0900-Sumpf

Fast jeder kennt sie: Automatische Anrufe auf seiner Festnetznummer (gerne auch Genion oder so, Hauptsache Festnetz), die einem mitteilen, daß man einen Geld- oder Sachpreis garantiert gewonnen habe. Um den abzurufen, soll man dann eine 0900-Nummer für 1,99 € die Minute anrufen.

Verantwortlich dafür ist übrigens:

Medkom Limited
Hobyar Mah. Gürün Han Kat.9

Hanimeli Sok. 933
34112 Eminönü/Istanbul

TUERKEI

Daß das Betrug ist, sollte jedem klar sein. Es lohnt also nicht, die Nummer anzurufen, jedenfalls nicht in dem Sinne, daß man dann einen tollen Preis gewinnen kann. Man kann es natürlich tun, dazu mehr unten. Dazu sollte man aber nicht allzu schwache Nerven haben. Sofortmaßnahme, die jeder vornehmen kann und sollte: Mail an rufnummernspam@bnetza.de, in der man kurz und knapp schildert, wann man den Anruf bekommen hat, was ungefähr der Inhalt war und ganz wichtig: welche Nummer beworben wurde. Natürlich sollte man nicht vergessen, seine Adresse anzugeben. Das ganze dient nämlich dazu, der Behörde gesicherte Kenntnis über einen Mißbrauch der Rufnummer zu verschaffen, und die wird sie kaum auf Anonymlinge stützen. Ein paar Tage später bekommt man dann eine Eingangsbestätigung, und drei bis vier Wochen später in der Regel eine Mitteilung, daß die Nummer abgeschaltet wurde. Meistens wird inzwischen dann auch ein Rechnungslegungs- und Inkassoverbot ausgesprochen. Das ist gut, weil der Spammer dann theoretisch kein Geld an seinen illegalen Machenschaften verdienen kann. Praktisch ist es alles etwas komplizierter.

Wenn man die Nummer eh nicht angerufen hat, kann einem das alles ziemlich egal sein. Man hat jedenfalls seinen Beitrag dazu geleistet, dem Spammer das Handwerk zu legen. Sollte man die Nummer doch angerufen haben, braucht man natürlich das Rechnungslegungsverbot (und einen langen Atem). In dem Fall sollte man in seiner Beschwerde die BNetzA auf jeden Fall darauf hinweisen, daß sie doch bitte ein Rechnungslegungsverbot erlassen möge. Manchmal tut sie das nämlich aus unverständlichen Gründen nicht.

Also: Bei jeder bespammten Nummer beschwert sich ein Haufen Leute, und die Rechnungslegung wird verboten. Warum wird das dann überhaupt noch gemacht, wenn doch anscheinend kein Geld zu verdienen ist? Fazit: Es wird offensichtlich doch Geld damit verdient. Die Verbindungen werden nämlich trotz Rechnungslegungsverbot in Rechnung gestellt, und von selbst gutgeschrieben wird da schon mal gar nichts.

Grund genug, daran was zu ändern. Kann ja nicht angehen, daß man mit Betrug Geld verdienen kann. Und da kommen wir zur neuen Extrem-Sportart: Extreme-0900-Abzocker-Nerving.

Das funktioniert ungefähr so: Man ruft die bespammte Nummer an, in unerschütterlichem Vertrauen auf den Rechtsstaat und der festen Überzeug, daß besagtes Rechnungslegungsverbot erlassen wird. Und natürlich meldet man die Nummer der RegTP. Inzwischen nach wenigen Wochen (also oft noch vor der nächsten Rechnung) bekommt man dann die Mitteilung über die Sperrung, in der Regel mit folgendem Satz: “Bitte teilen Sie mir mit, falls dennoch Verbindungen auf Ihrer nächsten Telefonrechnung berechnet werden sollten.”.

Also hab ich die Nummer mal für 60 € angerufen. Daß sie berechnet wurde, hab ich erst durch die Lastschrift mitbekommen, weil mich die Rechnung aus unerfindlichen Gründen nicht erreicht hat (aber bei o2 kriegt man ja online Duplikate), daß sie gesperrt wurde, nur auf der Website der BNetzA, weil man mich aus unerfindlichen Gründen nicht informiert hat. Naja, wie gesagt, steht zum Glück auf der Website.

Also bei o2 angerufen: Die Call-Center-Agentin mußte zweimal rückfragen (“Danke, daß Sie gewartet haben!”) und erzählte mir dann, solange die Nummer geschaltet sei, müsse o2 die berechnen. Ich solle mich an die BNetzA wenden.

OK, das hab ich auch getan:

Sehr geehrte Damen und herren,

wie ich Ihrer Website unter
[1]
entnehmen konnte, wurde die Rufnummer 9003775037 mit Bescheid vom
29.9.2006 zum 5.10.2006 abgeschaltet und ein Rechnungslegungs- und
Inkassoverbot rückwirkend ab dem 7.9.2006 erlassen.

