Junge christliche Liberale

Gerade habe ich eine Pressemitteilung der Jungen Liberalen Baden-Württemberg gefunden.

Darin fordern sie die Abschaffung des Tags der Arbeit, stattdessen sollten die Leute lieber arbeiten gehen.

Der 1. Mai ist traditionell der Tag der Arbeit. Bei einem desolaten Wirtschaftswachstum und mehr als 4,5 Millionen Arbeitslosen ist das Festhalten am Tag der Arbeit jedoch ein Witz.

Florian Toncar, Landesvorsitzender der Julis: „Wir fordern die Abschaffung des Tags der Arbeit! Das Wirtschaftswachstum in Deutschland kann nur steigen, wenn auch wirklich gearbeitet wird.“

Die Mutterpartei wollte am folgenden Tag einen Tag für Arbeit begehen, doch das reicht den Jungen Neoliberalen nicht. Stattdessen fordert man die Abschaffung dieses Tages und betätigt sich vermutlich ungewollt als Fünfte Kolonne der christlich-fundamentalistischen Kräfte in der Landesregierung:

Ein Festhalten am Tag der Arbeit hat in der heutigen Zeit keinen Wert. Das Zeichen, dass die FDP BW am morgigen 1. Mai mit einer Großveranstaltung in Stuttgart und der Umbenennung in einen Tag für Arbeit setzt, ist zwar ein richtiger Schritt, reicht nach Ansicht der Julis aber nicht aus. Außerdem gibt es keinen religiösen Hintergrund um am 1. Mai als Feiertag festzuhalten.

Welchen Wert hat denn bitte das Festhalten an religiösen Feiertagen? Auch dort wird nicht gearbeitet, und die besondere Aufmerksamkeit, die dem fehlenden religiösen Hintergrund zuteil wird, finde ich für die FDP doch etwas merkwürdig. Der 1. Mai als Aktionstag der Arbeiterbewegung hat in der Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik, hinter der hoffentlich auch die Jungen Liberalen stehen, jedenfalls eine größere Bedeutung als beispielsweise Allerheiligen.

Außerdem verlangt von Gewerkschaftsseite niemand das Verbot von Tanzveranstaltungen vor dem 1. Mai, wie dies von kirchlicher Seite aus für religiöse Feiertage auch weiterhin gefordert wird – im übrigen durchaus zum Schaden der von den Liberalen so umsorgten Wirtschaft.

Vielleicht finden sie es politisch weniger gefährlich (für sich), wenn die Arbeitnehmer brav in die Kirche gehen?

Grüne Einhörner

In dang wird gerade die verfassungkonforme Gestaltung von de.soc.weltanschauung.* diskutiert.

In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, ob es grüne Einhörner gibt, und Henning Schlottmann nannte zwei vermutlich sehr lesenswerte Quellen:

Wo wir schon in dang beim Thema Einhörner sind, mchte ich euch die
wunderbare Fabel von James Thruber “The Unicorn in the Garden” nicht
vorenthalten: http://www.brembs.net/metabiology/unicorn.html (nur eine
halbe Seite lang).

Und es gibt eine tolle, illustrierte Doktorarbeit über das Einhorn in
der mittelalterlichen Ikonographie und Vorstellungswelt von Bruno
Faidutti. Die Arbeit ist in französischer Sprache und die Bilder
bedeuten eine größere Datenmenge, also bitte Vorsicht für Modemuser:
http://faidutti.free.fr/licornes/these/these.html

Kampf den Rechtsverdrehern

Ein Mit-Wikipedianer wurde von einer dubiosen Kanzlei Waldorf abgemahnt, weil in einem von ihm betreuten Forum mal irgendwann ein Link auf eine Website gesetzt wurde, auf der nun irgendwo gut versteckt ein Link auf irgendetwas Illegales ist.

Er überlegt nun, klein beizugeben, weil er das Prozeßrisiko nicht stemmen kann. Kann das denn angehen? Nein, finde ich. Wenn 100 Leute für je 50 Prozeßkosten im unwahrscheinlichen Fall einer Niederlage bürgen, können wir schon viel erreichen. Mal sehen, was die Diskussion ergibt.

Bis dahin kann ich nur sagen: Kauft nicht bei BMG Records, Edel Records, EMI Music, Sony Music Entertainment, Universal Music und Warner Music Group!

