Seltsame Todesanzeigen

Auf der Bestattungsanzeigenseite der Süddeutschen erscheinen öfter mal ziemlich seltsame Anzeigen …

Heute wieder eine:

Die heilige Munditia & Co.

Wen es nicht schaudert, der sollte einmal den Alten Peter besuchen. Dort kann man nämlich einen Blick in den Sarkophag mit dem geschmückten Totengerippe der heiligen Munditia werfen, der schönsten, aber auch unheimlichsten Reliquie in München …
Diese Heilige gilt übrigens als Schutzpatronin der alleinstehenden Frauen. Ganz in der Nähe, nämlich in der Michaelskirche, hat König Ludwig II., der bekannte “Märchenkönig”, in der Wittelsbachergruft seine letzte Ruhe gefunden. Neben ihm steht der Sarkophag seines geistig verwirrten Bruders Otto.

Wer schaltet sowas, und warum?

Sex-Bilder bei Google

Planetopia hat den ganz großen Wurf gemacht: Man hat dort rausgefunden, daß mit Google ganz ganz ganz ganz schlimme Bilder finden kann, und das bei so harmlosen Suchbegriffen wie “groupsex”.

Dabei kommt dann auch ein “Internet-Professor” vom “Weltinformatikbund” zu Wort, nämlich Klaus Brunnstein. Informatik-Experte soll er sein, brabbelt aber wild über Strafgesetze. Was las ich dazu in einem Chat: “Ist die Halbwelt der publicitygeilen Schaumschläger im Internet-Securitybereich um eine illustre Figur reicher?” Der Typ ist übrigens Professor für Anwendungen der Informatik (nicht: für angewandte Informatik!). Denn: “Wenn das Erstellen von Powerpoint-Präsentationen angewandte Informatik ist, dann ist es angewandte Architektur, wenn ich durch eine Tür gehe.”

Dann wurde noch ein x-beliebiger Anwalt interviewt, der dann irgendwann erzählte, was man sich so alles vorstellen könnte, wie die Rechtslage sei. Planetopia-Redaktion, merkt euch bitte: Das ist bei Juristen ein Anzeichen für wüsteste Spekulationen, meist über das Vertretbare weit hinaus.

Und noch ein Tipp: Sorgfältiger Journalismus ist es nicht, wenn man irgendwelche Leute interviewt und sie lapidar als “Experten” für irgendwas bezeichnet. Wie wäre die Angabe einer (für das Interview-Thema einschlägigen) beruflichen Position?

Der einzige Interviewte, der seinen gesunden Menschenverstand noch behalten hat, war ein Abteilungsleiter von Fireball, der darauf hinwies, daß man Kinder auch nicht alleine nach St. Pauli schicken würde.

Für alle anderen gilt: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!

Veraltete Zahlungsmittel

Vor knapp zwei Wochen hatte ich mein ZEIT-Abo gekündigt, jetzt melden die sich endlich mal und schicken mir eine merkwürdige “Zahlungsanweisung zur Verrechnung”. Was soll so ein Schwachsinn? Das kostet doch nur die und mich unnötig Zeit und Geld …

Hab denen erstmal ‘ne eMail geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

schon mit Brief vom 28. Oktober (siehe PDF in der Anlage) hatte ich
mein ZEIT-Abo [...] gekündigt. Darauf erhielt ich von Ihnen
zuerst gar keine Reaktion, so daß ich schon dachte, das Schreiben wäre
verlorengegangen.

Gestern bekam ich dann über das verbleibende Guthaben eine
“Zahlungsanweisung zur Verrechnung” der Postbank. Ich weiß nicht, was
ich damit soll, und wie man auf die Idee kommt, im Jahre 2004 noch
Schecks oder vergleichbare veraltete Zahlungsmittel durch die Gegend
zu schicken, zumal über Kleckerbeträge wie 15,75 €. Es gibt nämlich
durchaus Leute, die keine Filialbank vor Ort haben, bei der sie so
etwas einreichen können. In meinem Kündigungsschreiben hatte ich
übrigens um Überweisung gebeten (und die Kontonummer nicht
vergessen!). Bei anderen Unternehmen klappt sowas auch. Aber falls ich
nochmal die ZEIT abonnieren sollte, werde ich daran denken, daß Sie
Schecks bevorzugen und entsprechend damit bezahlen …

Interessant wäre auch eine Information gewesen, mit welcher Ausgabe
der Bezug denn nun endet, auf der Zahlungsanweisung steht das nämlich
nicht drauf.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Müller

UPDATE 15. November: Jetzt haben sie geantwortet:

Sehr geehrter Herr Müller,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Die Einstellung des Abonnements haben wir zur Ausgabe 48/04 vorgenommen. Eine schriftliche Bestätigung hierüber ist Ihnen am 05.11.04 zugeschickt worden.