Trotzdem finde ich auf meiner o2-Rechnung vom 6.10.2006 folgende Posten:

Datum Zeit Nummer Dauer Betrag (excl. USt)
09.09.2006 10:47:01 09003775037 00:02:35 4,4539
09.09.2006 20:34:00 09003775037 00:27:37 47,6139

Offenbar wurde das Rechnungslegungsverbot also nicht beachtet. Ich bitte
Sie, dies geeignet zu ahnden.

Der o2-Kundenservice, den ich gerade telefonisch kontaktiert habe, war
der Meinung, daß o2 diese Nummern berechnen müsse, so lange die Nummern
geschaltet und erreichbar sind. Daß das Rechnungslegungs- und
Inkassoverbot nur gegenüber dem Netzbetreiber ausgesprochen wird, in
dessen Netz die Nummer geschaltet ist, stellt insofern offenbar einen
wesentlichen Verbraucherschutzmangel dar, insbesondere, wenn – wie in
diesem Fall – die Teilnehmernetzbetreiber nicht willens sind, die
Rechnungslegung solcher Verbindungen zu stornieren. Das
Rechnungslegungsverbot läuft auf diese Weise offensichtlich ins Leere.

Es wäre nett, wenn Sie mir mitteilen könnten, in wessen Netz die Nummer
geschaltet ist, damit ich meine Erstattungsansprüche gegen diesen
Netzbetreiber (der gegen das Rechnungslegungsverbot verstoßen hat)
geltend machen kann. In der 0900-Suchmaschine auf Ihrer Website unter
[2]
ist diese Information nicht enthalten.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Müller

Was für ein Sumpf – kann man den bitte endlich mal trockenlegen?

To be continued …

2 thoughts on “0900-Sumpf

  1. Pingback: Krötenwanderungen

  2. Nette Idee, aber nur etwas für Leute, die sich gerne mit Banken und Telecom auseinandersetzen wollen.
    Viel wertvoller neben dem spaßigen Extrem-0900-Nerving ist eine wirksame Filtertechnik gegen diese Bandansagen, ohne dabei die Anrufer auszufiltern, die kein CLIP/CLIR und trotzdem anrufen dürfen.

    Thema Spaß mit Werbeanrufen:

    Wenn kein Band, sondern ein Mensch dran ist, einfach mal ein wenig Call-Center-Bullshit-Bingo spielen.

    - Auf die Aussage, man hätte gewonnen, mit der Frage antworten: Was denn?
    - Auf die Aussage, eine Gewinnchance, sich die prozentuale Gewinnchance mal genau rechnerisch erläutern lassen, insbesondere den Unterschied einer Chance und einem Gewinn erklären lassen.
    - Fragen, ob man direkt nochmal mitspielen darf
    - Bei Adress und Kontodatenfragen: Fake-Adressen generieren lassen, besonderst gut eignen sich stimmige Adressen, gut ist die Adresse der Bundesnetzagentur anzugeben oder die eines örtlichen Entsorgungsunternehmens, auch nett sind die Daten verstorbener Verwandter
    - Hörer des öfteren mal weglegen, einen “netten” Animationsfilm aus dem Internet mit eindeutiger Soundkulisse abspielen; immer mal wieder zwischen fragen, ob die Gegenseite doch noch einen kleinen Augenblick Geduld hätte
    - Heftiges Niesen oder Husten sind zu der Jahreszeit ganz normal..
    - Öfters mal während des Telefonates nach den imaginären Kindern rufen, sie sollen doch bitte Bier und Kippen in Ruhe lassen, sonst gäb es heut abend keine Folge ihrer Lieblings-Serie “Autopsie”
    - Mir fällt bei solchen Telefonaten immer wieder ungeschickterweise der Hörer in den leeren Plastikmülleimer
    - Zeigt einfach mal, wie musikalisch begabt ihr seit und entschuldigt euch damit, das ihr gerade für DSDS trainiert und unbedingt die Meinung einer qualifizierten, da zu Zielgruppe gehörenden Person benötigt
    - Auf die Frage: “Sie kennen doch Günther J. aus der Fernseh-Show: Wer wird verarscht” mit “Nein, ich habe kein Fernsehn” antworten
    - Am Anfang des Telefonates direkt eine möglichst imposante, zweistellige Zahl flüstern, auf die Gegenfrage, was das sollte, mit Anzahl der bereits erfolgreich abgemahnten Call-Center antworten.
    - Es spricht nichts dagegen, das Telefon mit auf Klo zu nehmen und dem gegenüber an eine gesunden Verdauung teilhaben zu lassen

    Es gibt so viele, schöne Möglichkeiten…

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