Lecker Matjes

Gerade ein Brötchen mit Zwiebeln, Tomate und Matjes von Penny gegessen. Den hatte ich mir Anfang der Woche gekauft, und schon Angst, daß er so wie der von Aldi sein könnte, also viel zu große Filets mit Grätenresten. Aber das Filet hatte genau die richtige Größe für ein Brötchen und war superzart und zudem grätenfrei.

Das spart damit ordentlich Geld – bei Nordsee kostet ein Matjesbrötchen (“-baguette”) immerhin 1,95 €.

2-Euro-Döner

Jetzt gibt es ihn, als Einführungsangebot bei der Orient-Oase (ehemals Fritte) auch in Karlsruhe: Den 2-Euro-Döner.

Die Qualität läßt leider arg zu wünschen übrig. Erstmal ging es damit los, daß es keinen Döner im Fladenbrot, sondern nur Yufka gab. Den einen Cent Rückgeld gab es auch nicht (Preis laut Plakat: 1,99 Euro), und die Salatportion im Yufka war äußerst dürftig.

Berücksichtigen muß man dabei allerdings, daß andere in Karlsruhe dieselbe Qualität für 3,50 Euro verkaufen, was er hier nach der Einführungszeit auch kosten soll.

Ob es vielleicht Sinn macht, das Bundeskartellamt auf die Dönermeilen-Connection zu hetzen?

Schön, aber anstrengend

Nein, es geht nicht um Personen, sondern um das 338. GEW-Seminar (mit Bindestrich, jedenfalls nach meinem Sprachverständnis) für Studierende mit dem Thema “Geld ist nicht alles! Tarifvertragliche Regelungen für Studentische Beschäftigte”, an dem ich am Wochenende teilgenommen habe. Es handelt sich dabei sozusagen um ein Arbeitsseminar der Bundesweiten Tarifvertragsinitiative der Studentischen Beschäftigten (kurz: Tarifini).

Los ging es erstmal mit der Bahnfahrt und ansonsten offziell um 15:00 im Erbacher Hof, Akademie und Bildungszentrum des Bistums Mainz. Kirche und Gewerkschaft, wie paßt denn das zusammen, fragt man sich da vielleicht. Aber wir mußten weder vor dem Essen beten (das hat auch von den Frauen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands keine getan, jedenfalls nicht wahrnehmbar), noch wurden wir heute um 6:30 zur Messe geweckt.

Das Zimmer, das ich mir mit Daniel teilte, war riesig (insofern war auch die Bezeichnung als Appartment gerechtfertigt). Fotos zu machen, habe ich leider doch vergessen … Einziges Manko ist, daß es auf den Zimmern keine Seife (weder in einem Spender noch die aus Hotels bekannten kleinen Stücke) gibt. Muß man sich vielleicht nicht die Hände waschen, wenn man im Zimmer auf Toilette war? Duschgel ist da irgendwie ziemlich unpraktisch …

Um 15:30 sollte es eigentlich losgehen, aber gegen 16 Uhr zeichnete sich ab, daß ein Teil der Teilnehmer noch eine Weile brauchen würde. Also wurde der Beginn auf 17 Uhr verlegt und ein Teil der schon Anwesenden schaute sich den Mainzer Dom an. Als wir schließlich noch auf dem Platz vor dem Theater [wie heißt der? -> Stadtplan] standen, kam es zu einer intensiven Diskussion mit einer der dort Unterschriften sammelnden IG-Metall-Aktiven. So ganz konnte ich ihren Argumenten (und der Änderung ihrer Position während des Gespräches) nicht folgen, irgendwie war sie aber der Ansicht, daß die Kollegen in Rüsselsheim etwas schräg drauf sind und der wilde Streik dort illegal ist (das war jedenfalls der Stand bei ca. zwei Dritteln des Gespräches).

Als wir dort so standen, stieß auch Daniel zu uns. So bekam ich auch die Bestätigung, daß die Wegbeschreibung zum Erbacher Hof ziemlich konfus war. Ich hatte mich an den genannten Bushaltestellen (Höfchen oder Fischtor) orientiert. Diese waren im Verlauf der von mir benutzten Buslinie beide enthalten, so daß ich mir dachte, wenn ich bei Höfchen aussteige und dem Verlauf der Buslinie folge, wird es schon irgendwo sein. Falsch gedacht, es war genau in die andere Richtung, was ich erst beim nächsten Stadtplan nach 400 Metern bemerkte. Falls jemand mal zum Erbacher Hof muß: Höfchen aussteigen, nach Süden laufen, rechts am Dom vorbei, Grebenstraße links rein, vorbei zum Beispiel an der wissenschaftlichen Bibliothek des Priesterseminars.

