Nein, es geht nicht um Personen, sondern um das 338. GEW-Seminar (mit Bindestrich, jedenfalls nach meinem Sprachverständnis) für Studierende mit dem Thema “Geld ist nicht alles! Tarifvertragliche Regelungen für Studentische Beschäftigte”, an dem ich am Wochenende teilgenommen habe. Es handelt sich dabei sozusagen um ein Arbeitsseminar der Bundesweiten Tarifvertragsinitiative der Studentischen Beschäftigten (kurz: Tarifini).
Los ging es erstmal mit der Bahnfahrt und ansonsten offziell um 15:00 im Erbacher Hof, Akademie und Bildungszentrum des Bistums Mainz. Kirche und Gewerkschaft, wie paßt denn das zusammen, fragt man sich da vielleicht. Aber wir mußten weder vor dem Essen beten (das hat auch von den Frauen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands keine getan, jedenfalls nicht wahrnehmbar), noch wurden wir heute um 6:30 zur Messe geweckt.
Das Zimmer, das ich mir mit Daniel teilte, war riesig (insofern war auch die Bezeichnung als Appartment gerechtfertigt). Fotos zu machen, habe ich leider doch vergessen … Einziges Manko ist, daß es auf den Zimmern keine Seife (weder in einem Spender noch die aus Hotels bekannten kleinen Stücke) gibt. Muß man sich vielleicht nicht die Hände waschen, wenn man im Zimmer auf Toilette war? Duschgel ist da irgendwie ziemlich unpraktisch …
Um 15:30 sollte es eigentlich losgehen, aber gegen 16 Uhr zeichnete sich ab, daß ein Teil der Teilnehmer noch eine Weile brauchen würde. Also wurde der Beginn auf 17 Uhr verlegt und ein Teil der schon Anwesenden schaute sich den Mainzer Dom an. Als wir schließlich noch auf dem Platz vor dem Theater [wie heißt der? -> Stadtplan] standen, kam es zu einer intensiven Diskussion mit einer der dort Unterschriften sammelnden IG-Metall-Aktiven. So ganz konnte ich ihren Argumenten (und der Änderung ihrer Position während des Gespräches) nicht folgen, irgendwie war sie aber der Ansicht, daß die Kollegen in Rüsselsheim etwas schräg drauf sind und der wilde Streik dort illegal ist (das war jedenfalls der Stand bei ca. zwei Dritteln des Gespräches).
Als wir dort so standen, stieß auch Daniel zu uns. So bekam ich auch die Bestätigung, daß die Wegbeschreibung zum Erbacher Hof ziemlich konfus war. Ich hatte mich an den genannten Bushaltestellen (Höfchen oder Fischtor) orientiert. Diese waren im Verlauf der von mir benutzten Buslinie beide enthalten, so daß ich mir dachte, wenn ich bei Höfchen aussteige und dem Verlauf der Buslinie folge, wird es schon irgendwo sein. Falsch gedacht, es war genau in die andere Richtung, was ich erst beim nächsten Stadtplan nach 400 Metern bemerkte. Falls jemand mal zum Erbacher Hof muß: Höfchen aussteigen, nach Süden laufen, rechts am Dom vorbei, Grebenstraße links rein, vorbei zum Beispiel an der wissenschaftlichen Bibliothek des Priesterseminars.
Um 17 Uhr c. t. ging es dann endlich los. Erster TOP waren Berichte, die von einer teilweise recht chaotischen, aber doch ergiebigen Diskussion durchmischt wurden.
Danach gab es erstmal Abendessen. Sehr lecker, sehr viel (wie man es von Tagungsstätten kennt …)
Mit vollem Magen ging es dann weiter, erstmal mit noch mehr “Berichten”, dann mit dem gemeinsamen Lesen des bisherigen Strategiepapiers, und schließlich mit dem ersten Teil des Vortrags über die wichtigsten Regelungen des alten und des aktuell verhandelten BAT.
In einer Pause erzählte mir Daniel noch eine nette Anekdote: Als er im Frühjahr ein Treffen mit dem Leiter der ver.di-Betriebsgruppe an der Uni Karlsruhe (Klammer auf, TH, Klammer zu – so viel Zeit muß sein) hatte, erzählt dieser ihm, daß ver.di ja jetzt auch ein neues Mitglied an der Uni habe – ob er einen Jens Müller kenne?
Beim gemütlichen Teil des Abends gab es Schwarzbier bei Dr. Flotte.
Nach einer viel zu kurzen Nacht stand ich dann viel zu früh auf. Naja, endlich mal Zeit, die Zeitung vom Freitag zu lesen … Nebenbei entdeckte ich den Gruppenraum der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, in dem diverse leere Weinflaschen standen. Schnapsdrosseln! Um 8 Uhr war ich erstmal sehr verwundert, daß ich und Daniel die ersten beim Frühstück sein sollten. Und wieso stehen auf unserem Tisch tiefe Teller? Des Rätsels Lösung: Die anderen saßen schon im Raum nebenan, die Tischverteilung wechselt mit jeder Mahlzeit.
Weiter ging es mit den Informationen zum BAT. Das Mittagessen im Gewölbekeller (!) war übrigens im Vergleich zu den bisherigen Mahlzeiten recht spartanisch: Nahezu gar nicht zerkleinerter Salat (also ganze Salatblätter und ganze Büschel Feldsalat), Geschnetzeltes mit Nudeln und irgendein Pudding.
Am Nachmittag wurde in Arbeitsgruppen eine Position erarbeitet und dann am restlichen Nachmittag, am Abend und am nächsten Morgen diskutiert. Ergebnis: Agree to disagree.
Am Abend wurde dann Köstritzer mit Strohhalmen aus einem Pinscher getrunken. Über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten, auch nicht über den guten.
Am nächsten Morgen ging es dann pünktlich um 9 Uhr los – also wieder viel zu wenig Schlaf. Kurz angeschnitten wurden dann noch Aktion am 2.12. und Überarbeitung der Broschüre, die Ausarbeitung von Qualifikationsmerkmalen studentischer Beschäftigter viel dann doch hinten runter.
Trotzdem war es alles in allem ein sehr produktives Seminar, weil die Positionen jetzt endlich klar formuliert auf dem Tisch liegen. Außerdem bin ich, der vorher erst bei einem Tarifini-Treffen war, jetzt hoffentlich ziemlich auf dem Laufenden.