Die Auszahlung haben wir per Scheck vorgenommen, da uns keine Bankverbindung vorlag.

Bei Fragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Natürlich stand die Bankverbindung in meinem Brief – und zwar ganz normal im Seitenfuß. Der Hinweis “unten angegebene” im Text sollte da eigentlich ausreichen …

FAZ

Gestern hat sich ein Kollege die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Probeabo andrehen lassen, ein Exemplar hat er gleich so bekommen.

Ich hab zwar nur den Artikel über die französischen Luftangriffe in der Elfenbeinküste gelesen, war aber hellauf begeistert.

Heute wurde mir dann erzählt, daß die gesamte Zeitung in dem Stil geschrieben ist. Vielleicht wechsle ich demnächst von der Süddeutschen zur FAZ – insbesondere die Aktion mit der Rechtschreibung war ja äußerst seltsam …

Propaganda für Ché

Gerade im Kino gewesen und Die Reise des jungen Ché gesehen. Der deutsche Titel trifft es übrigens deutlich besser als das Original Diarios de motocicleta, immerhin ist das Motorrad schon nach einigen tausend Kilometern kaputt. Ché und Alberto selbst hatten ihre Bücher ja auch nicht so genannt.

Jetzt bräuchte ich nur noch einen Film über sein späteres Leben, und der Mythos Ché würde auch mich ergreifen. Der Film ist jedenfalls äußerst gelungene (und das meine ich positiv!) Propaganda:

Das Wort “Propaganda” kommt aus dem Kirchenlatein von der Redewendung: “Congregatio de propaganda fide” – “Kongregation zur Verbreitung des Glaubens”. Propaganda bezieht sich also auf die grundlegenden “Glaubensfragen” unserer Politik und richtet sich in erster Linie an die Einsicht.

Wenn man nichts zu sagen hat …

… einfach mal die Fresse halten!

Heute schreibt die Süddeutsche auf der Meinungsseite:

Was aber verleitet westliche Staatsmänner, Diktatoren Persilscheine auszustellen, statt einfach bei Sachfragen zu bleiben? Was nützt es, Menschenrechtsbekenntnisse zu stammeln, um dann zur Tagesordnung überzugehen? Solch peinliche Pflichtübungen sind die Folge eines falsch verstandenen missionarischen Auftrags für die Demokratie. Dass dies wenig bringt, hat gerade Frankreichs Präsident Jacques Chirac erfahren. Er kehrte aus Peking mit magerer Auftragsernte heim, während Chinas bei weitem wichtigste Lieferanten Japan und Taiwan bleiben, trotz aller politischen Differenzen.

Oder rettete es das ruinierte Ansehen der Amerikaner in der islamischen Welt, wenn George Bush notorischen Ein-Parteien-Regimen Nordafrikas beträchtliche Fortschritte bei der Demokratisierung bestätigt? Die Völker, die es besser wissen, werden hinfort noch mehr als Farce empfinden, was ihnen als Marschroute zu Freiheit und Wohlstand gepriesen wird. Und wenn der deutsche Bundeskanzler erklärt, er habe an den Wahlen in Tschetschenien nichts auszusetzen, dann hat er eine fabelhafte Gelegenheit zum Schweigen verpasst.

Spiegel schreibt mal wieder wirr

Spiegel online berichtet über die geplante Rundfunkgebühr für Internet-PCs (Primärquelle war übrigens die FAZ).

Wie für den Spiegel üblich ist der Artikel von den Fakten her mal wieder ziemlich wirr und desorientierend.

Mal sehen, ob die meinen Leserbrief veröffentlichen:

Alles sehr interessant, aber um das Ganze auch selbst beurteilen zu können, fehlt mir ein wesentliches Detail: Der neue Rundfunkgebührenstaatsvertrag. Der scheint Ihnen ja vorzuliegen, woher haben Sie sonst Ihre Infos?

Einen Fehler habe ich in Ihrem Text jedenfalls schon entdeckt. Sie schreiben: “Bislang gelten PCs nicht als Empfangsgeräte und müssen somit bei der GEZ nicht angemeldet werden.” Das ist falsch. Bisher sind PCs, die Rundfunkprogramme ausschließlich über Internet empfangen können, von der Gebührenpflicht ausgenommen. Solche PCs, die Rundfunkprogramme über Internet empfangen können, gelten also auch schon nach bisherigem Recht als Rundfunkempfangsgeräte, damit wären sie prinzipiell auch anmeldepflichtig, was die GEZ aber bisher nicht interessiert hat, da sie ja auch kein Geld bekommen hat. Lediglich die Gebührenpflicht war ausgesetzt.