Um 17 Uhr c. t. ging es dann endlich los. Erster TOP waren Berichte, die von einer teilweise recht chaotischen, aber doch ergiebigen Diskussion durchmischt wurden.

Danach gab es erstmal Abendessen. Sehr lecker, sehr viel (wie man es von Tagungsstätten kennt …)

Mit vollem Magen ging es dann weiter, erstmal mit noch mehr “Berichten”, dann mit dem gemeinsamen Lesen des bisherigen Strategiepapiers, und schließlich mit dem ersten Teil des Vortrags über die wichtigsten Regelungen des alten und des aktuell verhandelten BAT.

In einer Pause erzählte mir Daniel noch eine nette Anekdote: Als er im Frühjahr ein Treffen mit dem Leiter der ver.di-Betriebsgruppe an der Uni Karlsruhe (Klammer auf, TH, Klammer zu – so viel Zeit muß sein) hatte, erzählt dieser ihm, daß ver.di ja jetzt auch ein neues Mitglied an der Uni habe – ob er einen Jens Müller kenne?

Beim gemütlichen Teil des Abends gab es Schwarzbier bei Dr. Flotte.

Nach einer viel zu kurzen Nacht stand ich dann viel zu früh auf. Naja, endlich mal Zeit, die Zeitung vom Freitag zu lesen … Nebenbei entdeckte ich den Gruppenraum der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, in dem diverse leere Weinflaschen standen. Schnapsdrosseln! Um 8 Uhr war ich erstmal sehr verwundert, daß ich und Daniel die ersten beim Frühstück sein sollten. Und wieso stehen auf unserem Tisch tiefe Teller? Des Rätsels Lösung: Die anderen saßen schon im Raum nebenan, die Tischverteilung wechselt mit jeder Mahlzeit.

Weiter ging es mit den Informationen zum BAT. Das Mittagessen im Gewölbekeller (!) war übrigens im Vergleich zu den bisherigen Mahlzeiten recht spartanisch: Nahezu gar nicht zerkleinerter Salat (also ganze Salatblätter und ganze Büschel Feldsalat), Geschnetzeltes mit Nudeln und irgendein Pudding.

Am Nachmittag wurde in Arbeitsgruppen eine Position erarbeitet und dann am restlichen Nachmittag, am Abend und am nächsten Morgen diskutiert. Ergebnis: Agree to disagree.

Am Abend wurde dann Köstritzer mit Strohhalmen aus einem Pinscher getrunken. Über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten, auch nicht über den guten.

Am nächsten Morgen ging es dann pünktlich um 9 Uhr los – also wieder viel zu wenig Schlaf. Kurz angeschnitten wurden dann noch Aktion am 2.12. und Überarbeitung der Broschüre, die Ausarbeitung von Qualifikationsmerkmalen studentischer Beschäftigter viel dann doch hinten runter.

Trotzdem war es alles in allem ein sehr produktives Seminar, weil die Positionen jetzt endlich klar formuliert auf dem Tisch liegen. Außerdem bin ich, der vorher erst bei einem Tarifini-Treffen war, jetzt hoffentlich ziemlich auf dem Laufenden.

Traumberuf Lokomotivführer

Auf der Rückfahrt von Mainz saß ich heute von Mannheim bis Karlsruhe im Steuerwagen eines ICE3 (Wagen 21, Platz 14). Der Triebfahrzeugführer hatte anfangs die Tür offen, so daß ich sogar noch tiefergehende Einblicke in den Bahnbetrieb bekam.

Kurz vor der Abfahrt sagte eine Computerstimme “Türverriegelung aktiv”. Nachdem der Zug dann einige Meter gefahren war (also direkt hinter dem Bahnsteig) hieß es dann zweimal nacheinander (wegen der Aufmerksamkeit bzw. Wahrnehmung) “Zugbeeinflussung”. Danach guckte der Tf nur noch ab und zu auf irgendwelche Anzeigen und wirkte reichlich entspannt. Zum Beispiel lehnte er sich mit den Händen im Nacken gemütlich zurück.

