Spieglein, Spieglein hier im Land …

Am Montag berichtete der Spiegel auf Seite 60 über Sonderschullehrer Büsing und seinen Kampf gegen ein Fugen-s in der Präambel des Grundgesetzes.

Formulierungen wie

Der Sorgfalt des Pädagogen ist es zu verdanken, dass nun auch ein Text von allgemeinerem Interesse korrigiert werden muss:

die einseitig Partei beziehen, beweisen wieder einmal die hohe journalistische Qualität dieses Blattes. Eigene Recherche hat der Spiegel übrigens nicht betrieben, auch ein gründliches fact checking hielt man nicht für nötig, wie man an folgendem Beispiel erkennen kann:

ein eifriger Ministerialbeamter hatte gar herausgefunden, dass “der Parlamentarische Rat, vergleiche Stenobericht, Seite 238 (Schlussabstimmung) der 10. Sitzung des Plenums” am 8. Mai 1949, die – korrekte – Formulierung “verfassunggebend” gewählt habe. Erst bei der Verkündung wenige Tage später sei, warum auch immer, das falsche “s” dazugekommen.

Dieser Teilsatz kommt vordergründig als Zitat des BMI daher, auf subtilere Weise erweckt er den Eindruck, die Formulierung “verfassungsgebend” sei falsch, und verkennt, daß das – beabsichtigte – “s” bei der Verkündung wieder aufgetaucht war.

So sind die Tatsachenbehauptungen in dem Artikel zwar nicht falsch (die zitierten Quellen haben es ja tatsächlich so gesagt oder geschrieben), insgesamt entsteht aber ein vollkommen falsches Bild.

Sehr interessant ist bei der Gelegenheit auch, was die Wikipedia so über den Spiegel zu sagen hat:

1956/57, rund zehn Jahre nach der Gründung des Spiegel, verfaßte Hans Magnus Enzensberger seine Analyse Die Sprache des Spiegel, in der er eine Reihe von Thesen aufstellte: Die Sprache des Spiegel verdunkele, wovon sie spreche, das deutsche Nachrichtenmagazin sei keins, der Spiegel übe nicht Kritik, sondern deren Surrogat, der Leser des Spiegel werde nicht orientiert, sondern desorientiert, und der Spiegel sei unentbehrlich, solange es in der Bundesrepublik kein kritisches Organ gebe, das ihn ersetzen könne. Diese kritische Einstellung revidiert Enzensberger auch nach der Spiegel-Affäre nicht; er sieht das Magazin weiterhin als latentes Gefahrenpotential für die deutsche Demokratie.

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