Equalismus auf der Openmind – mehr Gelassenheit, bitte

Auf der #om11 wurden zu Beginn (nach der Keynote) Themen für Gesprächsrunden gesammelt (ich habe nach der Lektüredem Überfliegen des Wikipedia-Artikels gerade so meine Zweifel, ob es sich dabei tatsächlich um ein Barcamp handelte …).

Ein Vorschlag kam von Julia ‘laprintemps’ Schramm und betraf mal wieder das Genderthema (oder, wie Julia es etwas flapsig ausdrückte, “genderpopender” …) – allerdings unter dem Schlagwort “Equalismus”, um die Abneigungen zu vermeiden, die der Begriff “Feminismus” oft provoziert. Oder, wie es das Pad (missing link intended) dazu formuliert:

Equalismus. Also die Emanzipation und Entdiskriminierung des Einzelnen bei Beibehaltung aller individuellen Merkmale, die sich Mensch selber zuschreiben möchte.

Ehrlich gesagt verstehe ich das immer noch nur so ansatzweise – mir ist noch nicht wirklich klar, wovon sich der Einzelne emanzipieren soll, bzw. Diskriminierung aufgrund welcher Merkmale (oder zugeschriebenen Merkmale) abgebaut werden soll. Dass tradierte Geschlechterrollen dazugehören, ist sowas klar, aber was noch?

Jedenfalls hat mich an diesem Thema angesprochen, dass die Vorbehalte gegen das Thema “Feminismus” ernstgenommen wurden und ein ernsthafter Anlauf unternommen wurde, auf die Kritiker zuzugehen. Also hab ich bei dem Thema mein +1 gemacht und bin dann auch hingegangen. Der Raum war ziemlich voll, und hat auch zusätzliche Stühle bekommen. Im folgenden vermische ich Zusammenfassungen von Inhalten, die laut Mitschrift im Pad Teil der Diskussion waren, mit meiner persönlichen Stellungnahme dazu. Es soll eigentlich ein MP3 geben, aber wo das ist, weiß ich nicht. Insofern von meiner Seite keine Gewähr dafür, dass der Diskussionsverlauf richtig gewichtet oder auch nur richtig wiedergegeben ist.

Einig waren sich die Anwesenden, dass es in der Piratenpartei ein Problem in Bezug auf das Thema Gender gibt. Eins der Probleme mit Feminismus ist, dass der als ungerechtfertigter Vorwurf empfunden wird, Frauen zu diskriminieren und schlecht zu behandeln.

Die Diskussion drehte sich dann dahin, dass Diskriminierung nicht nur aufgrund des Geschlechts stattfindet. Eine Beobachtung war, dass “während man darüber spricht, dass Menschen über Sprachverhalten ausgeschlossen werden, man Menschen über Sprachverhalten auschließt”. Folgerung: Wir müssen allgemein am innerparteilichen Umgang arbeiten und auch Leuten Beteiligungsmöglichkeiten bieten, die bei diesen Strukturen nicht mithalten können (meine Formulierung).

Bis hierhin habe ich einiges mitnehmen und nachvollziehen können. Danke!

Heute las ich dann den Beitrag “Wir sind das Problem (#Genderdebatte)” im Blog “Wider die Windmühlen”. Darin wird begrüßt, dass die Runde zwar viele Teilnehmer hatte, aber kritisiert, dass es zu keinen konkreten Ergebnissen kam. Weiter wird kritisiert, dass die Diskussion von ein paar wenigen Leuten dominiert wurde. Festgestellt wird, dass Ausschlussmechanismen wirken, und dass jeder einzelne an diesem Problem beteiligt ist. Darauf folgt dann die Kritik, dass es “am Eingeständnis der eigenen persönlichen Mitverantwortung mangelt” und keiner die Frage “Was kann ich tun?” stellt. Immerhin wird in einer Randnotiz angemerkt “Es gab allerdings Ausnahmen, die auf der Session z.B. ihr Redeverhalten auf Veranstaltungen kritisch reflektierten”. Damit ändert dieser Beitrag auch schon. Und ich finde diese Folgerungen zu vorschnell. Was ist denn hier die Erwartungshaltung? Dass sich Leute, die sich mit diesen Themen nie vorher bewusst beschäftigt haben, ihre “eigene persönliche Mitverantwortung” sowohl zunächst erkennen als auch dann auch noch eingestehen (Mea culpa, mea maxima culpa!, oder wie?) und am besten noch die Frage “Was kann ich tun?” nicht nur stellen, sondern auch noch beantworten. So eine Erwartung wäre überzogen, zumal für eine nur gut einstündige Gesprächsrunde. Eine realistische Erwartung ist, dass ein guter Teil der Teilnehmer Denkanstöße mitgenommen hat, und zumindest in Bezug auf mich war das auch der Fall. Geduld ist wichtig, und ein wenig Gelassenheit.

One thought on “Equalismus auf der Openmind – mehr Gelassenheit, bitte

  1. Hallo tessarakt,

    da haben wir uns mißverstanden :) Das Barcamp auf der #om11 ist gar nicht Gegenstand, sondern Aufhänger meines Blogbeitrags. So war es jedenfalls gedacht. Hätte ich vielleicht deutlicher machen sollen. Ich fand den Ablauf der Diskussion exemplarisch für die Art, wie zur Zeit an vielen Stellen in der Piratenpartei über das Thema gesprochen wird.

    Ich kritisiere das Barcamp nicht dafür, daß konkrete Ergebnisse fehlen würden. Sowas nach einer Stunde zu erwarten, zu der man sich spontan zusammengefunden hat, wäre tatsächlich überzogen.

    Meine Kritik richtet sich stattdessen vor allem gegen die Haltung, die wir zu dem Thema allzu häufig nach außen tragen, bzw. die Perspektive, die auf das Thema eingenommen wird.

    Die Haltung gegen die ich mich wehre, ist das Problem ausschließlich als ein kollektive Problem zu verstehen, das eine kollektive oder gemeinsamene Lösung verlangt und den Einzelnen nicht in die Verantwortung nimmt.

    Ich dränge nicht auf persönliche Schuldeingeständnisse (“Mea culpa, mea maxima culpa!”) Ich dränge darauf, daß die Diskussion unter einer anderen Fragestellung geführt wird.

    Es geht mir nicht daraum, daß irgendwer sich hinstellt und einen Sprechakt “Was kann ich tun?” ausführt. Sich diese Frage zu stellen könnte stattdessen etwa heißen, in eine Diskussion zu gehen mit dem Ziel, Verbesserungsideen für das eigene Handeln mitzunehmen.

    Das kann man natürlich tun, ohne sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen.

    Vielleicht haben das sogar die Merhzahl der anwesenden Piraten auf dem Barcamp so gemacht. Die Diskussion wie sie dort und an anderer Stelle geführt wurde und wird, findet allerdings unter einem anderen Vorzeichen statt. Und das empfinde ich als äußerst frustrierend.

    Aber ja, vielleicht würde mir etwas mehr Geduld und ein wenig (mehr ;) ) Gelassenheit gut zu Gesicht stehen :)

    Ciao
    Andreas

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