Lokomotivführer scheint heutzutage wirklich ein Traumberuf zu sein.

Außerdem möchte ich dann noch von den Bahnpannen am Freitag erzählen. Der ICE von Karlsruhe nach Mannheim war durchaus pünktlich. Allerdings geruhte man erst fünf Minuten vor Abfahrt, durchzusagen, daß der vordere Halbzug(!) in umgekehrter Wagenreihung verkehrt. Dabei wurde natürlich vorausgesetzt, daß der Durchschnittsreisende dieses Technokratengefasel versteht. Außerdem standen die meisten Leute zu dem Zeitpunkt schon im eigentlich korrekten Abschnitt. Liebe Bahn, ist es so schwierig, diese Änderung ein wenig früher mitzuteilen? Der Halbzug wird sich ja nicht erst auf der Höhe von Rastatt spontan umgedreht haben. Dann wäre auch Zeit gewesen (ansonsten aber auch), zu der umgekehrten Wagenreihenfolge weitere Informationen zu geben, also welche Wagennummer nun in Abschnitt A zu stehen kommt und welche in der Bahnsteigmitte.

Beim Umsteigen in Mannheim folgte der nächste Schildbürgerstreich: Im Zug wurde für den Anschluß noch der fahrplanmäßige Gleis 8 angesagt. Dort angekommen wurden die Reisenden für den ICE nach Dortmund über tralala dann drauf aufmerksam gemacht, daß dieser heute von Gleis 2 (afair) fährt, weil Gleis 8 für einen verspäteten IC verplant war. Ja, weiß man sowas nicht auch vorher? Und selbst, wenn man es in den Zug nicht übermitteln kann (so daß es dort noch angesagt werden kann): Kann nicht die erste Ansage am Bahnsteig sein: “Willkommen in Mannheim! Eine wichtige Ansage für alle Reisenden, die mit dem ICE xyz nach Dortmund über [...] weiterreisen: Dieser Zug verkehrt heute abweichend vom Fahrplan nicht von Gleis 8, sondern von Gleis 2.” So langfristig (10 Minuten vor planmäßiger Abfahrtszeit) dürfte diese Information ja dann doch vorliegen.

Ansonsten sollte sich die Bahn vielleicht Gedanken darüber machen, ob sie in Mannheim den Taktknoten zur halben Stunde wirklich so vollknallen muß, daß jede kleine Verspätung sofort zu Gleisänderungen einschließlich Folgeumschichtungen führt.

So, den Text kann ich jetzt eigentlich exakt so an den Kundendialog schicken …

Sport ist Mord!

Nachdem ich im Sommer WIMRE ein einziges Mal Joggen war, habe ich dieses Semester mit Volleyball angefangen.

Gestern war das erste Mal Training, und jetzt schlägt der Muskelkater voll an.

Sowas kommt halt dabei raus, wenn ein Informatiker Sport treibt …

O-Phase im Rückblick

Gestern nachmittag klang die O-Phase gemütlich bei Bluff im Z10 aus.

Daß zum Ende hin die Ersties wegbröckelten, bedeutet hoffentlich, daß wir ein hinreichend umfangreiches Programm hatten.

Insgesamt läßt sich jedenfalls festhalten: Schön war’s! Ich habe in dieser Woche wirklich einige sehr interessante Leute kennengelernt, und für alle in der Gruppe gilt, daß ich gerne mit ihnen in Kontakt bleiben werde.

Bleibt mir nur, unseren und allen Ersties einen erfolgreichen Studienanfang zu wünschen. Alles Gute!

Wenn man nichts zu sagen hat …

… einfach mal die Fresse halten!

Heute schreibt die Süddeutsche auf der Meinungsseite:

Was aber verleitet westliche Staatsmänner, Diktatoren Persilscheine auszustellen, statt einfach bei Sachfragen zu bleiben? Was nützt es, Menschenrechtsbekenntnisse zu stammeln, um dann zur Tagesordnung überzugehen? Solch peinliche Pflichtübungen sind die Folge eines falsch verstandenen missionarischen Auftrags für die Demokratie. Dass dies wenig bringt, hat gerade Frankreichs Präsident Jacques Chirac erfahren. Er kehrte aus Peking mit magerer Auftragsernte heim, während Chinas bei weitem wichtigste Lieferanten Japan und Taiwan bleiben, trotz aller politischen Differenzen.

