Festplatten vernichten

Da ich zwei alte Festplatten nicht auch noch wieder mal beim Umzug mitschleppen wollte, habe ich jetzt endlich mal ein paar Euro in ein Schraubenzieher-Set investiert, daß auch die entsprechenden Torx-Schraubenzieher enthält. Damit kann man das Gehäuse aufschrauben, sämtliche Elektronik abnehmen und die Platten selbst vom Lager schrauben. Übrig bleibt viel Wertstoff, ein bißchen Elektronikschrott und eine oder mehrere Platten, die man dann ein wenig zerkratzt.

Wer bedarf an diesem Werkzeug hat, kann mich fragen.

Simplify your life

Angesichts meines Umzugs (ein Zimmer weiter) war jetzt endlich mal “Simplify your life”, also ausmisten von irgendwelchem Schrott, angesagt. Die letzten Tage ist da auch einiges zusammengekommen – aber den letzten Karton habe ich aus Zeitmangel einfach nur noch eingepackt – und morgen früh kommt nochmal einiges zusammen, was einfach nur zusammengepackt wird. Schade, Ausmisten kostet wirklich tierisch viel Zeit.

Ich hoffe mal, daß ich wenigstens beim Auspacken dann ein bißchen zum Ausmisten komme.

Neues Grundrecht

Das Bundesverfassungsgericht verkündet gerade sein Urteil zu Online-Durchsuchungen. Die Urteilsformel selbst ist schon raus: Die Online-Durchsuchung ist gekippt, die Verfassungsbeschwerden waren damit weitgehend erfolgreich.

Gerade erfolgt die nähere Begründung. Zwei Leitsätze standen am Anfang, einer davon besagt: Wir haben jetzt ein neues Grundrecht, das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme.

Die neuen Möglichkeiten von Computern für die Persönlichkeitsentfaltung scheint das Gericht sehr gut erkannt und klar herausgearbeitet haben – mehr wissen wir, wenn die Begründung vollständig ist.

Ratsdokumente nur eingeschränkt im Netz

Wie berichtet, sind inzwischen die Karlsruher Gemeinderatsdokumente im Netz.

Leider gilt das nicht für eine wichtige Klasse von Dokumenten, nämlich die Anlagen zu B-Plan-Vorlagen, die die Abwägungsvorschläge enthalten, denen der Gemeinderat dann letztendlich zustimmt (oder auch nicht).

Daß diese Anlagen beim B-Plan fürs Rheinhafendampfkraftwerk (Sitzung im Dezember 2007) zuerst enthalten waren, war ein Versehen. Grund dafür, daß diese Infos nicht im Netz landen, ist angeblich der Datenschutz:

Aus datenschutzrechtlichen Gründen werden die Anlagen zu Bebauungsplänen (sowie teilweise andere Anlagen) nicht im Internet veröffentlicht. Es
besteht jedoch die Möglichkeit, diese Anlagen bei uns – nach telefonischer Voranmeldung (0721-133- xxxx oder – xxxx) – einzusehen.

(Es handelt sich zwar um eine öffentliche Vorlage/Anlage, jedoch unterscheidet das Datenschutzrecht zwischen einer Einsichtnahme durch die Bürgerinnen und Bürger und einer weltweiten Veröffentlichung.)

Diese Erklärung ist für mich in dieser Pauschalität ehrlich gesagt nicht nachvollziehbar.

Natürlich ist:

Stellungnahme eines Nachbarn: Der Bürger, dessen Grundstück unmittelbar an das Rheinhafendampfkraftwerk grenzt, regt an, durch eine Festsetzung im Bebauungsplan auszuschließen, daß die Vorhabenträgerin auf der Grundstücksgrenze einen Maschendrahtzaun errichtet.

datenschutzmäßig relevant.

Allgemeine Stellungnahmen der Form:

Stellungnahme eines Bürgers: “Die Errichtung weiterer Kohle-Kraftwerke widerspricht den Zielen des Kyoto-Protokolls und ist daher unzulässig.”

sind es dagegen eher nicht.

