Diebstahl-Mimimi bei Lidl

Gestern habe ich eingekauft. Soweit nichts Ungewöhnliches. Erst war ich beim dm und habe dort Shampoo und Duschgel gekauft. Dann war ich beim Lidl in der Postgalerie und habe dort diverse Nahrungsmittel gekauft. Die Sachen vom dm hatte ich dabei im Rucksack und den eigentlich die ganze Zeit auf dem Rücken, An der Kasse habe ich die beiden Sachen kurz ausgeräumt, um die schweren Flaschen nach ganz unten in den Rucksack packen zu können. Da fragt mich der Kassierer: “Und was ist mit den Sachen?” – Ich: “Die sind vom dm.”

Und dann fragte er nach dem Kassenzettel – hatte ich natürlich nicht parat. Lidl hätte dieselben Artikel nämlich auch im Sortiment, und deshalb könnten die ohne Kassenbon ja nicht wissen, daß die nicht von dort sind. Daß die ja offensichtlich im Rucksack waren, an dem ich während des ganzen Einkaufs nicht in auch nur ansatzweise verdächtiger Form irgendetwas gemacht habe, war natürlich kein Argument.

Dann kam der Marktleiter (oder ein anderer Vorgesetzter). Verständnis hat er von mir keins bekommen für sein “Wir haben so hohe Schäden durch Diebstahl!”-Mimimi, aber er teilte mir trotzdem mit, ich solle beim nächsten Mal vor dem Betreten des Ladens Bescheid sagen, wenn ich fremde Ware dabei habe, oder den Rucksack an der Kasse aufbewahren lassen.

Das geht natürlich vollkommen an der Lebenswirklichkeit und üblichen Einkaufsgewohnheiten. Und die Prozesse bei Lidl werden es nicht verkraften, wenn das auch nur 5% der Kunden machen. Mal ganz abgesehen davon, daß die überhaupt nicht mitbekommen hätten, daß ich die Ware im Rucksack hatte, wenn ich sie nicht ganz offen rumgeräumt hätte. Denn in meinen Rucksack muß ich sie nicht schauen lassen.

Fassen wir also zusammen, wie modernes BWL Lidlscher Prägung funktioniert: 1. Der Ehrliche ist der Dumme, denn aus rechtskonformem Verhalten werden Verdachtsmomente konstruiert, während sich beim echten Bösewicht erst gar keine ergeben (es sei denn, man erwischt ihn dabei, wie er im Laden einen Artikel in die Tasche tut – aber das kriegt man ja angeblich nicht mit, sonst bräuchte man an der Kasse nicht so ein Mimimi abziehen). 2. Die Prozesse werden gnadenlos optimiert, der Kunde stört dabei nur. Für Fehlerquellen und Störungen in den Prozessen wird die Verantwortung auf andere, zum Beispiel die Kunden, abgeschoben. Daß man selbst offenbar massiv von dem SB-System profitiert, spielt keine Rolle.

Also, Fazit: Ab sofort bitte alle die Taschen an der Kasse abgeben, mal sehen, wie lange das gut geht … Denn wie heißt es so schön: “Bedenke, worum Du bittest. Es könnte Dir gewährt werden.”

Und übrigens: Zu Hause hatte ich dann plötzlich den Kassenbon in der Hand – er lag ganz unten im Rucksack.

8 thoughts on “Diebstahl-Mimimi bei Lidl

  1. Wenn man den Rucksack an der Kasse abgeben soll, wollen sie vermutlich aber auch nicht dafür die Haftung übernehmen.

    Zum Thema Diebstahl allgemein: Bei uns auf der Arbeit haben früher die größten Schäden im 4-stelligen, fast 5-stelligen Bereich, die Azubis konstruiert.

  2. Grundsätzlich stimme ich dir zu. Es ist schon eine verzwickte Situation. Allerdings würde mich da mal interessieren, welche Lösung du vorschlägst.

    Mögliche Lösungen wären:

    Permanente Diebstahlüberwachung durch Kameras mit Aufzeichnung. Halte ich aber persönlich für nicht so prickelnd und bringen eigentlich nur etwas, wenn zeitnah drauf reagiert wird. Schon 1 Std später ist der Täter nicht mehr greifbar. Natürlich könnte man nun einen Ausdruck des Täters machen und so platzieren, das er beim nächsten Mal vom Personal gefunden werden kann. Also sowas wie ein Pranger. Rechtlich wohl nicht haltbar, solange seine Schuld nicht festgestellt ist. Immerhin sind solche Überwachungsmitarbeiter keine Richter.

    Permanente Überwachung durch Personal im Laden. Unbezahlbar und unsozial. Der kleine Supermarkt im Dorf mit 5000 Einwohner wird schon aufgrund das dort quasi keiner wirklich Anonym sein kann, wessentlich weniger Diebstahl haben, aber den Diebstahl in anderen Märkten mittragen. Am Ende kommt das auf Diebstahl tolerieren und den Schaden auf die Allgemeinheit umlegen raus. Ehrliche Geringverdiener sind dann die Gearschten.

    Keine Überwachung, keine Kontrollen. Siehe oben….nur nicht mehr “geheim” sondern öffentlich bekannt. Allerdings dürfte es dann soweit gehen, das Märkte ihre Preise anpasssen an das Diebstahlvolumen. Wenn also eine Markt mit hohem Diebstahl entsprechend die Preise erhöht, zahlen die anderen alleine weil sie dort einkaufen “müssen” mehr. In der Regel wird das in Wohngebieten passieren, die ein hohes Kriminalitätsaufkommen haben. Dort wohnen dann meist auch überdurchschnittlich Geringverdiener. Es trifft also verstärkt diejenigen, die sowieso mit jedem Cent rechnen müssen. Sowas ist dann absolut NoGo.