Oder rettete es das ruinierte Ansehen der Amerikaner in der islamischen Welt, wenn George Bush notorischen Ein-Parteien-Regimen Nordafrikas beträchtliche Fortschritte bei der Demokratisierung bestätigt? Die Völker, die es besser wissen, werden hinfort noch mehr als Farce empfinden, was ihnen als Marschroute zu Freiheit und Wohlstand gepriesen wird. Und wenn der deutsche Bundeskanzler erklärt, er habe an den Wahlen in Tschetschenien nichts auszusetzen, dann hat er eine fabelhafte Gelegenheit zum Schweigen verpasst.

Alles einwandfrei seit 1822?

Seit über vier Jahren habe ich schon mein Konto bei der 1822direkt, der Direktbank-Tochter der Frankfurter Sparkasse von 1822. Und was darf ich heute in der SZ lesen?

Die Bankenaufsicht Bafin greift bei der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) immer härter durch. [...] Zuvor hatten die Aufseher die unverzügliche Abberufung der beiden suspendierten Vorstände gefordert. [...]

In den Branchenkreisen war weiter zu hören, die Bafin komme in ihrem Untersuchungsbericht zu den Vorgängen bei der Fraspa zum Schluss, dass die Vorstände gegen Bestimmungen des Handelsgesetzbuches verstoßen haben. Sie hätten Risiken verschleiert, Unterlagen manipuliert und die Abschlussprüfer systematisch in die Irre geführt hätten[sic!].

Über die Eigentumsverhältnisse sagt die Wikipedia:

Sie ist eine “Freie Sparkasse” und hat den rechtlichen Status eines wirtschaftlichen Vereins.

Eigentümer sind die Polytechnische Gesellschaft zu 60 % und die Stadt Frankfurt am Main zu 40 %.

Haben die sowas wirklich nötig?

Spiegel schreibt mal wieder wirr

Spiegel online berichtet über die geplante Rundfunkgebühr für Internet-PCs (Primärquelle war übrigens die FAZ).

Wie für den Spiegel üblich ist der Artikel von den Fakten her mal wieder ziemlich wirr und desorientierend.

Mal sehen, ob die meinen Leserbrief veröffentlichen:

Alles sehr interessant, aber um das Ganze auch selbst beurteilen zu können, fehlt mir ein wesentliches Detail: Der neue Rundfunkgebührenstaatsvertrag. Der scheint Ihnen ja vorzuliegen, woher haben Sie sonst Ihre Infos?

Einen Fehler habe ich in Ihrem Text jedenfalls schon entdeckt. Sie schreiben: “Bislang gelten PCs nicht als Empfangsgeräte und müssen somit bei der GEZ nicht angemeldet werden.” Das ist falsch. Bisher sind PCs, die Rundfunkprogramme ausschließlich über Internet empfangen können, von der Gebührenpflicht ausgenommen. Solche PCs, die Rundfunkprogramme über Internet empfangen können, gelten also auch schon nach bisherigem Recht als Rundfunkempfangsgeräte, damit wären sie prinzipiell auch anmeldepflichtig, was die GEZ aber bisher nicht interessiert hat, da sie ja auch kein Geld bekommen hat. Lediglich die Gebührenpflicht war ausgesetzt.

Ob ein PC überhaupt in der Lage ist, Rundfunkprogramme nicht zeitversetzt wiederzugeben ist wiederum eine andere Frage, die bisher nicht gerichtlich geklärt worden konnte, weil dafür kein Bedarf bestand.

Jedenfalls ist Rundfunkempfang über Internet nur in sehr eingeschränktem Umfang möglich. Es wäre eine interessante Rechtsfrage, ob eine Gebührenerhebung in diesem Fall verfassungskonform ist, namentlich das Äquivalenzprinzip, also die gebührenrechtliche Ausprägung des Verhältnismäßigkeitsprinzipes, nicht verletzt.

Spieglein, Spieglein hier im Land …

Am Montag berichtete der Spiegel auf Seite 60 über Sonderschullehrer Büsing und seinen Kampf gegen ein Fugen-s in der Präambel des Grundgesetzes.