Hier sollte man IMO schon differenzieren …

Ich frage mich ja, ob andere Gemeinden, die sowas im Netz veröffentlichen, dann allesamt gegen Datenschutzrecht verstoßen.

Initramfs

Bisher war ich irgendwie immer Initrd-Muffel – meine Kernel habe ich mit den nötigen Treibern statisch kompiliert und dann direkt von der Root-Partition gebootet.

Nachdem ich mir jetzt aber zwei neue Platten gekauft hatte, wurde das doch langsam mal notwendig: Die alte Platte an SATA1 war plötzlich zu /dev/sdb geworden, anscheinend ist im SCSI-Subsystem die Zuteilung der Gerätenamen nicht so statisch wie bei IDE-Platten.

Also habe ich mit

genkernel --lvm --mdadm --disklabel --luks --bootloader=grub initrdramdisk

eine Initramdisk erstellt.

Rausgekommen ist dabei /boot/initramfs-genkernel-x86_64-2.6.23-gentoo-r8.

In der grub.conf dann noch das hier:

title=Gentoo Linux 2.6.23-r8 (with initrd)
root (hd0,0)
kernel (hd0,0)/boot/kernel-2.6.23-gentoo-r8 real_root=UUID=xxxxxxxx-xxxx-xxxx-xxxx-xxxxxxxxxxxx
initrd (hd0,0)/boot/initramfs-genkernel-x86_64-2.6.23-gentoo-r8

eingetragen, in der /etc/fstab die Gerätenamen durch UUID=xxxxxxxx-xxxx-xxxx-xxxx-xxxxxxxxxxxx ersetzt, und es läuft alles perfekt.

Damit sind jetzt auch schon erste Vorbereitung für RAID5, LVM und Verschlüsselung getroffen: Ich werde mir jetzt das Init-Skript von genkernel anschauen und daran dann geeignete Veränderungen vornehmen.

UPDATE: Inzwischen heißt es statt “initrd” “ramdisk”, ansonsten funktioniert immer noch alles.

Klage gegen Fingerabdruck im Paß

Wie ich gerade nach einer kurzen Suche bei heise online gefunden habe, hat tatsächlich schon jemand dagegen geklagt, daß man einen Reisepaß jetzt nur noch mit Fingerabdruck bekommt.

Die umfangreiche Klageschrift (PDF) von RA Michael Schwarz ist online.

Hmm, ich werde aber wohl trotzdem nicht umhin kommen, mir mindestens einen Paß mit Fingerabdrücken zu holen …

Karlsruher Ratsdokumente im Netz

Vor einigen Monaten hatte ich bemängelt, daß die Dokumente des Karlsruher Gemeinderats trotz Ankündigung immer noch nicht online waren.

Nun ist es endlich soweit, wie diese Meldung der Stadt ankündigt:

Stadt baut im Internet Ratsinformationen aus

Das Informationsangebot im Internet über den Karlsruher Gemeinderat wird um einen zentralen Punkt erweitert: Künftig können Anträge, Anfragen, Vorlagen und Protokolle, mit denen sich der Gemeinderat im Plenum und in den Ausschüssen und die Ortschaftsräte in öffentlicher Sitzung befassen, im Internet abgerufen werden. Das Archiv befindet sich im Aufbau, in einigen Wochen sollen alle Dokumente ab 2007 online zu finden sein.

Alle Informationen über den Karlsruher Gemeinderat sind über die Internetadresse www.karlsruhe.de/gemeinderat zu erreichen. Auf dieser Seite befindet sich auch der Einstieg zu den Ratsdokumenten. Unter dem Stichwort “Termine und Ratsdokumente” kann auf unterschiedliche Weise recherchiert werden: Die Suche ist entweder über die verschiedenen Gremien möglich, über den aktuellen Monat oder mit einer Suchmaschine mit Freitextsuche über alle Ratsdokumente.

