Regierung Teufel läßt ‘Teufel’ nicht frei

In der ARD kam gerade eine Reportage über den am längsten einsitzenden Strafgefangenen der Bundesrepublik, Heinrich P.

Satte 45 Jahre sitzt er jetzt fast schon hinter Gittern, und obwohl das Bundesverfassungsgericht schon vor Jahren feststellte, Heinrich P. habe seine Strafe längst verbüßt und eine Inhaftierung ohne Aussicht auf ein Ende verstieße gegen die Menschenwürde, passiert: nichts!

Und das in Bruchsal, nur ca. 20 Kilometer vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entfernt.

Die CDU präsentiert sich ja gerne als wertkonservativ, was man ja durchaus positiv sehen kann. Zumindest in Baden-Württemberg muß man sie wohl eher als reaktionär bezeichnen.

Weitere Informationen gibt es zum Beispiel hier.

Ein kleiner Lichtblick: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird seiner Aufgabe mit dieser sehr engagierten Reportage gerecht.

UPDATE: Noch ein paar Quellen

Verwirrte Software

Als ich am letzten Mittwoch meine Rückfahrt von München plante, war natürlich mal wieder Tarifexegese angesagt, man will ja nichts verschenken.

Bei ansonsten gleichen Parametern (ICE München – Stuttgart) zeigte Hafas zwei verschiedene Fahrpreise, je nachdem, ob ich in München Hbf oder München-Pasing von der S-Bahn in den ICE umsteigen sollte.

Umsteigen in Pasing war 50 Cent teurer. Was war hier los? Sind etwa nicht sämtliche S-Bahn-Stationen im Innnenbereich des MVV in die tarifliche Gleichstellung unter der Sammelbezeichnung München einbezogen? Und sollte es nicht ansonsten günstiger sein, wenn ich die Strecke München Hbf – München-Pasing in der (langsameren und unbequemeren) S-Bahn zurücklege?

Des Rätsels Lösung: Das Tarifmodul von Hafas wird durch die Tücken des Bahntarifs offenbar gründlich durcheinander gebracht und berechnet zusätzlich die längere S-Bahn-Strecke nach Kilometer-Tarif.

Auch nach Auskunft des Kundendialogs der Die Bahn ist das billigere Ticket natürlich für beide Möglichkeiten gültig.

Bei Gelegenheit werde ich mal beide Möglichkeiten als Online-Ticket buchen (und wieder stornieren). Täte mich schon interessieren, worin sich denn die Wegeangaben nun unterscheiden.

Sprechende Namen

Es ist immer wieder nett, was für sprechende Namen manche Leute haben.

Da wäre zum Beispiel Herr Ballermann vom Kreiswehrersatzamt Bad Oldesloe zu nennen, der immer das in der Schule ausgehängte Ankündigungsschreiben über die Musterung der Abschlußjahrgänge unterzeichnete.

Oder Frau Bierschwall vom Arbeitsamt Kaltenkirchen, die zuerst meinen Antrag auf Arbeitslosengeld wortreich ablehnte und dann auf meinen Widerspruch doch gewähren mußte.

Gerade entdecke ich auch ein Schreiben der Techniker Krankenkasse, das mit den freundlichen Worten

Haben Sie Fragen? Natürlich stehen wir Ihnen auch weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung. Rufen Sie an, ich berate Sie gerne.

endete.

“Ich” ist die Sachbearbeiterin, die nur ganz versteckt im Briefkopf angegeben ist: Frau Sorgenfrei. Warum eigentlich? Das ist doch eine wunderbare Werbung!

Simulanten bei ARD und ZDF

Schon nach der Wahl in Sachsen und Thüringen konnte man sich nur an den Kopf fassen, auf welch stümperhafte Art und Weise ARD und ZDF mit den NPD-Demagogen umgegangen sind.

Statt die undemokratischen Umtriebe dieser Neonazis wirklich zu entlarven, übt man sich selbst in undemokratischer Gesprächskultur und ansonsten in Diskursverweigerung oder plumper Polemik.

Die Methode von Phoenix, einen etwas längeren Redenausschnitt einfach unkommentiert zu senden, ist allerdings wohl wirklich nur auf diesem Sender möglich, auf den sich der gemeinde Bild-Leser eher selten verirren dürfte.

Die Medien haben offenbar zu viel Angst vor dem Feuer, um hier inhaltlich zu argumentieren. Stattdessen versucht man mit besonders polterndem Fragen, kritischen Journalismus zu simulieren (Zeit).

Super. Wozu bezahlen wir nochmal Rundfunkgebühren?

Hitler als Droge

Die Zeit sieht Hitler als die härteste aller Drogen, die Aufmerksamkeit produzieren, als politisches Spielmaterial und beliebig einsetzbares Schreckensbild.