Formulierungen wie

Der Sorgfalt des Pädagogen ist es zu verdanken, dass nun auch ein Text von allgemeinerem Interesse korrigiert werden muss:

die einseitig Partei beziehen, beweisen wieder einmal die hohe journalistische Qualität dieses Blattes. Eigene Recherche hat der Spiegel übrigens nicht betrieben, auch ein gründliches fact checking hielt man nicht für nötig, wie man an folgendem Beispiel erkennen kann:

ein eifriger Ministerialbeamter hatte gar herausgefunden, dass “der Parlamentarische Rat, vergleiche Stenobericht, Seite 238 (Schlussabstimmung) der 10. Sitzung des Plenums” am 8. Mai 1949, die – korrekte – Formulierung “verfassunggebend” gewählt habe. Erst bei der Verkündung wenige Tage später sei, warum auch immer, das falsche “s” dazugekommen.

Dieser Teilsatz kommt vordergründig als Zitat des BMI daher, auf subtilere Weise erweckt er den Eindruck, die Formulierung “verfassungsgebend” sei falsch, und verkennt, daß das – beabsichtigte – “s” bei der Verkündung wieder aufgetaucht war.

So sind die Tatsachenbehauptungen in dem Artikel zwar nicht falsch (die zitierten Quellen haben es ja tatsächlich so gesagt oder geschrieben), insgesamt entsteht aber ein vollkommen falsches Bild.

Sehr interessant ist bei der Gelegenheit auch, was die Wikipedia so über den Spiegel zu sagen hat:

1956/57, rund zehn Jahre nach der Gründung des Spiegel, verfaßte Hans Magnus Enzensberger seine Analyse Die Sprache des Spiegel, in der er eine Reihe von Thesen aufstellte: Die Sprache des Spiegel verdunkele, wovon sie spreche, das deutsche Nachrichtenmagazin sei keins, der Spiegel übe nicht Kritik, sondern deren Surrogat, der Leser des Spiegel werde nicht orientiert, sondern desorientiert, und der Spiegel sei unentbehrlich, solange es in der Bundesrepublik kein kritisches Organ gebe, das ihn ersetzen könne. Diese kritische Einstellung revidiert Enzensberger auch nach der Spiegel-Affäre nicht; er sieht das Magazin weiterhin als latentes Gefahrenpotential für die deutsche Demokratie.

Rettet das Fugen-s!

Am Samstag berichtete Spiegel Online “vorab”, und am Montag der Spiegel in seiner Print-Ausgabe, daß ein Sonderschuloberlehrer aus Berlin nun offensichtlich beim Petitionsausschuß und beim Bundesministerium des Innern erreicht hat, daß das Fugen-s im Ausdruck “verfassungsgebende Gewalt” in der Präambel des Grundgesetzes:

Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.

Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

bei nächster Gelegenheit gestrichen werden soll.

In der Newsgroup de.etc.sprache.deutsch entbrannte sogleich eine heftige Diskussion.

Ergebnis: Die Lage ist keineswegs so klar, wie es der Duden-Verlag und Herr Büsing sehen, und wie das BMI jetzt – vermutlich vollkommen genervt – eingeräumt hat. Vor Verabschiedung des Grundgesetzes waren beide Varianten verbreitet, der angebliche Fehler in der Verkündung ist ein Fehler im stenographischen Protokoll, und analoge Formen sprechen für die Variante mit Fugen-s.

Dieser Wahnsinn muß gestoppt werden. Ich habe daher heute eine Petition an den Bundestag geschickt mit dem Ziel, die Rücknahme der Vormerkung dieser “Korrektur” zu erreichen.

Das Petitionsverfahren des Herrn Büsing dürfte übrigens noch nicht abgeschlossen sein, letzten Mittwoch erfolgte erst die Stellungnahme des BMI zur Petition.

Ich möchte Euch daher alle aufrufen, Euren Unmut über diese geplante Änderung, die über die Köpfe der Sprachgemeinschaft hinweg erfolgen soll, auszudrücken, sei es durch Kommentare in diesem Blog oder durch eigene Petitionen an den Bundestag. Hier die Anschrift:

Deutscher Bundestag
- Petitionsausschuß -
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Demnächst werde ich hier eine Unterschriftenliste veröffentlichen.

Setzt Euch ein, der Kampf gegen Oberlehrer und Sprachzerstörer ist noch nicht verloren!

Feilschen nicht nötig

Ob Feilschen auf arabischen Souks auch so einfach ist?

