Bologna

Dieses Wochenende waren wir in Bologna. Los ging es mal wieder zur nächlichen Zeit von sieben Uhr morgens.

Die Autogrill-Raststätte war tierisch überfüllt, anscheinend heftigster Reiseverkehr. Wer denkt sich bitte aus, daß man seine Sachen erst an der Kasse bezahlen muß und dann an der Theke mit dem Kassenbon abholt? Bis dahin hab ich doch schon wieder vergessen, wie das Zeugs heißt, das ich haben will.

Schild: BITTE DEN SCHEIN AN DER KASSE ABHOLEN

Und mit so einem Schild wird das Verfahren nicht wirklich unmittelbar einsichtig …

Nachdem wir unsere Sachen in der Jugendherberge abgelegt hatten, kamen wir gegen zwölf Uhr mittags das erste Mal in der Innenstadt an. Zuerst ging es in einen Park gegenüber vom Bahnhof Bologna Centrale, in dem am Samstag Markt war. Neben einem Che-T-Shirt (*grmpfl*, der Händler hat mir ein anderes T-Shirt gegeben, als aushing. Ich wollte eins mit schwarzem Gesicht von Che auf Rot, mit Hasta la victoria siempre darunter. Und jetzt steht der Text in seltsamer Schriftart auf der Rückseite, mit dreifachem Ausrufezeichen. So ein Schrott …) habe ich noch Amletto von Shakespeare in Italienisch und Englisch (parallel auf den gegenüberliegenden Seiten) und zwei Disney-Comics bekommen. Hat sich also gelohnt.

Zum Mittagessen gab es dann an einem Imbißwagen auf dem Markt typische bolognesische belegte Brote (Name ist mir temporär entfallen), die recht dünn aussahen, aber äußerst sättigend waren.

Danach ging es in die Altstadt. Was an Bologna sehr schön ist: Die Straßen sind sehr breit, mit großen Steinplatten als Straßenbelag, und größtenteils rechtwinklig. Berühmt sind die vielen Bogengänge, laut Flyer aus der JH 4,2 km.

Wir kamen dabei am Neptun-Brunnen vorbei (man bemerkt, daß ein Fontäne fehlt …).

Neptun-Brunnen

Den Domplatz erreichten wir dann pünktlich kurz vor der Öffnung der Basilika San Petronio nach der Mittagspause (sollten katholische Kirchen nicht eigentlich immer zugänglich sein? Naja, was da an Touri-Gesocks teilweise rumläuft …)

Domplatz

Von innen ist diese Kirche wirklich beeindruckend … Von der Gestaltung her sehr schlicht, roter Stein und keine Deckenfresken. Beeindrucken tut sie vor allem durch die schiere Größe, wohl eine der größten Kirchen der Welt.

In einer der Seitenkapellen ist übrigens ein Bild, daß den Propheten Mohammed in der Hölle zeigt und wohl für einige Verstimmung bei den Muslimen gesorgt hat.

In der Jugendherberge haben wir dann eingecheckt (dabei hat Lydia mit ihrem Verhandlungsgeschick erreicht, daß wir erst um 0:30 zurück sein mußten), uns geduscht (ein Glück, daß ich meine Badelatschen dabei hatte) und umgezogen und sind um sieben wieder in die Stadt gefahren.

Nein, es ist keine gute Idee, hinter dem Dom einen aperitivo trinken zu wollen. Allerdings habe ich nicht wirklich ein Problem damit, wieder aufzustehen und zu gehen, insbesondere, wenn das Restaurant so unverschämt ist, keine Karte auszuhängen, was anscheinend auch in Italien vorgeschrieben ist. Sieben Euro für einen Spritz ist dann doch etwas überteuert.

In der Via Pratello (hauptsächlich von Studenten frequentiert) waren wir dann in einer Bar (Capitan Achab, Via Pratello 96/A), wo es ihn für zwei Euro gab.

Danach waren wir dann noch in einer Kneipe (Birreria del Pratello, Via del Pratello 24), wo es Franziskaner Bier, das Maß für sechs Euro gab. Essen gab es auch, das war zwar günstig, aber jetzt nicht der kulinarische Höhepunkt. Eigentlich schade, wird Bologna doch la grassa (die Fette) genannt und als Essenshauptstadt Italiens angesehen. Die Straße war sehr belebt, ständig fuhren Mofas vorbei, und irgendwann lief ein Gruppe junger Leute vorbei, eine Minute später gefolgt von einem Polizeiauto.

Um 0:30 waren wir tatsächlich wieder in der JH und saßen erstmal eine gute Stunde rum. Von nicht weit weg war Musik zu hören, einige Leute gingen dem dann auf den Grund. Rübermachen über den Zaun war gar nicht nötig, das Tor ließ sich von innen und außen öffnen, und die Eingangstür wurde mit einem Mülleimer offengehalten.

Das ganze war dann eine Tanzveranstaltung für ältere Leute, wir mußten nichtmal eintritt bezahlen, weil die wohl eh bald vorbei sein sollte (“A qual’ora la festa finisce? Alle tre, Alle quattro?” Antwort: Nein, ist gleich zuende). Die Band war dann wirklich begeistert von so viel Publikum, und Schluß war dann letztendlich gegen vier …

Immerhin waren dann die Betten kein Problem, der Schlaf war kurz aber einigermaßen tief.

Vor zehn war dann schon wieder Abfahrt in die Stadt, nochmal fünf Stunden Bologna. In der Altstadt war Marathon (auf Steinboden? Das muß ja schlimmer als Asphalt sein …). Überall stand Polizei rum, aber was das Militär da zu suchen hatte (und was für eine Einheit das genau war), ist mir noch nicht klar.

Unterwelt von Bologna ging unangemeldet nicht mehr (“Nur mit festen Schuhen und langen Hosen, wegen der Ratten. Unangemeldet? Restplätze? Das geht ja schonmal gar nicht …”), aber der Turm und die Kirche San Stefano waren auch sehr schön. Vom Turm hatte man übrigens einen sehr schönen Ausblick auf die Dächer der Stadt (Bologna la rossa, nicht nur wegen der vorherrschenden politischen Haltung).

Auf dem Weg zu San Stefano kamen wir dann an der Gelateria Gianni vorbei, der Geheimtip für Eis schlechthin in Bologna und überhaupt. Der Besitzer ist Eisherstellungsweltmeister, und es gibt echt die außergewöhnlichsten Sorten. Ich hatte (beim ersten Mal :-) ) Paradiso, Inferno (ja, in einer Waffel :-) ), Stracciatella (mit Crema, also gelb) und Pampelmo Rosa. Bei unserem ersten Besuch dort waren übrigens alle Eisbehälter noch jungfräulich, ein herrlicher Anblick.

Die zweite Kirche war natürlich (um ein Uhr mittags geschlossen) … Und von den Museen haben viele sonntags auch nur vormittags oder gar nicht auf.

Also nochmal Eis bei Gianni. Diesmal war dann dort deutlich mehr los, und manche Sorten schon zu einem Drittel leer.

Um 15 Uhr erreichten wir dann pünktlich dann Bus. Ich weiß immer noch nicht, ob wir ohne Pause durchgefahren sind oder ich die Pause verschlafen habe …

Jedenfalls ein absolut geniales Wochenende!

One thought on “Bologna

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