Die Nazizeit sei bloße Chiffre des Bösen und , von der Popkultur vereinnahmt, international marktgängiges Kulturgut.

Der Autor führt dies darauf zurück, daß versäumt wurde, diese Schuld [der normalen Bürger] zu benennen und zu ahnden und sie dadurch auf alle ausgedehnt wurde.

Zielgenau arbeitet er die Probleme für das gesellschaftliche Bewußtsein und den öffentlichen Diskurs heraus:

In ihrem Versuch, den Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus zu verstehen, ist die Zivilisation, die sich brechen ließ, selbst unter Verdacht geraten. Es gibt nahezu keinen Lebensbereich, den die Faschismustheorien nicht als Keimzelle des Unheils gedeutet haben: den Kapitalismus ebenso wie den Antikapitalismus, die bürgerlichen Lebensformen ebenso wie den antibourgeoisen Affekt. Deswegen konnte ein Kapitalist in den siebziger Jahren schon als Faschist gelten, und heute umgekehrt ein Antikapitalist schon als Antisemit. Noch jüngst wurde Kritikern Amerikas vorgeworfen, sie stünden in der Tradition der Nazis; denn auch Antiamerikanismus sei Antisemitismus.

Der rhetorische Missbrauch des Nationalsozialismus hat einen verhängnisvollen Nebeneffekt: Es ist die Verharmlosung. Wer schon den Antikapitalismus für antisemitisch hält, erzeugt den Eindruck, es ginge letztlich nicht um Verbrechen, sondern um unsympathische Meinungen. Bei dem Versuch, eine mögliche Wiederkehr von Nazigedanken schon im Keim aufzuspüren, hat sich ein hoch empfindliches Alarmsystem ausgebildet, das auf die wirklich groben Rückfälle nicht mehr anspricht. Es ist wie mit einem Messgerät für kleinste Spannungen: Starkstrom kann es nicht anzeigen. Die Konsequenz ist fatal: Während tätliche Angriffe auf Ausländer lange Zeit nur höchst schleppend verfolgt wurden, steht jede öffentliche Rede über Ausländer unter misstrauischer Beobachtung.

Das ist die Quittung für eine übertreibende Geschichtsdidaktik. Wo überall Parallelen zur Nazizeit gezogen werden, sind aber am Ende gar keine mehr sichtbar. Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger öffentliche Rede über Hitler.

Bürokratische Pädagogik

Wenn Pädagogen und Bürokraten (ggf. auch in einer Person) zusammenwirken, kommt sowas raus:

Ein Brief des Niedersächsischen Kultusministers zum Thema Pädagogisches Verhalten in FKK-Bereichen.

Nicht verschweigen möchte ich, daß diverse Ungereimtheiten darauf hindeuten, daß es sich wohl eher um einen Fake handelt.

Deswegen ist diese Satire aber nicht minder gelungen.

Freien Funk für freie Bürger!

Ich dagegen halte einen bürgerkontrollierten Rundfunk für so wichtig, dass ich seine ersatzlose Abschaffung als Angriff auf elementare Grundrechte betrachten würde, aus dem ich ein Recht zur Notwehr folgern würde. Notfalls auch mit der Waffe gegen diese Feinde unserer Demokratie.

schreibt Tom Berger in einem Beitrag in de.soc.recht.misc.

Recht hat der Mann. Irgendwas muß der Volksverdummung von RTL&Co. ja entgegengesetzt werden.

Und diejenigen, die ständig gegen die GEZ hetzen, sollten sich vielleicht mal überlegen, wie sie dieses freie Medium freier Bürger sonst finanzieren wollen. Aber da wird ja eh der gesamte Komplex GEZ & Rundfunkfinanzierung munter durcheinandergewürfelt, was zur Information sicherlich nicht beiträgt.

Laßt mich nicht erfrieren …

Seit zwei Tagen versuche ich, meine Heizung zum Laufen zu kriegen.

Erste Idee: Luft im Heizkörper. Eine Entlüftungsschraube gibt es aber nicht, zumal ich eh keinen passenden Schlüssel gehabt hätte.

Also einfach mal wild rumprobieren … Nach ungefähr zehnmaligem Hin- und herdrehen des Temperaturreglers machte es plötzlich hörbar *knack*, das Ventil war offen, und der Heizkörper wurde warm.

Ich muß also nicht erfrieren.

Eigenwillige Preisgestaltung

Für Studierende gilt der E-Paper Preis von 20 EUR monatlich. In Verbindung mit einem ermäßigten Print-Abo (im Inland: 16,50 EUR monatlich, im Ausland: 19,00 EUR monatlich) kostet das E-Paper nur 3 EUR zusätzlich im Monat.

