Ingo Steuer

Das ist der Eiskunstlauftrainer, der sich seine Olympiateilnahme erklagen mußte, weil ihn das NOK mitfahren lassen wollte.

Peter Gauweiler bringt es heute in einem SZ-Kommentar auf den Punkt:

Was, wenn mir in diesen lichten Tagen des gesamtdeutschen Neuanfangs das Einzelschicksal des heute 39 Jahre alten Ingo Steuer vorausgesagt worden wäre? Der war damals junger Mitläufer des alten Regimes [...]. [...] Dass also unser junger Mann nach der Wiedervereinigung ein besseres Leben würde beginnen können, sogar Stabsunteroffizier der Bundeswehr werden und herausragende sportliche Leistungen für Deutschland vollbringen würde – zu dieser Vorhersage hätten wir alle im Wendejahr erleichtert gesagt: “Na also!”

Wäre uns allerdings damals vorausgesagt worden, dass dieser junge Mann [...] im Januar 2006 vom [NOK] unter öffentlicher Anprangerung [...] aus dem deutschen Olympiakader ausgestoßen würde, nicht weil er sich in den fast 16 Jahren, die seit dem Mauerfall ins Land gegangen sind, etwas hätte zuschulden kommen lassen, sondern weil die Berliner Vergangenheitsbeamten jetzt auch seine Stasi-Akte geordnet und verschlagwortet haben, und weil man im NOK es 16 Jahre nach dem Neuanfang für politisch korrekt hält, “Mannschaftsmitglieder und Betreuer auf Stasi-Kontakte prüfen zu lassen” – uns wäre dies im Morgenschein der Einheit undenkbar, unvorstellbar und absolut verrückt vorgekommen. Das ist es auch noch heute.

Seit der Wende ist fast eine Generation vergangen. In unserem Rechtsstaat verjähren in dieser Zeit selbst schwerste Straftaten [...]. Es ist ein Ausdruck höchster Solidarität, sich von den Fehlern der Vergangenheit betroffen zu fühlen. Aber Betroffensein und aktives Bewältigen ist etwas anderes, als “wir” zu sagen und anderen an die Brust zu schlagen oder ins Gesicht.

Eine Maßnahme, die wie gehabt nur getroffen wird, damit die Institution NOK gut da steht (über deren diverse Vergangenheiten auch einiges zu sagen wäre), hat kein ehrliches Bewältigungsziel, sondern einen unguten Zweck. Was hier so offensichtlich propagandistisch geschieht, ist abstoßend.

Volle Zustimmung. Abstoßend ist im übrigen nicht nur das Verhalten des NOK, sondern auch, wie sich die Fernsehnachrichten auf das Thema gestürzt haben. Aber daß auch die Tagesschau längst keine seriöse Informationsquelle mehr ist, ist ja nichts Neues. Von irgendwelchen reißerischen “Polit-Magazinen” ganz zu schweigen …

One thought on “Ingo Steuer

  1. Peter Gauweilers Wort zur Sache “Ingo Steuer” ist wie ein Aufschrei gegen die ungeheurliche, das gesellschaftliche Leben vergiftende Stasihysterie. Ingo Steuer hat als junger Mann getan, was er unter den damaligen Gegebenheiten für richtig hielt. Katarina Witt sagte ganz simpel: sollen sich doch jene melden, denen er geschadet hat. Es hat sich niemand gemeldet. Man kann also über I.S. moralisieren, aber ihn öffentlich an den Pranger stellen, ihm die Existenz streitig machen – das ist amoralisch, verwerflich. Die Birthlerbehörde mit ihren politischen Ambitionen ist ein Unding. Leider haben erst die Medien ein richtiges Schlachtfest daraus gemacht. Man bedenke wie glimpflich die NS-Verbrecher behandelt wurden und werden. Ihr Geist steckt weiterhin in der BRD.

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