Kundenorientierung beim Zahnarzt

Am Montag habe ich mir beim Zahnarzt eine Füllung einsetzen lassen. Handwerklich habe ich bisher nichts zu bemängeln, das dürfte soweit alles passen. Aber die Beratung war recht dürftig …

Das ging schon mit der Routineuntersuchung vor einigen Wochen los, bei der diese behandlungsbedürftige Karies-Stelle entdeckt wurde. Da die vor ca. 5 Jahren schon im Ansatz auf einem Röntgenbild zu sehen war, wusste ich immerhin, dass jetzt wohl wirklich Bohren nötig war (und nicht nur die Zahnärztin gerne etwas verdienen wollte).

Aber schon mit der Wahl der Behandlungsmethode ging es los: Amalgam würde man grundsätzlich nicht mehr verarbeiten. Die Kasse würde ansonsten nur einfache Zementfüllungen bezahlen, bei einer Komposit-Füllung müsste ich ca. 80 € zuzahlen. Ich würde eigentlich gerne mit der für die konkrete Situation am besten passendsten (und gleichzeitig noch wirtschaftlichen) Methode behandelt werden, und nicht von vornherein eine ausschließen, weil der behandelnde Arzt die grundsätzlich nicht mehr anwendet. Und Zementfüllungen sind reine Behelfsfüllungen und nicht als Dauerlösung gedacht. Sowas allen Ernstes vorzuschlagen, grenzt schon an Unseriösität. Amalgam ist durchaus noch eine gebräuchliche Anwendungsmethode. Die Quecksilberbelastung tritt beim Anbringen der Füllung auf und bewegt sich in der Größenordnung, die man eh über die Nahrung zu sich nimmt. Was aus der fertigen Legierung (falls überhaupt …) noch austritt, dürfte Größenordnungen darunter liegen … Eine positive Eigenschaft von Amalgam ist, dass es sich beim Abbinden der Legierung ausdehnt und damit fest sitzt, wohingegen sich Kunststofffüllungen bei der Polymerisation zusammenziehen (was das Anbringen handwerklich aufwendiger macht). Es soll zwar auch Fälle geben, bei denen man die Ausdehnung von Amalgam vermeiden möchte, weil die den Zahn sprengen kann, aber das dürften wohl seltene Ausnahmen sein. Jedenfalls ein schönes Beispiel, wie sinnvolle Werkstoffe und Behandlungsmethoden verteufelt werden und daher nicht mehr in Frage kommen … Ich frage mich ja, ob ein Zahnarzt mit Kassenzulassung die Behandlung mit Amalgam (eine Kassenleistung!) überhaupt grundsätzlich verweigern darf. Wenn das tatsächlich unter “Therapiefreiheit” fällt, gerät das Sachleistungsprinzip zur Farce …

Bei der Behandlung selbst gab es dann erstmal Computerprobleme beim Aufrufen des Röntgenbildes. Das lag wohl auf einem Server, der noch nicht hochgefahren war, lol … Los ging es mit einer örtlichen Betäubung. Spätestens an der Stelle hätte ich mir ja schon eine genauere Information über den Behandlungsablauf gewünscht. Und ist so eine Betäubungsspritze eigentlich komplett risikolos? Ich hab, bevor ich lauter Zeugs in den Mund gestopft bekam, zumindest noch gefragt, wie lange das eigentliche Bohren dauert – “wenige Minuten” war die Antwort. Zuerst wurde an meinen Zähnen rumpoliert, eine Metallklammer und ein Keil angebracht, und weiter poliert. Gemerkt habe ich kaum was, erst als wirklich gebohrt wurde, hab ich (am Geräusch) gemerkt, dass das vorher ja noch nicht das Bohren war … Das Bohren selbst ging auch fix – aber danach wäre auch eine Information, dass jetzt “nur noch” die Füllung reinkommt, toll gewesen … Das hat nämlich (mit mehreren Schichten Kunststoff, die jeweils einzeln gehärtet wurden), auch noch mal eine Weile gedauert. Was mich auch noch interessiert hätte, wie groß diese Füllung eigentlich ist. Gehört IMO zwingend zur Aufklärung über die Behandlung, denn es macht ja schon einen Unterschied, ob das Loch einen mm groß ist oder der halbe Zahn entfernt wird …

Fazit: Ihr Handwerk dürften die meisten Ärzte ja durchaus verstehen. Aber darin, den Patienten angemessen zu informieren und “mitzunehmen”, besteht erheblicher Nachholbedarf …

3 thoughts on “Kundenorientierung beim Zahnarzt

  1. “Und ist so eine Betäubungsspritze eigentlich komplett risikolos?”

    Nein, das – natürlich – nicht. Es sind Verletzungen von Blutgefäßen und Nerven (bis hin zu bleibenden Ausfällen) möglich, außerdem eine anaphylaktische Reaktion, die im Extremfall zu einem tödlich verlaufenden anaphylaktischen Schock führen kann. Wenn es sich um ein Lokalanästhetikum mit Adrenalinzusatz handelt, kann die versehentliche intravasale Applikation auch zu hochfrequenten Rhythmusstörungen, gleichfalls im Extremfall mit der Folge eines terminalen Herz-Kreislauf-Versagens, führen.

    Grüße,
    -thh

  2. Es ist auch möglich beim Fahrradfahren von einem Meteroiten getroffen zu werden. Mangelndes Vertrauen in die größtenteils sehr bemühten Zahnärzte rechtfertigt nicht Panikparolen in die Welt zu setzen.
    Millionen von Patienten werden täglich ohne Komplikationen Lokalanästhesien verabreicht. Risikopatienten bei denen Vorerkrankungen bekannt sind werden entsprechend behandelt. Wenn ein Patient sich nicht ausreichend aufgeklärt fühlt, sollte er nachfragen. Wenn kein Vertrauensverhältnis hergestellt werden kann, wird die Therapie auch nicht zum Erfolg führen. Jeder suche sich den Arzt der zu ihm paßt.

  3. Das ist alles richtig, rechtfertigt aber nicht die in der Praxis tatsächlich völlig fehlende Aufklärung über die möglichen Komplikationen – meistens begleitet von großer Empörung, wenn sich ein Risiko realisiert und aufgrund mangelnder Aufklärung dann die straf- und zivilrechtliche Haftung (samt Beweislastumkehr) droht.

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