Ob ein PC überhaupt in der Lage ist, Rundfunkprogramme nicht zeitversetzt wiederzugeben ist wiederum eine andere Frage, die bisher nicht gerichtlich geklärt worden konnte, weil dafür kein Bedarf bestand.

Jedenfalls ist Rundfunkempfang über Internet nur in sehr eingeschränktem Umfang möglich. Es wäre eine interessante Rechtsfrage, ob eine Gebührenerhebung in diesem Fall verfassungskonform ist, namentlich das Äquivalenzprinzip, also die gebührenrechtliche Ausprägung des Verhältnismäßigkeitsprinzipes, nicht verletzt.

Spieglein, Spieglein hier im Land …

Am Montag berichtete der Spiegel auf Seite 60 über Sonderschullehrer Büsing und seinen Kampf gegen ein Fugen-s in der Präambel des Grundgesetzes.

Formulierungen wie

Der Sorgfalt des Pädagogen ist es zu verdanken, dass nun auch ein Text von allgemeinerem Interesse korrigiert werden muss:

die einseitig Partei beziehen, beweisen wieder einmal die hohe journalistische Qualität dieses Blattes. Eigene Recherche hat der Spiegel übrigens nicht betrieben, auch ein gründliches fact checking hielt man nicht für nötig, wie man an folgendem Beispiel erkennen kann:

ein eifriger Ministerialbeamter hatte gar herausgefunden, dass “der Parlamentarische Rat, vergleiche Stenobericht, Seite 238 (Schlussabstimmung) der 10. Sitzung des Plenums” am 8. Mai 1949, die – korrekte – Formulierung “verfassunggebend” gewählt habe. Erst bei der Verkündung wenige Tage später sei, warum auch immer, das falsche “s” dazugekommen.

Dieser Teilsatz kommt vordergründig als Zitat des BMI daher, auf subtilere Weise erweckt er den Eindruck, die Formulierung “verfassungsgebend” sei falsch, und verkennt, daß das – beabsichtigte – “s” bei der Verkündung wieder aufgetaucht war.

So sind die Tatsachenbehauptungen in dem Artikel zwar nicht falsch (die zitierten Quellen haben es ja tatsächlich so gesagt oder geschrieben), insgesamt entsteht aber ein vollkommen falsches Bild.

Sehr interessant ist bei der Gelegenheit auch, was die Wikipedia so über den Spiegel zu sagen hat:

1956/57, rund zehn Jahre nach der Gründung des Spiegel, verfaßte Hans Magnus Enzensberger seine Analyse Die Sprache des Spiegel, in der er eine Reihe von Thesen aufstellte: Die Sprache des Spiegel verdunkele, wovon sie spreche, das deutsche Nachrichtenmagazin sei keins, der Spiegel übe nicht Kritik, sondern deren Surrogat, der Leser des Spiegel werde nicht orientiert, sondern desorientiert, und der Spiegel sei unentbehrlich, solange es in der Bundesrepublik kein kritisches Organ gebe, das ihn ersetzen könne. Diese kritische Einstellung revidiert Enzensberger auch nach der Spiegel-Affäre nicht; er sieht das Magazin weiterhin als latentes Gefahrenpotential für die deutsche Demokratie.

Feilschen nicht nötig

Ob Feilschen auf arabischen Souks auch so einfach ist?

Ich hatte die Süddeutsche Zeitung im Rahmen einer Aktion für vier Wochen im Probe, inclusive leider ziemlich unbrauchbarer Armbanduhr (aber die kann ich bestimmt bei eBay verticken).

Ende September rief man mich an, ob ich die Süddeutsche gerne weiterlesen möchte, ich wurde auch gleich gefragt, ob ich Student sei, damit man mir den günstigeren Studententarif anbieten konnte.

Ich wollte es mir noch einmal überlegen, auch kein Problem, man würde mich wieder anrufen. Der Anruf kam dann am Montag: Jetzt bot man mir zusätzlich auch noch zwei kostenlose Wochen an, nach denen ich nie gefragt hatte.

Heute kam dann außerdem die Bestätigungs-eMail:

[...]

wir danken Ihnen für Ihr Interesse an der Süddeutschen Zeitung und freuen uns, daß Sie sich entschlossen haben, die Süddeutsche Zeitung im täglichen Abonnement zu lesen. Ergänzend zu dem geführten Telefonat, hier einige Details zu Ihrem SZ-Abo:

Sie erhalten die Süddeutsche Zeitung ab dem 15.10.04. Die ersten zwei Wochen werden wir Ihnen, wie zugesagt, gratis liefern.

