Vogelgrippe

Gestern bin ich aus Taiwan kommend am Frankfurter Flughafen in das Bundesgebiet eingereist. Noch im Flugzeug kam dann eine deutschsprachige Ansage (offensichtlich also von Fraport-Personal), daß die Gepäckausgabe nicht an dem sonst für den Gate-Bereich zuständigen Band ist, wegen Vogelgrippe. Im Flughafen wurden wir dann von ausreichend Personal zur richtigen Gepäckausgabe gelotst.

Dort dann der Schock: Eine Schlange einmal quer durch die Halle, vermutlich vom vorhergehenden Flug. Als wir (= ich und die Leute, die ich im Hotel in Taipeh kennengelernt habe) uns dann angestellt haben (schon bevor wir alles Gepäck hatten), ging die Schlange einmal an der Längsseite der Halle lang, dann an der kurzen Seite, an der anderen Längsseite entlang und wieder zurück bis zur Mitte dieser Seite.

Sehr aufmunternd auch die Auskunft des Bundespolizisten: Nach den Erfahrungen der letzten Tage ca. drei Stunden Wartezeit. Naja, wenn man nicht alleine wartet, vergeht die Zeit ja recht schnell. Lustig war auch der Fraport-Angestellte, der mit dem Fahrrad durch die Halle fuhr. IMO erste Anzeichen einer durch Vögel übertragenen Nervenkrankheit.

Bis wir dann an der Kontrolle waren, hat es dann nur ca. eineinhalb Stunden gedauert. Ca. 10 m vor der Kontrolle ging dann auch endlich mal ein Informationsblatt (PDF). Hallo? Ich bin aus keinem dieser Länder eingereist, was wollten die überhaupt von mir? Und warum wollten die wissen, ob ich sonstiges Fleisch habe? Das Import-Verbot gilt nur für Geflügelfleisch. Die Einfuhr von Schweineleberwurst oder getrocknetem Känguruhfleisch hätte mir also keiner verbieten können. Naja, Hauptsache irgendjemand (zum Beispiel der hessische Staatsminister für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz) kann sich wichtig machen …

Organisiert war das ganze natürlich auch überhaupt nicht. Das fängt damit an, daß man in der Gepäckausgabehalle nichts kaufen kann, keine Speisen und Getränke, keine Zeitungen nichts. Weiter geht es damit, daß Fraport offenbar nicht in der Lage ist, mit Absperrbändern eine Warteschlange zu markieren. Insgesamt war natürlich viel zu wenig Personal da. OK, mehr als afair vier Schalter/Tische gibt es eh nicht, und mehr passen in den Durchgang eh nicht. Aber es spräche ja nichts dagegen den Durchgang 10 m weiter nach hinten an das Ende der Halle zu verlagern. Da hätte man dann zehn oder mehr Leute gleichzeitig abfertigen können. Das Equipment ist auch etwas dürftig, um nicht zu sagen, nicht vorhanden. Hallo, Frau Künast, oder wer auch immer dafür vorher zuständig war? Sie wußten seit mindestens zwei Jahren, daß eine Tier- und Pflanzenprodukte-Quarantäne möglicherweise einmal sehr kurzfristig notwendig wird. Ist es da so abwegig, sich beim Australian Quarantine Inspection Service (wohl die sorgfältigste Quarantäne der Welt) mal zu erkundigen wie man das macht und dann die entsprechenen Röntgengeräte anzuschaffen und das Personal zur Schulung zu schicken? Stattdessen werden einem dann absolut sinnlose Fragen gestellt, die über den räumlichen (also in Bezug auf die Ursprungsländer) und sachlichen (also in Bezug auf die Produkte) Umfang des Einfuhrverbots weit hinausgehen (“Haben Sie sonst irgendwelche Lebensmittel?” – Hallo? Was geht euch das an?), gestellt, und letztendlich wird man dann doch durchgewunken, ohne daß man das Gepäck einmal öffnen mußte.

Naja, drei Stunden nach Landung war ich dann “schon” am Bahnhof, ICE um 9:54 nach Karlsruhe, um halb zwölf zu Hause gewesen.

Wie heißt es doch so schön: May you live in interesting times.

UPDATE: Es gibt offenbar doch sehr strenge Einfuhrbeschränkungen für Milch und Fleisch.

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