von mir? Und warum wollten die wissen, ob ich sonstiges Fleisch habe? Das Import-Verbot gilt nur für Geflügelfleisch. Die Einfuhr von Schweineleberwurst oder getrocknetem Känguruhfleisch hätte mir also keiner verbieten können. Naja, Hauptsache irgendjemand (zum Beispiel der hessische Staatsminister für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz) kann sich wichtig machen …

Organisiert war das ganze natürlich auch überhaupt nicht. Das fängt damit an, daß man in der Gepäckausgabehalle nichts kaufen kann, keine Speisen und Getränke, keine Zeitungen nichts. Weiter geht es damit, daß Fraport offenbar nicht in der Lage ist, mit Absperrbändern eine Warteschlange zu markieren. Insgesamt war natürlich viel zu wenig Personal da. OK, mehr als afair vier Schalter/Tische gibt es eh nicht, und mehr passen in den Durchgang eh nicht. Aber es spräche ja nichts dagegen den Durchgang 10 m weiter nach hinten an das Ende der Halle zu verlagern. Da hätte man dann zehn oder mehr Leute gleichzeitig abfertigen können. Das Equipment ist auch etwas dürftig, um nicht zu sagen, nicht vorhanden. Hallo, Frau Künast, oder wer auch immer dafür vorher zuständig war? Sie wußten seit mindestens zwei Jahren, daß eine Tier- und Pflanzenprodukte-Quarantäne möglicherweise einmal sehr kurzfristig notwendig wird. Ist es da so abwegig, sich beim Australian Quarantine Inspection Service (wohl die sorgfältigste Quarantäne der Welt) mal zu erkundigen wie man das macht und dann die entsprechenen Röntgengeräte anzuschaffen und das Personal zur Schulung zu schicken? Stattdessen werden einem dann absolut sinnlose Fragen gestellt, die über den räumlichen (also in Bezug auf die Ursprungsländer) und sachlichen (also in Bezug auf die Produkte) Umfang des Einfuhrverbots weit hinausgehen (“Haben Sie sonst irgendwelche Lebensmittel?” – Hallo? Was geht euch das an?), gestellt, und letztendlich wird man dann doch durchgewunken, ohne daß man das Gepäck einmal öffnen mußte.

Naja, drei Stunden nach Landung war ich dann “schon” am Bahnhof, ICE um 9:54 nach Karlsruhe, um halb zwölf zu Hause gewesen.

Wie heißt es doch so schön: May you live in interesting times.

UPDATE: Es gibt offenbar doch sehr strenge Einfuhrbeschränkungen für Milch und Fleisch.

Sydney: Erster Rundgang

Nachdem ich gestern morgen eMails gecheckt und mir eine Optus-SIM-Karte besorgt hatte, ging es auf zum ersten größeren Sydney-Rundgang.

Als erstes hab ich im China Town ein ziemlich frühes Mittagessen genossen (viel zu viel viel zu früh …).

China Town

Dann hab ich mich über Darling Harbour auf den Weg zur Harbour Bridge gemacht. Dabei hab ich nette Straßenbauarbeiten und eine interessante Variation des Themas “Historisch trifft modern” gefunden:

Straßenbau

Alt trifft neu

Die Harbour Bridge liegt ja ganz ordentlich über Meeresspiegel. Da ich das erst nicht realisiert hatte, hab ich sie aus der Nähe zuerst von unten gesehen – auch ein interessanter Anblick.

Harbour Bridge von unten

Obligatorisch war dann natürlich ein Spaziergang über die Brücke, wo auch einige Fotos der Oper entstanden.

Oper von Sydney

Genial ist auch der Blick von der Brücke auf das Wasser um die Oper. Ich denke, das kennt jeder aus Filmen …

Dann ging es den ganzen Weg über die Brücke wieder zurück und zur Oper. Meine Meinung: Aus der Entfernung sieht sie besser aus, das Panorama ist fantastisch. Opernhausführungen kosten ein Schweinegeld, und das Opernhaus ist von Schickimicki-Restaurants bevölkert. Das muß dann irgendwie doch nicht sein (ok, wenn man das Geld hätte …).

Danach ging’s von den Royal Botanic Garden, zum Government House, durch den Central Business District, durch den Hauptbahnhof und zurück nach Hause. Gesamtdauer: Circa fünf Stunden. Anstrengend, aber sehr interessant. Und heute werde ich rechtzeitig an Sonnenschutz denken …

Taipeh

Mancher Leser mag sich vielleicht irritiert fragen: Wie ist der Jens eigentlich nach Taipeh gekommen? Nun, der billigste Flug, der im Juni noch nach Sydney zu bekommen war, war von China Airlines, und die sitzen bekanntlich in Taiwan, was CKS International Airport zu ihrem Hub macht.

Und als dann irgendwann die Anfrage vom Reisebüro kam, ob ich damit einverstanden bin, daß sich der Weiterflug auf Hin- und Rückreise jeweils um einen Tag verschieben, dachte ich mir: Warum denn nicht? Und es hat sich wirklich gelohnt.