[...]

Als kleines Dankeschön erhalten Sie einen Uni-Bag. Dieses Geschenk geht Ihnen per Post zu.

Jo, super, dankeschön.

Aber das mit dem Feilschen solltet ihr trotzdem noch mal üben – kein Wunder, daß es der deutschen Wirtschaft so schlecht geht.

Oder war das jetzt die Entschädigung dafür, daß die SZ doch nicht zur alten Rechtschreibung zurückkehrt?

Medienkunst?

Gerade in Phoenix: Ein wohl normal laufendes Bild, dazu die Stimme der Moderatorin:

Sinnbild für den Föderalismus ist ja der Bundesrat, und der tagt ja auch morgen wieder hi…

Danach kurz Dudelmusik, und wieder von vorne.

Danach dann von einer männlichen Stimme immer wieder der Satz:

Nun lassen sie mich [unverständlich] weiß ich gar nicht, ob das so der Fall wäre.

Dann muß es wohl mal endlich jemand gemerkt haben, und es kam eine Einblendung mit den Worten

Wir bitten um etwas Geduld …

Circa 20 Sekunden später ging die Sendung dann von vorne los, mit den Worten

Sinnbild für den Föderalismus ist ja der Bundesrat, und der tagt ja auch morgen wieder hier.

Technischer Fehler oder Medienkunst?

Regierung Teufel läßt ‘Teufel’ nicht frei

In der ARD kam gerade eine Reportage über den am längsten einsitzenden Strafgefangenen der Bundesrepublik, Heinrich P.

Satte 45 Jahre sitzt er jetzt fast schon hinter Gittern, und obwohl das Bundesverfassungsgericht schon vor Jahren feststellte, Heinrich P. habe seine Strafe längst verbüßt und eine Inhaftierung ohne Aussicht auf ein Ende verstieße gegen die Menschenwürde, passiert: nichts!

Und das in Bruchsal, nur ca. 20 Kilometer vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entfernt.

Die CDU präsentiert sich ja gerne als wertkonservativ, was man ja durchaus positiv sehen kann. Zumindest in Baden-Württemberg muß man sie wohl eher als reaktionär bezeichnen.

Weitere Informationen gibt es zum Beispiel hier.

Ein kleiner Lichtblick: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird seiner Aufgabe mit dieser sehr engagierten Reportage gerecht.

UPDATE: Noch ein paar Quellen

Simulanten bei ARD und ZDF

Schon nach der Wahl in Sachsen und Thüringen konnte man sich nur an den Kopf fassen, auf welch stümperhafte Art und Weise ARD und ZDF mit den NPD-Demagogen umgegangen sind.

Statt die undemokratischen Umtriebe dieser Neonazis wirklich zu entlarven, übt man sich selbst in undemokratischer Gesprächskultur und ansonsten in Diskursverweigerung oder plumper Polemik.

Die Methode von Phoenix, einen etwas längeren Redenausschnitt einfach unkommentiert zu senden, ist allerdings wohl wirklich nur auf diesem Sender möglich, auf den sich der gemeinde Bild-Leser eher selten verirren dürfte.

Die Medien haben offenbar zu viel Angst vor dem Feuer, um hier inhaltlich zu argumentieren. Stattdessen versucht man mit besonders polterndem Fragen, kritischen Journalismus zu simulieren (Zeit).

Super. Wozu bezahlen wir nochmal Rundfunkgebühren?

Hitler als Droge

Die Zeit sieht Hitler als die härteste aller Drogen, die Aufmerksamkeit produzieren, als politisches Spielmaterial und beliebig einsetzbares Schreckensbild.

Die Nazizeit sei bloße Chiffre des Bösen und , von der Popkultur vereinnahmt, international marktgängiges Kulturgut.

Der Autor führt dies darauf zurück, daß versäumt wurde, diese Schuld [der normalen Bürger] zu benennen und zu ahnden und sie dadurch auf alle ausgedehnt wurde.

Zielgenau arbeitet er die Probleme für das gesellschaftliche Bewußtsein und den öffentlichen Diskurs heraus:

In ihrem Versuch, den Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus zu verstehen, ist die Zivilisation, die sich brechen ließ, selbst unter Verdacht geraten. Es gibt nahezu keinen Lebensbereich, den die Faschismustheorien nicht als Keimzelle des Unheils gedeutet haben: den Kapitalismus ebenso wie den Antikapitalismus, die bürgerlichen Lebensformen ebenso wie den antibourgeoisen Affekt. Deswegen konnte ein Kapitalist in den siebziger Jahren schon als Faschist gelten, und heute umgekehrt ein Antikapitalist schon als Antisemit. Noch jüngst wurde Kritikern Amerikas vorgeworfen, sie stünden in der Tradition der Nazis; denn auch Antiamerikanismus sei Antisemitismus.