Die Angaben zur Zusammensetzung des Gemeindeparlaments und seiner Ausschüssen und zu den Ortschaftsräten beinhalten nun auch Erläuterungen von Funktion und Arbeitsweise der Gremien (“Gemeinderat in Stichworten”).

In der Tat sind schon etliche Dokumente online. Es fehlen allerdings in der Tat noch einige Sachen, so zum Beispiel die komplette Dezember-Sitzung des Gemeinderats oder die Anlage 1 zum Satzungsbeschluss des Vorhabenbezogenen Bebauungsplans “Am Wiesenacker 29 (Seniorenzentrum Wettersbach)”, Karlsruhe-Grünwettersbach (PDF), die den eigentlichen Abwägungsbeschluß enthält. Das wird hoffentlich noch kommen, sonst werde ich nachfragen.

Jedenfalls ist das ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz in der Kommunalpolitik.

Fair gehandelter Kaffe in der Mensa

Vor ca. einer Woche hatte ich, nachdem ich mich über den nicht fair gehandelten Bio-Kaffee in der Studentenhaus-Cafete geärgert hatte, das hier ans Studentenwerk geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ich heute mal wieder in der Cafeteria im Studentenhaus war, stellte
ich fest, daß es dort inzwischen Bio-Kaffee gibt.

Leider steht auf den Plakaten nicht, ob der Kaffee fair gehandelt ist (was
er wahrscheinlich nicht ist, sonst würde es wohl mit dabei stehen). Das
wäre mir ehrlich gesagt sehr viel wichtiger als das “Bio”. Ich habe einmal
ausgerechnet, daß beim aktuellen Marktpreisniveau fair gehandelter Kaffee
ca. 40 Euro-Cent pro Pfund Mehrkosten pro Pfund verursacht – das wären pro
Becher (zwei Tassen zu je 7 g Kaffee) also nur zwei Cent. Und es sollte
sich doch wohl ein Anbieter finden lassen, der auch für Großkunden fair
gehandelten Bio-Kaffee anbietet.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Müller

P.S.: Das Studentenwerk Mannheim würde Ihnen sicher seine Bezugsquelle
verraten können – dort gibt es fair gehandelten Bio-Kaffee in den
Cafeterien.

Die Antwort heute war erstaunlich positiv:

Sehr geehrter Herr Müller,

vielen Dank für Ihre Anregung!
Mit Ausnahme des Verpflegungsbetriebes Mensa Adenauerring und der Cafeteria an der PH,
dort gibt es Bio-Kaffee, führen wir in allen Cafeterien Transfer-Kaffee. Leider können wir
Ihnen nicht beides in einem liefern, da die Mensen in Baden-Württemberg einen
Kooperationseinkauf tätigen, der bezüglich des Kaffees lediglich zwei Lieferanten unterhält,
die wiederum einen Kaffee, der Bio- und Transfer-Produkt in einem ist, nicht führen.
Allerdings gehört Mannheim auch zu Baden-Württemberg?! Deshalb werden wir
recherchieren und danken Ihnen für den Hinweis!
Bis dahin hoffen wir, dass Sie sich den Kaffee weiterhin munden lassen, ob Bio- oder
Transfer-Kaffee, das müssen Sie eben vorerst noch auswählen.

Für weitere Ideen sind wir jederzeit offen!

Damit sind Verschwörungstheorien, daß die sich für Jacobs-Werbung kaufen lassen oder so, wohl erstmal hinfällig.

Petitionsausschuß

Heute war die öffentliche Sitzung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages zu Verkehrspetitionen, bei denen auch die Petition zur Abschaffung der Radwegbenutzungspflicht behandelt wurde.

Ich bin ehrlich gesagt stinksauer. Dieses Erlebnis hat den letzten Restfunken Vertrauen, den ich in die politische Kultur in Deutschland hatte, zerstört.