    Dazu kommt auch noch eines: wir haben in Deutschland ca 45 Millionen KFZ, ca 35 Millionen davon sind privat genutzt. Bei 82 Millionen Einwohner bedeutet das, der Anteil an Leuten die ihre Waren im Rucksack von Supermarkt zu Supermarkt mitnehmen ist extrem gering. Die meisten lassen ihr Zeugs von Vorher im Auto. Für diese wenigen, für die genau dein Fall zutrifft, reichen die Kapazitäten an der Info eines Supermarktes wohl aus. Und zusätzlich wird es bei den Leuten ohne Auto noch so sein, das sie ihre Einkäufe aus dem vorherigen Laden seperat in einer Tasche mitschleppen. Sie müssen diese dann ja auch nur abgeben, wenn sie KEINEN Kassenzettel eines anderen Marktes dabei haben. Das reduziert nochmals die relevante Menge.

    Das Verfahren von Lidl finde ich also nahezu perfekt um das Problem des Diebstahls zu lösen. Das sie deinen Rucksack nicht kontrolliert haben, spricht eigentlich FÜR Lidl, da sie ein ziemlich hohes Vertrauen in ihre Kundschaft setzen, bzw sie nicht pauschal jeden erstmal als Dieb ansehen, bis er das Gegenteil beweisen kann. Zusätzlich finden keine Datenerhebungen statt. Man bekommt nämlich einfach einen Zettel, auf welchem ersichtlich ist, welches Teil abgegeben wurde. Und wenn ich mir den Kommentar von Arty anschaue, der pauschal unterstellt, das die Mitarbeiter von Lidl ihn hintergehen wollen, bzw ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, so hat er doch das selbe Problem, das du ein deinem Blog ankreidest: dich stört das man dich pauschal als potentieller Dieb hinstellt (nachdem du Waren im Rucksack an der Kasse vorbei getragen hast ohne diese dort bezahlt zu haben). Wenn also der Kunde nicht ein klein wenig mitarbeitet, Dieben das Leben schwer zu machen, wird das dazu führen das man pauschal erstmal jeden als potentiellen Dieb ansehen muss, bis das Gegenteil bewiesen ist. Und das wollen wir eigentlich alle nicht. Genauso wenig wollen wir das Geklaute mitbezahlen. Denn Wurst kann man nicht Copy-Pasten.

  3. Vorab als allgemeiner Hinweis: kein Mitarbeiter eines Discounters oder Supermarktes darf Taschen kontrollieren, das darf nur die Polizei.

    Und wenn man fälschlicherweise des Diebstahls bezichtigt wird, dann ist auch das verboten; einzig wenn man auf frischer Tat ertappt wird, darf man bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden, aber auch dann nicht durchsucht.

    Gerade die grossen Discounter wissen das ganz genau und geben entsprechende Verhaltensregeln aus. Im Verdachtsfall soll der Kunde freundlich angesprochen werden.

    Denn selbstverständlich sind die bekannten Verluste durch Ladendiebstahl einkalkuliert. Die wirklich grossen Schäden werden sowieso durch Diebstahl durch das Personal verursacht.

    Normalerweise reicht die freundliche Auskunft, die entsprechende Ware woanders gekauft zu haben. Falls das nicht ausreicht, einfach mal höflich nach der Telefonnummer der Beschwerdehotline fragen und um einen Stift bitten, damit man sich den Namen der Filialeiterin notieren kann, dann ist so eine Sache im Handumdrehen elegant erledigt.

  4. Meiner Frau ist bei Lidl das gleiche passiert. Man verlangte Einsicht in die EInkaufstasche. Der Kunde fühlt sich brüskiert und verunsichert.
    Darf ein Einzelhändler so etwas tun? Bin ich als Kunde berechtigt, dies nur in Gegenwart einer Amtsperson zu dulden?
    A. Lanfermann aus 46117 Oberhausen Osterfeld, Kapellenstraße 34

  5. Hallo,gestern am Mittag wurde meiner Frau bei Lidel in Trittau die Geldbörse aus der Umhängetasche gestohlen. Sie wurde in der Weinabteilung, die nicht durch die hohen Gänge links und rechts einsehbar sind,von einer Frau abgelenkt und in ein Weingespräch verwickelt.Eine zweite Person muß ihr dann die Geldbörse mit € 350.-und allen wichtigen Ausweisen und Kreditkarten aus der Tasche gestohlen haben. Sie paßt sonst immer wie ein Schiesshund auf ihre Tasche auf.
    Jede Tankstelle und kleiner Zeitschrifte/Tabackladen sowie die Kaufhäuser haben Überwachungskameras. Lidel befragt-warum nicht? Eine Kassiererin hätte geklagt und Lidel überwacht deshalb ihre Märkte nicht mehr. Kann soetwas angehen? Bin mal gespannt ob Lidel meine Frage wieviele Diebstähle es in ihren Filiealen in unserem Kreis gib, beantwortet. Ich bin wohl sehr naiv (75), wenn ich glaube eine Antwort von Lidel zu erhalten. Dies ist mein erstes Kommentar welches ich ins Internet stelle.
    Holimoli Freitag,d.08.01.2016

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