Der rhetorische Missbrauch des Nationalsozialismus hat einen verhängnisvollen Nebeneffekt: Es ist die Verharmlosung. Wer schon den Antikapitalismus für antisemitisch hält, erzeugt den Eindruck, es ginge letztlich nicht um Verbrechen, sondern um unsympathische Meinungen. Bei dem Versuch, eine mögliche Wiederkehr von Nazigedanken schon im Keim aufzuspüren, hat sich ein hoch empfindliches Alarmsystem ausgebildet, das auf die wirklich groben Rückfälle nicht mehr anspricht. Es ist wie mit einem Messgerät für kleinste Spannungen: Starkstrom kann es nicht anzeigen. Die Konsequenz ist fatal: Während tätliche Angriffe auf Ausländer lange Zeit nur höchst schleppend verfolgt wurden, steht jede öffentliche Rede über Ausländer unter misstrauischer Beobachtung.

Das ist die Quittung für eine übertreibende Geschichtsdidaktik. Wo überall Parallelen zur Nazizeit gezogen werden, sind aber am Ende gar keine mehr sichtbar. Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger öffentliche Rede über Hitler.

Freien Funk für freie Bürger!

Ich dagegen halte einen bürgerkontrollierten Rundfunk für so wichtig, dass ich seine ersatzlose Abschaffung als Angriff auf elementare Grundrechte betrachten würde, aus dem ich ein Recht zur Notwehr folgern würde. Notfalls auch mit der Waffe gegen diese Feinde unserer Demokratie.

schreibt Tom Berger in einem Beitrag in de.soc.recht.misc.

Recht hat der Mann. Irgendwas muß der Volksverdummung von RTL&Co. ja entgegengesetzt werden.

Und diejenigen, die ständig gegen die GEZ hetzen, sollten sich vielleicht mal überlegen, wie sie dieses freie Medium freier Bürger sonst finanzieren wollen. Aber da wird ja eh der gesamte Komplex GEZ & Rundfunkfinanzierung munter durcheinandergewürfelt, was zur Information sicherlich nicht beiträgt.

Eigenwillige Preisgestaltung

Für Studierende gilt der E-Paper Preis von 20 EUR monatlich. In Verbindung mit einem ermäßigten Print-Abo (im Inland: 16,50 EUR monatlich, im Ausland: 19,00 EUR monatlich) kostet das E-Paper nur 3 EUR zusätzlich im Monat.

Die SZ subventioniert also die Altpapierentsorgung beim Kunden mit exakt 50 Cent pro Monat – ob man damit hinkommt, müßte man ausrechnen. Zumindest hier in Karlsruhe wird Altpapier nämlich über die kostenpflichtige Wertstofftonne entsorgt.

Was ist eigentlich Rekursion?

Auf der Website der SZ kann man einen interessanten Effekt beobachten: Eine wunderschöne Endlosweiterleitung über immer wieder gleiche drei Adressen.

So ein Murks sollte im 21. Jahrhundert eigentlich nicht mehr existieren, selbst wenn ich eine eminent wichtige Funktion zu aktivieren vergessen haben sollte.

Achja: So eine URL druckt die Süddeutsche natürlich auch in Anzeigen für ihre ePaper-Ausgabe.

Psychosomatische Kerosin-Beschwerden

In der Süddeutschen Zeitung von gestern wird berichtet, daß Flugzeuge im Landeanflug auf Zürich in letzter Zeit vermehrt über dem Schwarzwald Kerosin abgelassen hätten.

Das Ablassen des Kerosins, das von Pumpen zerstäubt wird, sei unbedenklich. Laut TÜV Rheinland verdunste der Treibstoff fast restlos in höheren Luftschichten zu Wasser und Kohlendioxid. Es sei noch nicht gelungen, Kerosin am Boden nachzuweisen, heißt es auch in einer Untersuchung des Kantons Zürich. Schwarzwald-Bewohner hatten nach Bekanntwerden der Fälle über körperliche Reaktionen wie Hustenanfälle geklagt.

(Betonung hinzugefügt)

Da haben die badensischen Hinterwäldler ja echt den Vogel abgeschossen. Ist ja schlimmer als bei der ominösen Handy-Strahlung.