Fair gehandelter Kaffee

Nach einem Reinfall bei fair gehandeltem Kaffee (ich hatte auf der Mai-Demo Kaffee von irgendsoeinem unabhängigen Projekt aus Nicaragua gekauft, der nicht so toll schmeckte), habe ich jetzt mal bei Penny Café Intención von J.J. Darboven gekauft, und hoffe, daß der halbwegs schmeckt.

Zum Preis: Ich habe kein Problem damit, daß die Kaffeebauern und wer da sonst so dran arbeitet, mehr verdient. Aber rechnen wir erstmal: Der Café Intención kostet 4,69 € pro Pfund, normalerweise gebe ich 2,99 € pro Pfund aus. Was kostet der Rohkaffee den Röster denn nun mehr? Von Transfair.org:

  • Für den Kaffee erhalten die Produzentenorganisationen mindestens 10 US-cents/lb (1lb=0,4536 kg) mehr als der jeweilige Weltmarktpreis, in jedem Fall mindestens jedoch 121 US-cents/lb. Der Aufschlag auf den Weltmarktpreis wird ohne Begrenzung nach oben bezahlt.
  • Auf Wunsch der Produzentenorganisationen wird vom Käufer ein Kredit von bis zu 60 Prozent des Kaufwertes gewährt (Vorfinanzierung).
  • Für Kaffee aus biologischem Anbau ist ein zusätzlicher Aufschlag von 20 cents/lb zu zahlen.
  • Importeure und -hersteller müssen Kontrollen von der FLO-CERT GmbH (Niederlassung Köln) zulassen.
  • Die Hersteller (Röster) zahlen eine Lizenzgebühr von 0,11 Euro pro Pfundpäckchen Kaffee an den TransFair e.V. Diese Gebühr schmälert nicht das Einkommen der Produzentinnen und Produzenten, denn sie wird zusätzlich zu dem festgelegten Mindestpreis bezahlt.

Zum Kaffeepreis weiß die Wikipedia:

Seit Ende 2004 nun steigen die Kaffeepreise wieder stärker an. So wurde im internationalen Handel gemäß den Monatsmitteln des Composite Index des Kaffeeexporteurverbandes International Coffee Organization nach Kaffeepreisen von in der Regel weit über 100 US Cent pro Pfund (lb) in den 70er, 80er und Mitt-90er Jahren im September 2001 ein Tief von nur 41,17 US Cent pro Pfund gemessen; die zwölf Monatsmittel des Jahres 2005 erholten sich dagegen immerhin wieder auf Werte zwischen 78,79 (September) und 101,44 (März) US Cent pro Pfund.

Nehmen wir also mal der Einfachheit halber einen recht niedrigen Wert an, 80 US-Cent pro Pfund (lb). Für fair gehandelten Kaffee werden dann ca. 40 US-Cent pro lb mehr bezahlt, also ca. 0,30 € pro metrisches Pfund. Für Bio-Kaffee nochmal ca. 0,15 € rauf, dann noch die 0,11 € Lizenzgebühr, macht insgesamt 0,56 €. Ok, mag sein, daß “Markenkaffee” 3,99 € pro Pfund kostet (womit das in Ordnung wäre), aber ob er soviel besser schmeckt als No-Name-Kaffee? Anderenfalls müßte ich nämlich, um den Produzenten 0,56 € zukommen zu lassen, mit ca. 1 € zur Rendite einer Marke beitragen, ohne daß diese Marke mir etwas bedeuten würde. Achja, ich kann auch fair gehandelten Kaffee einer Eigenmarke von Lidl kaufen, der kostet dann ebenfalls 4,69 €, da landet dann also ein Euro bei der Familie Schwarz.

Weitaus schlimmer ist aber, daß diese fair gehandelten Kaffees für die Röster offenbar eine reine Alibiveranstaltung sind: Man hat eine riesige Palette verschiedener Kaffee-Sorten, bis hoch ins Premium-Segment, alle nicht fair gehandelt, und dann eine einzige Sorte aus dem preislichen Mittelfeld, die fair gehandelt ist. Geschmackliche Abwechslung: Fehlanzeige.

Solche Sprüche wie auf der eigens für Café Intención eingerichteten Website:

Ein Unternehmen und seine gute Absicht
Zeichen setzen für eine bessere Welt

Wir kennen die Menschen, die für Café Intención arbeiten. Natürlich nicht alle. Doch wir vergewissern uns vor Ort, dass es ihnen gut geht. Es ist uns bei J.J. Darboven ein persönliches Anliegen, dass Kinder nicht arbeiten müssen, die Schule besuchen und ein besseres Leben führen können. Dass Menschen unter guten Bedingungen arbeiten und ein Dach über dem Kopf haben.

wirken doch dann irgendwie ziemlich zynisch.

Die Menschen, die den anderen Kaffee herstellen (über den man auch hauptsächlich sein Image definiert), sind scheißegal, die Solidaritätsquote ist schon erfüllt. Das gute Geschäft mit dem schlechten Gewissen …

Vielleicht sehe ich das Ganze aber auch nur zu pessimistisch … Über rege Kommentare würde ich mich jedenfalls freuen.

3 thoughts on “Fair gehandelter Kaffee

  1. Pingback: Lieblnk.de

  2. Hab mal bei den Verpflegungsbetrieben des StuWe KA nachgefragt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    als ich heute mal wieder in der Cafeteria im Studentenhaus war, stellte
    ich fest, daß es dort inzwischen Bio-Kaffee gibt.

    Leider steht auf den Plakaten nicht, ob der Kaffee fair gehandelt ist (was
    er wahrscheinlich nicht ist, sonst würde es wohl mit dabei stehen). Das
    wäre mir ehrlich gesagt sehr viel wichtiger als das “Bio”. Ich habe einmal
    ausgerechnet, daß beim aktuellen Marktpreisniveau fair gehandelter Kaffee
    ca. 40 Euro-Cent pro Pfund Mehrkosten pro Pfund verursacht – das wären pro
    Becher (zwei Tassen zu je 7 g Kaffee) also nur zwei Cent. Und es sollte
    sich doch wohl ein Anbieter finden lassen, der auch für Großkunden fair
    gehandelten Bio-Kaffee anbietet.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jens Müller

    P.S.: Das Studentenwerk Mannheim würde Ihnen sicher seine Bezugsquelle
    verraten können – dort gibt es fair gehandelten Bio-Kaffee in den
    Cafeterien.

  3. Sonntagmorgen ist ein Startup-Unternehmen, das versucht das klassische “Offline-Produkt” Kaffee mit Web 2.0-Methoden zu vermarkten. Gegründet wurde das Unternehmen von Till Achinger und Tamer El-Hawari, beide sind passionierte Kaffeetrinker. Die Idee erinnert an mymuesli.com. Bei sonntagmorgen.de kann man sich seinen individuellen, frisch-gerösteten Kaffee bestellen, wer will auch mit Aroma.

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