Die SZ subventioniert also die Altpapierentsorgung beim Kunden mit exakt 50 Cent pro Monat – ob man damit hinkommt, müßte man ausrechnen. Zumindest hier in Karlsruhe wird Altpapier nämlich über die kostenpflichtige Wertstofftonne entsorgt.

Was ist eigentlich Rekursion?

Auf der Website der SZ kann man einen interessanten Effekt beobachten: Eine wunderschöne Endlosweiterleitung über immer wieder gleiche drei Adressen.

So ein Murks sollte im 21. Jahrhundert eigentlich nicht mehr existieren, selbst wenn ich eine eminent wichtige Funktion zu aktivieren vergessen haben sollte.

Achja: So eine URL druckt die Süddeutsche natürlich auch in Anzeigen für ihre ePaper-Ausgabe.

MSN: Mozilla muß draußen bleiben

Wo käme man denn da hin, wenn jeder mit Mozilla seine Website bei MSN Search eintragen könnte?

Mit Mozilla bekommt man dann diese Meldung:

Please Upgrade Your Browser
You are using: Mozilla/5.0 (X11; U; Linux i686; de-AT; rv:1.7.2) Gecko/20040820 Debian/1.5-2 StumbleUpon/1.89
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Psychosomatische Kerosin-Beschwerden

In der Süddeutschen Zeitung von gestern wird berichtet, daß Flugzeuge im Landeanflug auf Zürich in letzter Zeit vermehrt über dem Schwarzwald Kerosin abgelassen hätten.

Das Ablassen des Kerosins, das von Pumpen zerstäubt wird, sei unbedenklich. Laut TÜV Rheinland verdunste der Treibstoff fast restlos in höheren Luftschichten zu Wasser und Kohlendioxid. Es sei noch nicht gelungen, Kerosin am Boden nachzuweisen, heißt es auch in einer Untersuchung des Kantons Zürich. Schwarzwald-Bewohner hatten nach Bekanntwerden der Fälle über körperliche Reaktionen wie Hustenanfälle geklagt.

(Betonung hinzugefügt)

Da haben die badensischen Hinterwäldler ja echt den Vogel abgeschossen. Ist ja schlimmer als bei der ominösen Handy-Strahlung.

Tevion rulez!

Nach einem Firmware-Update kann der Tevion DVD-3000 jetzt sogar eine DVD mit 12 MPEG4-Dateien (DivX) lesen, die ich für verbrannt gehalten hatte.

Hintergrund: Ich wollte einen Brennvorgang simulieren, die Ausgabe von cdrecord bestätigte auch, daß es sich um eine Simulation handelte, nach ein paar Sekunden brach ich den simulierten Brennvorgang ab, und danach war auf dem Rohling angeblich der Anfang eines Tracks drauf. growisofs -M hat trotzdem die Dateien draufgebrannt.

Das Inhaltsverzeichnis konnte der Player dann auch lesen, beim Aufruf einer Datei kam eine Meldung READING INDEX ... und das Teil war offensichtlich abgestürzt. Nach dem Firmware-Update lief es dann. Seltsam, seltsam …

Dibadibadooo

Letzte Woche hatte ich meinen Internetbanking-Zugang bei der Diba unbrauchbar gemacht, weil ich versäumt hatte, von der alten TAN-Liste eine TAN zur Aktivierung der neuen Liste aufzusparen. Nicht, daß das auf der Liste selbst irgendwo stehen würde …

Und was merke ich gerade eben? Die neue TAN-Liste läßt sich auch ganz einfach über Telebanking aktivieren … Steht auch nirgendwo …

Auch amerikanische Richter haben zuweilen erleuchtete Momente …

It is during our most challenging and uncertain moments that our Nations commitment to due process is most severely tested; and it is in those times that we must preserve our commitment at home to the principles for which we fight abroad.

(Justice O’Connor in der Entscheidung des US Supreme Court in Hamdi gegen Rumsfeld)

These amenities have dignified the right of dissent and have honored the right to be nonconformists and the right to defy submissiveness. They have encouraged lives of high spirits rather than hushed, suffocating silence.

(Papachristou v. City of Jacksonville, 405 U.S. 156, 164 (1972))

That citizens can walk the streets, without explanations or formal papers, is surely among the cherished liberties that distinguish this nation from so many others.

(Berufungsgericht für den District of Columbia in Gomez gegen Turner)

Implicit in the term ‘national defense’ is the notion of defending those values and ideals which set this nation apart.

(US-Bezirksgericht für den südlichen Bundesstaat New York in ACLU, et. al. gegen Department of Defense, et. al.)