Da sitzen dann Leute, die um die 10.000 Euro im Monat bekommen, fressen sich mit Kuchen voll und betrachten die Anliegen der Petenten als Möglichkeit, sich zu profilieren (wahlweise, indem man der vom Petenten vertretenen gesellschaftlichen Gruppe in den Arsch kriecht, wie bei den Fernfahrern, oder eben, indem man wie üblich auf diese eintritt, wie bei den Radfahrern).

Unterstützung kam von der Autopartei, der Autopartei, der Autopartei und der Autopartei natürlich sowieso nicht, aber auch nicht von der Hybridautopartei. Herr Kasparick, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im BMVBS, verbreitete wieder seine übliche Lüge, daß es ja eigentlich gar keine Radwegbenutzungspflicht gebe. Eine Abgeordnete der Linken bezeichnete es als Privileg, wenn sich Radfahrer aussuchen könnten, wo sie fahren. Das ist es, was man sich unter sozialistischer Technologiepolitik vorstellt, wenn man sich die üblichen Motive des sozialistischen Realismus anschaut. Gero Storjohann, zu dessen Wahlkreis meine Heimat gehört, freut sich über jeden an Landstraßen gebauten Radweg. Was er dann zu Radfahrern auf der Fahrbahn und Hupen gesagt hat, war nicht ganz nachzuvollziehen, vermutlich absichtlich (genaueres wird man sehen, wenn die Aufzeichnung da ist). Er wollte aber wohl darauf hinaus, daß das schon in Ordnung geht, wenn die angehupt werden. Fragt doch den Gero zum Beispiel mal, ob er schon einmal den kaputten Radweg von Kaltenkirchen nach Kisdorf gefahren ist (gehört zu seinem Wahlkreis), oder wieviel er auf linksseitigen Radwegen nachts unterwegs ist. Seine Telefonnummer im Wahlkreis ist 04194/98233.

Übrigens war nicht einmal der Berichterstatter der Petition anwesend, das ist schon ein ziemlich schwaches Bild. Ich halte es für prüfenswürdig, ob diese Art der Behandlung nicht eine Verletzung des Petitionsrechts von nahezu 20.000 Bürgern darstellt. Ich denke schon, daß man als Bürger erwarten kann, daß die Abgeordneten die an sie gerichteten Eingaben wenigstens lesen, statt den Petitionsausschuß dazu zu mißbrauchen, bar jeder Sachkenntnis ihrem Selbstdarstellungstrieb zu fröhnen.

Tomoe: Hanzi-Erkennung unter Linux

Da ich letztens beim Arlt Grafik-Tablets gesehen habe, habe ich mal wieder nach Programmen für die Erkennung chinesischer Handschrift gesucht. Auf Anhieb habe ich erstmal nur kommerzielle Lösungen, im übrigen auch nur für Windows, gefunden, wenn man von HanziLookup mal absieht, das aber nur als Java-Applett läuft und daher eher eine Notlösung ist.

Dann bin ich aber auf Tomoe gestoßen. Das hatte ich schonmal irgendwie entdeckt, damals konnte es allerdings nur Japanisch. In Version 0.6 kann es jetzt aber angeblich auch Chinesisch. Leider konnte ich das nicht testen, denn bei mir läuft es nicht richtig. Schade. Ansonsten scheint der Autor nämlich den richtigen Weg zu verfolgen, insbesondere mit der Integration in Scim.

RAID, LVM, dm_crypt

Hennings erfolgreich aufgesetztes RAID hat mich mal wieder daran erinnert, daß ich das auch mal tun sollte.

Dieser Artikel dient dem Zusammentragen der nötigen Infos.

Erstmal zur Hardware: Zur Zeit habe ich eine 250 GB große SATA-Platte (und eine ältere PATA-Platte, die dann rausfliegt, bzw. für Backups verwendet wird). Die Idee ist, zwei weitere 250er-Platten anzuschaffen und ein RAID5 anzulegen.

Zur Software:

Wie ich es sehe, brauche ich auf einer der Platten dann eine Boot-Partition. Da gehen dann also meinetwegen ein paar hundert MB ab. Kann ich mit dem entsprechenden Platz auf den anderen Platten dann noch was anfangen? Naja, lohnt eh nicht wirklich.

