Chinesisches Regime verprügelt ARD-Quelle

In China wurde ein Interview-Partner des NDR zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt (ka-news, ARD, ARD).

Fu Xiancai hatte im Interview mit dem NDR berichtet, wie ihm die chinesische Regierung Entschädigungszahlungen wegen des Baus des Drei-Schluchten-Damms vorenthalten hatte.

Zur Stellungnahme der rotchinesischen Regierung heißt es bei der ARD:

Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte gegenüber ausländischen Journalisten, es lägen ihm noch keine gesicherten Einzelheiten des Falles vor. Er betonte, China habe seine eigenen Gesetze. Die chinesischen Bürger würden Menschenrechte und Freiheit genießen, jeder Bürger müsse sich aber auch an die Regeln und die Gesetze halten.

Wenn man das übersetzt, meint er mit Menschenrechten und Freiheit für chinesische Bürger – zynisch gesagt – sie dürften nicht halb tot geschlagen werden. Wenn er aber sagt, dass jeder Bürger die Regeln und Gesetze im Land zu beachten habe, meint er damit, dass sich chinesische Bürger der ausländischen Presse gegenüber nicht äußern sollen.

Weiter heißt es:

Bereits im April 2005 soll Fu Xiancai niedergeschlagen worden sein, nachdem er einer US-amerikanischen Zeitung ein Interview gab. Im Mai desselben Jahres bekam sein Sohn eine Morddrohung. Kurz darauf sollen Steine in Fu Xiancais Fenster geflogen sein, dann wurde er durch Messerstiche verletzt und schließlich erlaubte sich jemand einen makabren Scherz und platzierte Grabutensilien vor Fus Wohnung.

Eine Regierung, die einen dermaßen gefährdeten Bürger nicht schützt, ist verantwortlich für solche Verbrechen – zumal ja eh vieles darauf hindeutet, daß der Schlägertrupp vom Regime gesteuert wurde.

Und was macht die Bundesregierung? Sie zeigt sich “besorgt” … Ein Einbestellen des Botschafters ist das Mindeste an kurzfristigen Reaktionen. Die ARD weiß anscheinend schon eine langfristigere Antwort:

Als federführende Anstalt der ARD bei den Olympischen Spielen 2008 sei es für den NDR umso bedrückender, “dass ein chinesischer Bürger schwerstens verletzt worden ist, weil er sich in einem Programm der ARD sachlich zu Wort gemeldet hat”. Der Intendant fügte hinzu: “Das verheißt nichts Gutes für die von uns beabsichtigte Intensivierung unserer Berichterstattung während der Olympischen Spiele 2008.”

Das soll dann wohl heißen: Die Olympia-Berichterstattung 2008 wird voll sein von kritischen Berichten über das chinesische Regime.

Ähnliches erwarte ich da auch von der Bundesregierung. Da der Menschenrechtsdialog mit der chinesischen Regierung ja offenkundig keinerlei Wirkung zeigt, müssen halt unilaterale Propagandamaßnahmen her. Zum Beispiel könnte man als ersten Schritt Herrn Fu Asyl in Deutschland anbieten. Das wäre eine unglaubliche Bloßstellung der chinesischen Machhaber, die auch international ihre Symbolwirkung nicht verfehlen würde.

Auswärtige Menschenrechtspolitik kann man aber auch, wenn man es sich leichtmachen will, einfach mit viel Geld betreiben: In Form von Unterstützung für die politische Opposition. Eine andere Möglichkeit wäre die ideelle Unterstützung von Exiltibetern und Taiwanesen.

Mit anderen Worten: Eine großangelegte Propagandaschlacht muß her, und in der wird die Demokratie siegen!

2 thoughts on “Chinesisches Regime verprügelt ARD-Quelle

  1. Naja, momentan finde ich es das wichtigse Fu Xiancai und — vielleicht noch wichtiger, weil nicht im Blickpunkt der Medien — die Umsiedler zu unterstützen. Informationen über die Situation der Umsiedler finden sich auf der Seite von Three Gorges Probe- ein riesiges Archiv zu dem Thema.

  2. Natürlich ist die chinesische Regierung bei diesem Fall in der Pflicht. Die Frage ist doch: woher wußten die lokalen Behörden, die Fu Xiancai gedroht haben überhaupt von dem Interview im Deutschen Fernsehen?
    Doch nur, weil in der Chinesischen Botschaft in Berlin hauptberufliche Zensoren sitzen, die die gesamte deutsche Presse, Fernsehen eingeschlossen, akribisch nach china-kritischen Kommentaren durchforsten.
    Die melden es dann zurück nach Peking und anderswo. Ein menschenverachtender Bumerang-Effekt… für den man dieses Regime zur Rechenschaft ziehen muss.

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