Leider hatte ich mir zwar auf dem Flug Frankfurt – Taipeh eine leichte Magen-Darm-Erkrankung oder so eingefangen (das muß es gewesen sein – die ganze Zeit war ihr übel und gegen Ende lief sie dann mit Spuckbeutel zum Waschraum). Ein perfekter Anlaß, das Belüftungssystem von Flugzeugen mal kritisch zu hinterfragen, besonders in Zeiten von SARS etc. Es kann doch nicht sein, daß Krankheitserreger durch die Luftzufuhr im kompletten Flugzeug herumgewirbelt werden …

Irgendwie muß ich das Verteilen der Einreisekarten verpaßt haben, aber die gab es ja auch noch in der Halle vor der Einreisekontrolle, und es waren keine wirklich komplizierten Fragen drauf. Für Deutsche gilt ja wie vielerorts eine Visabefreiung für Aufenthalte bis 30 Tage.

Um 9 Uhr morgens im Hotel angekommen hab ich dann erstmal drei Stunden meinen Jetlag halbwegs auskuriert. Nach dem Mittagessen und kurzem ziellosem Umherirren im Umkreis von 500 m um das Taoyuan Holiday Hotel (wie der Name sagt in Taoyuan) beschloß ich dann, nach Taipeh rein zufahren. Taxi zum Bahnhof kostete ca. 150 Taiwan-Dollar, Fahrkarte nach Taipeh 43 Dollar.

In Taipeh hab ich mir dann erstmal das National Taiwan Museum (man beachte die Reihenfolge der Einzelwörter!), den 2-28 Peace Park mit zugehörigem Museum, und das Taipei 101 angeschaut.

Zum Tapei 101: Wirklich aufregend, da oben zu stehen und auf die Stadt zu schauen, insbesondere draußen. Aber ein bißchen größenwahnsinnig sind die Asiaten ja schon. Aus dem Audioguide: “Die Zahl 101 steht auch für unser Ziel, 100%ige Perfektion zu übertreffen.”

Die U-Bahn funktioniert sehr effizient. Mit der EasyCard ist wirklich alles easy, und die Züge sind zwar voll, aber alles läuft in geordneten Bahnen ab …

Hier anstellen!

Lustig anzuschauen ist auch die Weihnachtsdeko überall, zum Beispiel im Hotel. Und in vielen Geschäften haben die Verkäufer Weihnachtsmützen auf …

Weihnachtsdeko

Am nächsten hab ich mir dann noch das Chiang Kai Shek Memorial zu Ehren des ehemaligen Diktators von Taiwan angeschaut, mir dann besagte Fußmassage verpassen lassen, und mir am Ende noch schnell den Longshuan-Tempel angeschaut.

Longshuan-Tempel

Das Denkmal ist äußerst pompös, typisch Diktator halt …

Chiang Kai Shek Memorial

Fußreflexzonenmassage

In Taipeh habe ich mir den “Geheimtipp” aus dem Lonely Planet gegönnt: Eine traditionelle chinesische Fußreflexzonenmassage. Da kann man nur sagen: Autsch! War ganz “interessant”, aber ich glaube, nochmal werde ich mir das nicht antun …

Hinterher wurde mir dann noch auf einem Diagramm der Reflexzonen gezeigt, wo ich überall totkrank bin (oder so ähnlich – das ganze beschränkte sich auf Zeigen, Englisch konnten die Leute da nicht wirklich). Da kann einem direkt angst und bange werden ;-)

Terrorabwehr

Was mir beim Abflug in Frankfurt ziemlich sofort, nämlich ab dem Einchecken, aufgefallen ist, sind die heftig verschärften Sicherheitsvorkehrungen.

Erstmal wird das aufgegebene Gepäck jetzt vor dem Einchecken geröngt – früher war das afair nur bei bestimmten Flügen so. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, daß die das letztes Jahr in Stuttgart gemacht haben, als ich in die Türkei geflogen bin.

Weiter dann bei der Sicherheitskontrolle: Laptops muß man inzwischen aus Taschen rausnehmen und flach in eine Kiste legen.

Die Metalldetektoren sind so scharf eingestellt, daß sie wirklich auf alles reagieren, Gürtelschnallen und so.

Fotos darf man von dem Bereich übrigens auch nicht machen. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist die Bundespolizei aber anscheinend nicht in der Lage, einfach Schilder aufzuhängen, sondern man wird von freundlichen Bundespolizisten darauf aufmerksam gemacht. Auf die Frage “Warum?” hatte ich eigentlich eher eine Rechtsgrundlage erwartet – nicht irgendeine Larifari-Begründung.

Vor dem Gate gab es dann das gleiche nochmal in Grün. Diesmal ohne Metalldetektor, stattdessen wurde man gleich abgetastet. Was genau könnte man eigentlich unter dem Hosenbund um die Hüfte herum verstecken? Einen Sprengstoffgürtel?

Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, daß die Insel-Chinesen nicht so paranoid waren. Die wollten bloß, daß ich meinen Rucksack aufmache. Was da “Verdacht” erregt hat, waren Glasblöcke mit 3D-Gravur (kommt an, was ich meine?), die ich in Taipeh am Hauptbahnhof günstig erstanden hatte. Dafür dann aber die Aussies bei der Einreise mit ihrer Quarantäne – “Your baggage will be x-rayed to detect plant and animal material.” Weiß jemand, wie das funktioniert?