Auf dem Rest werden dann Partitionen angelegt, die per Linux Software RAID zusammengefaßt werden. Da muß ich mich dann auch einlesen, insbesondere in die Konfiguration.

Das entstehende Device wird dann per dm_crypt verschlüsselt. Das kann man so einrichten, daß recht früh im Boot-Prozeß nach dem Paßwort gefragt wird, oder? Gibt es da auch was, was eine Smartcard oder so benutzt?

Darauf will ich dann LVM loslassen. Was man damit überhaupt machen kann, muß ich mir nochmal anschauen. Insbesondere: Wie einfach ist es, Partitionen zu vergrößern? Und wieviel Overhead erzeugt LVM?

Naja, mal sehen, was draus wird …

Bei der Gelegenheit kann ich mir dann gleich überlegen, was für ein Partitionenschema ich brauche. Das will ich vor allem mit der Backup-Strategie in Übereinstimmung bringen – die Mediendateien sind da zum Beispiel weniger kritisch.

Opensource-Heizungsregelung

In unserer WG haben wir eine Etagenheizung ohne Außentemperaturfühler, und Heizkörper mit einfachen Reglern ohne Thermostat. Das Ganze verstößt nicht nur gegen die Energieeinsparungsverordnung (“Zentralheizungen müssen beim Einbau in Gebäude mit zentralen selbsttätig wirkenden Einrichtungen zur Verringerung und Abschaltung der Wärmezufuhr sowie zur Ein- und Ausschaltung elektrischer Antriebe in Abhängigkeit von der Außentemperatur oder einer anderen geeigneten Führungsgröße und der Zeit ausgestattet werden.” (§ 14), ), sondern ist auch extrem nervig, weil man in den Räumen keine konstante Temperatur halten kann.

Mein Mitbewohner hat sich schon einen elektronischen Heizungsthermostat gekauft (aber noch nicht montiert). Klar, als Wiwi guckt er erstmal, was es auf dem Markt gibt.

Ich finde die Teile irgendwie etwas unflexibel, und wenn man was besseres will (mit zentralem Regler, der die Ventile per Funk steuert), wird man für Steuerung und zwei Regler leicht deutlich über 100 € los. Als Informatiker frage ich mich da: Gibt es da nicht auch eine Open-Source-Lösung? Naja, wohl nichts Fertiges, aber die Möglichkeiten werden schon diskutiert. Gefunden habe ich da eine Diskussion in einem Webforum und in der Newsgroup de.sci.electronics. Werde mir das mal durchlesen und gucken, was realistischerweise machbar ist.

Damit wären ja schon coole Sachen denkbar: Koppelung mit Wettervorhersage, Ferneinschaltung von der Uni aus, bevor man nach Hause kommt, etc. pp.

Fair gehandelter Kaffee

Nach einem Reinfall bei fair gehandeltem Kaffee (ich hatte auf der Mai-Demo Kaffee von irgendsoeinem unabhängigen Projekt aus Nicaragua gekauft, der nicht so toll schmeckte), habe ich jetzt mal bei Penny Café Intención von J.J. Darboven gekauft, und hoffe, daß der halbwegs schmeckt.

Zum Preis: Ich habe kein Problem damit, daß die Kaffeebauern und wer da sonst so dran arbeitet, mehr verdient. Aber rechnen wir erstmal: Der Café Intención kostet 4,69 € pro Pfund, normalerweise gebe ich 2,99 € pro Pfund aus. Was kostet der Rohkaffee den Röster denn nun mehr? Von Transfair.org:

  • Für den Kaffee erhalten die Produzentenorganisationen mindestens 10 US-cents/lb (1lb=0,4536 kg) mehr als der jeweilige Weltmarktpreis, in jedem Fall mindestens jedoch 121 US-cents/lb. Der Aufschlag auf den Weltmarktpreis wird ohne Begrenzung nach oben bezahlt.
  • Auf Wunsch der Produzentenorganisationen wird vom Käufer ein Kredit von bis zu 60 Prozent des Kaufwertes gewährt (Vorfinanzierung).
  • Für Kaffee aus biologischem Anbau ist ein zusätzlicher Aufschlag von 20 cents/lb zu zahlen.
  • Importeure und -hersteller müssen Kontrollen von der FLO-CERT GmbH (Niederlassung Köln) zulassen.
  • Die Hersteller (Röster) zahlen eine Lizenzgebühr von 0,11 Euro pro Pfundpäckchen Kaffee an den TransFair e.V. Diese Gebühr schmälert nicht das Einkommen der Produzentinnen und Produzenten, denn sie wird zusätzlich zu dem festgelegten Mindestpreis bezahlt.

Zum Kaffeepreis weiß die Wikipedia:

Seit Ende 2004 nun steigen die Kaffeepreise wieder stärker an. So wurde im internationalen Handel gemäß den Monatsmitteln des Composite Index des Kaffeeexporteurverbandes International Coffee Organization nach Kaffeepreisen von in der Regel weit über 100 US Cent pro Pfund (lb) in den 70er, 80er und Mitt-90er Jahren im September 2001 ein Tief von nur 41,17 US Cent pro Pfund gemessen; die zwölf Monatsmittel des Jahres 2005 erholten sich dagegen immerhin wieder auf Werte zwischen 78,79 (September) und 101,44 (März) US Cent pro Pfund.

Nehmen wir also mal der Einfachheit halber einen recht niedrigen Wert an, 80 US-Cent pro Pfund (lb). Für fair gehandelten Kaffee werden dann ca. 40 US-Cent pro lb mehr bezahlt, also ca. 0,30 € pro metrisches Pfund. Für Bio-Kaffee nochmal ca. 0,15 € rauf, dann noch die 0,11 € Lizenzgebühr, macht insgesamt 0,56 €. Ok, mag sein, daß “Markenkaffee” 3,99 € pro Pfund kostet (womit das in Ordnung wäre), aber ob er soviel besser schmeckt als No-Name-Kaffee? Anderenfalls müßte ich nämlich, um den Produzenten 0,56 € zukommen zu lassen, mit ca. 1 € zur Rendite einer Marke beitragen, ohne daß diese Marke mir etwas bedeuten würde. Achja, ich kann auch fair gehandelten Kaffee einer Eigenmarke von Lidl kaufen, der kostet dann ebenfalls 4,69 €, da landet dann also ein Euro bei der Familie Schwarz.

Weitaus schlimmer ist aber, daß diese fair gehandelten Kaffees für die Röster offenbar eine reine Alibiveranstaltung sind: Man hat eine riesige Palette verschiedener Kaffee-Sorten, bis hoch ins Premium-Segment, alle nicht fair gehandelt, und dann eine einzige Sorte aus dem preislichen Mittelfeld, die fair gehandelt ist. Geschmackliche Abwechslung: Fehlanzeige.

Solche Sprüche wie auf der eigens für Café Intención eingerichteten Website:

Ein Unternehmen und seine gute Absicht
Zeichen setzen für eine bessere Welt

Wir kennen die Menschen, die für Café Intención arbeiten. Natürlich nicht alle. Doch wir vergewissern uns vor Ort, dass es ihnen gut geht. Es ist uns bei J.J. Darboven ein persönliches Anliegen, dass Kinder nicht arbeiten müssen, die Schule besuchen und ein besseres Leben führen können. Dass Menschen unter guten Bedingungen arbeiten und ein Dach über dem Kopf haben.

wirken doch dann irgendwie ziemlich zynisch.

Die Menschen, die den anderen Kaffee herstellen (über den man auch hauptsächlich sein Image definiert), sind scheißegal, die Solidaritätsquote ist schon erfüllt. Das gute Geschäft mit dem schlechten Gewissen …

Vielleicht sehe ich das Ganze aber auch nur zu pessimistisch … Über rege Kommentare würde ich mich jedenfalls freuen.