Ich hatte die Süddeutsche Zeitung im Rahmen einer Aktion für vier Wochen im Probe, inclusive leider ziemlich unbrauchbarer Armbanduhr (aber die kann ich bestimmt bei eBay verticken).

Ende September rief man mich an, ob ich die Süddeutsche gerne weiterlesen möchte, ich wurde auch gleich gefragt, ob ich Student sei, damit man mir den günstigeren Studententarif anbieten konnte.

Ich wollte es mir noch einmal überlegen, auch kein Problem, man würde mich wieder anrufen. Der Anruf kam dann am Montag: Jetzt bot man mir zusätzlich auch noch zwei kostenlose Wochen an, nach denen ich nie gefragt hatte.

Heute kam dann außerdem die Bestätigungs-eMail:

[...]

wir danken Ihnen für Ihr Interesse an der Süddeutschen Zeitung und freuen uns, daß Sie sich entschlossen haben, die Süddeutsche Zeitung im täglichen Abonnement zu lesen. Ergänzend zu dem geführten Telefonat, hier einige Details zu Ihrem SZ-Abo:

Sie erhalten die Süddeutsche Zeitung ab dem 15.10.04. Die ersten zwei Wochen werden wir Ihnen, wie zugesagt, gratis liefern.

[...]

Als kleines Dankeschön erhalten Sie einen Uni-Bag. Dieses Geschenk geht Ihnen per Post zu.

Jo, super, dankeschön.

Aber das mit dem Feilschen solltet ihr trotzdem noch mal üben – kein Wunder, daß es der deutschen Wirtschaft so schlecht geht.

Oder war das jetzt die Entschädigung dafür, daß die SZ doch nicht zur alten Rechtschreibung zurückkehrt?

Firlefanz

Jan hatte neulich eine Handschriftdeutungs-Seite entdeckt. Obwohl die Methodik recht zweifelhaft ist, im Grunde wird meine Analyse meiner eigenen Schrift analysiert, habe ich mich von der Neugier hinreißen lassen und es auch mal probiert.

Raus kam das hier:

Jens ist ein impulsiver, unsteter, vielseitiger und unkonventioneller Typ.
Es fällt ihm nicht leicht, sich anzupassen.

Jens ist von sich überzeugt und hat eine eigene Meinung.
Er lässt sich von anderen nicht so leicht beeinflussen,
auch nicht von einem “Das gehört sich aber so.”

Jens ist ein Gewohnheitsmensch.
Er ist mit einer praktischen Intelligenz ausgestattet,
die ihm erlaubt, rationell zu arbeiten,
und zwar im Privat- wie auch im Berufsleben.
Für ihn ist verbindliches Auftreten und Arbeiten selbstverständlich.

Er ist lebhaft und kontaktfreudig.
Mit viel Verständnis für die Belange anderer.

Jens legt Wert auf eine Grunddistanz zu seinen Mitmenschen.
Auch gute Kollegen müssen nicht alles wissen.

Jens ist ein impulsiver und phantasievoller Idealist.

Aha.

Deutschlands am meisten zersiedelte Stadt

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg will sich jetzt selbst abschaffen, indem alle seine Gemeinden zu einer neuen kreisfreien Stadt zusammengefaßt werden, berichtete gestern die Süddeutsche Zeitung.

Hintergrund: Lüchow-Dannenberg ist mit 52000 Einwohnern der kleinste Kreis Niedersachsens, hat aber 116 Millionen Euro Schulden und ein jährliches Haushaltsdefizit von 30 Millionen Euro und ist damit der ärmste niedersächsische Kreis.

Damit wäre Lüchow-Dannenberg dann wohl die am stärksten zersiedelte Stadt Deutschlands, und wohl auch die einzige, die an drei andere Bundesländer grenzt.

AP formuliert es dann allerdings schon in der Überschrift deutlich anders:

Landkreis Lüchow-Dannenberg soll Regionalgemeinde werden

Keine Ahnung, was eine Regionalgemeinde sein soll, aber wenn es so etwas wie eine Samtgemeinde ist, besteht ein klitzekleiner Unterschied: Im Gegensatz zu einer Stadt besteht sie aus formal selbständigen Mitgliedsgemeinden.

Achja, warum mich das so interessiert: Ich finde die Vorstellung recht faszinierend, daß mein Bruder demnächst in der Stadt Lüchow-Dannenberg, Ortsteil Hitzacker, leben könnte.